Langenfeld: Werkstätten investieren 1,6 Millionen Euro

Langenfeld : Werkstätten investieren 1,6 Millionen Euro

Die WFB Werkstätten für Behinderte verstehen sich als Vorreiter der Inklusion. "Wir schlagen Brücken in die Arbeitswelt

Eine durchwachsene Bilanz für das Jahr 2012 haben gestern die WFB Werkstätten für Behinderte im Kreis Mettmann vorgelegt. "Unter schwierigen Bedingungen" sei es gelungen, den Umsatz knapp auf dem Niveau der Vorjahres — 3,21 gegenüber 3,23 Millionen Euro 2011 — zu halten.

Nach Angaben von Aufsichtsratschef Reinhard Ockel gaben die WFB im vorigen Jahr 2,1 Millionen Euro für Arbeitsentgelte aus. 1,6 Millionen Euro investierten sie. Zum Beispiel in den neuen Standort der Werkstatt zur Arbeitsförderung (WZA) an der Carl-Leverkus-Straße in Langenfeld oder in den Ausbau mehrerer Küchen, in denen die Mitarbeiter verpflegt werden. In der neuen Werkstatt arbeiten bereits 80 Personen, Platz wäre für bis zu 120.

Im laufenden Jahr streben die Werkstätten eine Umsatzsteigerung an. Ockel ist optimistisch, dass das klappen wird. In den fünf Arbeitsbereichen an drei Standorten in Langenfeld, Ratingen und Velbert arbeiteten Ende 2012 insgesamt 1124 Personen, 16 mehr als Ende 2011. Damit sind die Werkstätten bereits um 20 Prozent überbelegt, aber das sei nicht schlimm, versichert der Aufsichtsratsvorsitzende: "Der Kreis hat gesagt, es fehlen ja immer Mitarbeiter durch Krankheit oder Urlaub. Das sei so in Ordnung."

Geschäftsführer Heinrich Fellhauer schwärmt: "Wir haben sehr hochwertige Arbeitsplätze. Da werden nicht Tüten geklebt, sondern anspruchsvolle Arbeiten gemacht. Wenn ich mal mitarbeite und Ausschuss produziere, freuen sich die Behinderten", sagt er lachend. Die WFB Werkstätten nehmen, trotz knallharten Wettbewerbs, nicht jeden Auftrag an, erklärt Fellhauer: "Wir nehmen Rücksicht auf unsere behinderten Mitarbeiter und vermeiden alle Arbeiten, die besonders dreckig oder laut sind, um die Gesundheit der Leute nicht zu gefährden." Deswegen verzichten die Werkstätten zum Beispiel darauf, ihre Mitarbeiter in der Recyclingbranche einzusetzen.

Schon lange kooperieren die Werkstätten mit Puky in Wülfrath. "Mittlerweile bauen wir die Kinderfahrzeuge zusammen und machen auch die Endkontrolle", berichtet der Geschäftsführer. "Ich guck' schon immer auf der Straße und freue mich, wenn ich zum Beispiel das rosafarbene Prinzessin-Lillifee-Fahrrad sehe, das von uns zusammengebaut worden ist."

Weniger freut ihn die Diskussion über die Inklusion. Das sei für die Werkstätten schädlich und höchst ungerecht, denn: "Die Behindertenwerkstätten wurden damals gegründet, weil die Betriebe sich geweigert haben, Gehandicapte einzustellen." Der Aufsichtsratsvorsitzende Reinhard Ockel pflichtet ihm bei: "Die Werkstätten stehen schon immer für Inklusion, seit fast 50 Jahren, denn 1964 wurden sie vom Kreis eröffnet."

Wer jetzt meine, dass die Werkstätten nicht mehr zeitgemäß seien und geschlossen werden müssten, der solle aber auch die Gesetze ändern und Unternehmen dazu verpflichten, Behinderte einzustellen, schlägt Fellhauer vor. "Die WFB sondern niemanden aus. Sie helfen, Exklusion zu vermeiden, weil sie Teilhabe ermöglichen. Sie schlagen Brücken in die Arbeitswelt und fördern die Behinderten", sagt er voller Überzeugung. Er habe schon von vielen Gehandicapten gehört, dass sie gar nicht in der freien Wirtschaft arbeiten wollen: "Die wollen dort nicht das schwächste Glied in der Kette sein." In den Behindertenwerkstätten erhalten die Mitarbeiter pro Monat rund 150 Euro. "Das ist für die Taschengeld", sagt Fellhauer. "Wichtiger als der Verdienst sei es gerade für Schwerstbehinderte, Teil einer Gruppe zu sein. "Das sehen Sie ihnen an den Augen an, wie die glänzen."

Er hätte übrigens nichts dagegen, wenn Nichtbehinderte mit Behinderten in den Werkstätten zusammenarbeiten würden. Zurzeit sei das aber nicht möglich. "Die Gesetzeslage lässt das nicht zu."

www.rp-online.de/langenfeld

(RP/rl)
Mehr von RP ONLINE