Langenfeld: Wie Experten Unfallflüchtige aufspüren

Langenfeld : Wie Experten Unfallflüchtige aufspüren

Jede zweite Unfallflucht wird aufgeklärt. Dafür hat das Verkehrskommissariat sechs Spezialisten, die Spuren deuten.

Die Verkleidung eines Seitenspiegels, ein Stück einer Rammschutzleiste mitsamt einem heraus gebrochenen Stück von einem Blinklicht — das reichte Adelbert Moroschewski und Birgit Altevers, um den Verursacher eines beschädigten BMW und eines Metallpfostens auf dem Haaner Rathausparkplatz aufzuklären. Keine Woche später hatten die Polizisten der Kreisbehörde Mettmann Anfang Februar das dazu gehörige Fahrzeug und den Unfallflüchtigen gefunden.

Jedes Jahr registriert die Polizei 2850 Unfallfluchten in Hilden, Haan, Mettmann, Erkrath, Langenfeld und Monheim. Meistens sind dies Fälle, in denen ein parkendes Auto beschädigt wird und scheinbar jede Spur vom Verursacher fehlt. Doch auch wenn Menschen im Straßenverkehr verletzt werden, suchen die Beamten nach dem Täter. Bei der Hälfte aller Ermittlungen kommt das Verkehrskommissariat Süd mit seinen sechs Spezialisten inzwischen zu einer Lösung.

So wie bei dem Fall in Haan: Selbst kleinste Teile eines Autos führen die Spezialisten des Verkehrskommissariats Süd auf die Spur der Täter. Im Inneren des gefundenen Seitenspiegelteils am Unfallort befindet sich eine Tabelle, die das Baujahr des gesuchten Autos zeigt, und eine Seriennummer. "Wir haben die Ziffern mit unserem Computerprogramm Luna abgeglichen und festgestellt, dass es sich um einen schwarzen Opel Vectra B aus dem Baujahr 1995 handelte", berichtet Adelbert Moroschewski. Anschließend überprüfte der Hauptkommissar sämtliche Halter eines solchen Modells in Haan und wurde schnell fündig. "Die Chance erwischt zu werden, wenn man sich vom Unfallort entfernt, liegt bei 50 Prozent. Das ist schon eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit", sagt Frank Richartz. "Oft fahren Leute weg, weil sie keinen Führerschein haben oder alkoholisiert sind. Manchen ist es peinlich oder sie glauben, ihre Versicherung zahle nicht", sagt der Leiter des Verkehrskommissariats. So verhältnismäßig einfach wie vor kurzem in Haan ist es allerdings meistens nicht, einen Unfallverursacher nachträglich wieder zu finden. "Es ist extrem wichtig, dass der Wachdienst gute Arbeit macht und die Spuren sichert, damit wir ermitteln können", sagt Adelbert Moroschewski. Das kann auch eine blutige Angelegenheit werden. So wie in dem Fall, in dem ein Mann mit beiden Beinen unter einen Lastwagen geriet — und der Fahrer sich nicht um den Verunglückten kümmerte. Dann geht es um DNA-Spuren, denen die Ermittler folgen müssen. Manchmal, wenn es aber an aussagekräftigen Spuren in Form von Lacksplittern oder eben Gewebe fehlt, sind die Beamten auf Zeugen angewiesen, die sie über Zeitungsmeldungen, Flugblätter oder Postsendungen suchen.

So dauert es auch mal mehrere Monate, bis ein Fall aufgeklärt ist. "Solche Fälle nimmt man nach dem Dienst auch mit nach Hause und grübelt über sie nach", gesteht Moroschewski. Umso befriedigender ist es für den Beamten auch nach 25 Jahren Dienstzeit noch, wenn durch seine Ermittlung ein Schaden ersetzt werden kann.

Oft führt die Spur auch aus dem Kreis Mettmann hinaus. "Durch einen abgefahrenen Spiegel ist eine Autofahrerin mal durch ihr offenes Fenster schwer verletzt worden. Es handelte sich um ein seltenes Fahrzeug, das wir erst in Dorsten wieder finden konnten", berichtet Moroschewski.

(RP)
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