Langenfeld/Monheim: Wetter frustriert Wirte

Langenfeld/Monheim : Wetter frustriert Wirte

Die Institution Biergarten gibt es seit genau 200 Jahren. Doch im Jubiläumsjahr haben die Wirte bisher nichts zu lachen: Der verregnete Sommer macht ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Normalerweise bieten die "Baumberger Rheinterrassen" an der Klappertorstraße im Hochsommer das, was man ein "lauschiges Plätzchen" nennt: Kastanien bieten Schutz, wenn die Sonne vom Himmel "knallt"; vom Rhein her weht ein laues Lüftchen; an den Nachbartischen sind die bis zu 250 Gäste ebenso gut gelaunt wie man selbst. In diesem Juli aber ist — bis auf die Kastanien — alles anders: Die Sonne versteckt sich meist hinter Wolken, die oft das Wasser nicht halten können; das Lüftchen ist eine frische Brise; die Freiluft-Gäste sind noch nicht mal schlecht gelaunt, weil gar nicht erst vorhanden. "Da machen wir extra außerhalb des Sommers Urlaub, damit bei Hochbetrieb alle mitanpacken können, und dann sowas", seufzt Viktor Kordes, der Koch.

"Wir leben vom Sommer"

Die andauernde Tiefdrucklage setzt den Betreibern von Biergärten zu. "Wir leben vom Sommer", zitiert Kordes seine Chefin. Sprich: Der Großteil des Umsatzes — bis zu 80 Prozent — wird in der warmen Jahreszeit gemacht. "Am Wochenende haben wir auch im Restaurant gut zu tun, aber in der Woche bleiben die vielen Gäste aus, die es bei schönem Wetter an den Rhein zöge."

Statt dessen kommen die Mücken. Ein paar Kilometer flussaufwärts, vor "Bormachers Altem Brauhaus", gehört ein Insektenspray Leverkusener Provenienz fast schon zum Tischbesatz wie Pfeffer und Salz. "Die Gäste können sich damit einsprühen, das zählt zum Service des Hauses", wirbt Wirtin Petra Randhahn mit einer Prise Sarkasmus. Gerne würde sie Nachschub ordern müssen, aber das ist vorerst nicht nötig: "Biergarten ist ein An-Aus-Geschäft: Bei schönem Wetter brummt der Laden, bei schlechtem Wetter kommt gar keiner", weiß die 56-Jährige aus jahrzehntelanger Erfahrung. Es kämen weder Monheimer, die den Feierabend gerne draußen zu verbringen pflegen, noch Radtouren-Gruppen, die Gelegenheit zur Einkehr suchen. An einem sonnigen Sommersonntag tummeln sich nach ihren Worten sonst laufend gut 100 Gäste auf der Terrasse — "im fliegenden Wechsel".

"Zum Glück ruht unsere Existenz auf drei Säulen, haben wir noch die Festhalle und die Gaststätte, mit der wir einen Teil des Freiluft-Umsatzes auffangen", sagt Randhahn. Auch beim "Brauhaus" am Berliner Platz in Langenfeld hat sich das Geschäft "nach drinnen verlagert", wie Pächter Ivan Beslic berichtet. "Dumm ist natürlich, dass wir erst voriges Jahr unsere Terrasse um 40 bis 50 Plätze erweitert haben. Wir haben in neues Mobiliar investiert, das seither kaum genutzt wurde."

Doch der Gastronom mit kroatischen Wurzeln hat die Hoffnung in den Sommer 2012 noch nicht ganz fahren lassen: "Schlechter kann es jedenfalls nicht werden." Auch "Rheinterrassen"-Koch Kordes setzt auf die zweite Halbzeit des Sommers "bis hin zu einem goldenen Oktober". Und Petra Randhahn blickt erwartungsvoll auf die Wiederaufnahme des Fährbetriebs mit der Piwipp im August: "Auf die freue ich mich, nicht nur wegen der Kindheitserinnerungen. 30 Pfennig kostete damals eine Überfahrt. Bin gespannt, wie das neue Bötchen angenommen wird und wie dies Monheim als Ausflugsziel zugute kommt."

(RP/ila)