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Soziales Leben im Ruhestand: Wiescheider knüpfen Freizeit-Netzwerk

Soziales Leben im Ruhestand : Wiescheider knüpfen Freizeit-Netzwerk

Zwischen Arbeit und Ruhestand: Auch Langenfelds kleinster Stadtteil hat jetzt eine Zwar-Gruppe.

Von der Resonanz waren die Planer sichtlich überwältigt: Denn im Saal der Wasserburg Haus Graven blieb manchen Besuchern nur ein Stehplatz: Etwa 140 Menschen, ungefähr jeweils zur Hälfte aus Langenfeld und Solingen, hatten sich zur Gründung der neuen Zwar-Gruppe (Zwischen Arbeit und Ruhestand) für das Quartier Wiescheid-Rupelrath am malerischen Schauplatz eingefunden.

Unter den an gemeinsamen Aktivitäten Interessierten war auch Ute Willems: "Ich bin aus Neugier gekommen", erklärte sie. Durch Freunde habe sie von den verschiedenen Unternehmungen innerhalb der Zusammenschlüsse von Menschen im Alter ab 55 Jahren erfahren, die in anderen Langenfelder Stadtteilen bereits etabliert sind. "Viele Ältere wollen, dass etwas passiert", sagte Willems. Möglichkeiten zum Ausgehen gebe es in Wiescheid kaum mehr.

Seinen Ursprung hat das Zwar-Projekt im Ruhrgebiet. Ausgehend von einer Initiative an der Universität Dortmund bildeten sich ab Ende der 70er Jahre die ersten Netzwerke. Die sollen es den Teilnehmern nach dem Ausklang ihres Berufslebens ermöglichen, sich mit eigenen Zielen und Wünschen auseinanderzusetzen und am sozialen Leben teilzunehmen.

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"Zwar ist eine große Bereicherung für mich", betonte bei der Gründungsveranstaltung Hans-Joachim Dörpinghaus: Er wird die neue Gruppe begleiten - und verfügt selbst über viel Erfahrungen als Mitglied in einem solchen Netzwerk: "Als eine Frau aus unserer Mitte krank war, hat man darüber gesprochen, wer sie wann im Krankenhaus besucht", lobt er den Zusammenhalt. "Selbstbestimmt, aber nicht unverbindlich" sei die Teilnahme an einer Zwar-Gruppe. Fünf davon gibt es bereits in Langenfeld. Die sechste greift nun erstmals auch auf Solingen über. Die beiden beteiligten Städte stellen gemeinsam 5000 Euro als Starthilfe zur Verfügung. Die Zwar-Zentralstelle NRW moderiert den Gründungsprozess.

Dann ist es an den Bürgern, das Leben im Netzwerk selbst zu gestalten. Wie ihre Aktivitäten letztlich aussehen, bleibt ihnen überlassen. Die Bandbreite reicht von gemeinsamen Museumsbesuchen über Sportangebote bis zum sozialen Engagement. Bei den Zuhörern im Haus Graven machte Langenfelds erste Beigeordnete Marion Prell ein starkes kommunalpolitische Interesse unter den Besuchern aus: "Die Menschen wollen zum Beispiel gerne mit Politikern ins Gespräch kommen und sich anschauen, wo es im Stadtteil ein Verbesserungspotential gibt."

Nach einigen Grußworten, darunter auch vom Solinger Sozialdezernenten Jan Welzel, tauschten sich die Gäste des Gründungsabends in Gruppen eingeteilt über ihre persönlichen Ziele aus. Wie groß das Interesse an der neuen Zwar-Gruppe wirklich ist, werden die nächsten Abende zeigen. Doch die Reaktionen am Ende der Veranstaltung bewertete Prell schon einmal als gutes Signal: "Die Merkzettel, die wir vorbereitet hatten, fanden einen reißenden Absatz."

(riedel)