Langenfeld/Monheim: Wenn Denkmale unbequem werden

Langenfeld/Monheim : Wenn Denkmale unbequem werden

Der "Tag des offenen Denkmals" steht diesmal unter dem Motto "Jenseits des Guten und Schönen". Auch in Langenfeld und Monheim beteiligen sich Einrichtungen an der Aktion. Aber nur eines der Denkmale ist wirklich "unbequem".

Lichte Vergangenheit? Gefällige Ästhetik? Der "Tag des offenen Denkmals", den die Deutsche Stiftung Denkmalschutz jährlich veranstaltet, stellt diesmal weder prächtige Schlösser noch Standbilder verdienter Persönlichkeiten in den Mittelpunkt, sondern "unbequeme" Denkmale. Objekte, die uns entweder "an Abgründe unserer Geschichte erinnern" oder die "uns nicht sofort förmlich" anstrahlen, wie es Schirmherr Bundespräsident Joachim Gauck in einem Grußwort formuliert. In Langenfeld und Monheim wird der "Tag des offenen Denkmals" am Sonntag, 8. September, an insgesamt drei Orten begangen — doch nur zu einem passt das Etikett "unbequem".

Der Gedenkstein in der Nähe der LVR-Klinikkirche erinnert an die mehr als 2000 "Euthanasie"-Opfer aus der früheren Heil- und Pflegeanstalt. Foto: Matzerath ; Archiv

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) beteiligt sich mit der LVR-Klinik in Reusrath an dem Denkmalstag. Genauer: mit der Klinikkirche und dem früheren Gutshof, der sich auf dem weitläufigen Gelände der Psychiatrie befindet. Die historische Hofanlage, zum Teil Fachwerk, wurde seit Gründung der Klinik im Jahr 1900 weiterhin landwirtschaftlich betrieben, ehe sie seit den 1980er Jahren Werkstätten für die Arbeitstherapie beherbergte. 2005 wurde der Gutshof saniert. Das zweite offene Denkmal auf dem Psychiatriegelände wird am 8. September die um 1900 erbaute Klinikkirche sein.

Wie der Gutshof ist das Gotteshaus weder hässlich noch historisch kontaminiert. Doch wer es besucht, wird auf dem Weg dorthin mit einem mörderischen Kapitel aus der Geschichte der Klinik konfrontiert: Rechts der Straße, die zur Kirche führt, erinnert ein gut zwei Meter hoher, etwa dreieckiger Gedenkstein an die mehr als 2000, überwiegend geistig behinderten Patienten der damaligen Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Galkhausen, die zwischen 1941 und 1945 deportiert und ermordet wurden. Sie wurden im Zuge der nationalsozialistischen "Euthanasie"-Verbrechen in Hadamar bei Limburg vergast oder — nach den Brandpredigten Kardinal Clemens August Graf von Galens im Dom zu Münster und der offiziellen Einstellung der sogenannten T-4-Aktion — im Osten umgebracht.

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In Monheim sind wieder die beiden Baudenkmale am deutschlandweiten Besichtigungstag dabei, die schon in den vergangenen Jahren geöffnet hatten: der Große Hof am Marienburgpark und Haus Bürgel in der Urdenbacher Kämpe. Dieses ein ehemaliges Römerkastell, später Burganlage und Gutshof, jener einst ein Adelssitz, 1545 erstmals urkundlich erwähnt. Beide geschichts-trächtig — aber unbequem? "Nein, das Motto des Denkmaltags passt diesmal sicherlich nicht zu Haus Bürgel. Aber wir beteiligen uns seit der Premiere 1993 an dem deutschlandweiten Aktionstag, und das wollen wir — bei jährlich wechselnden Mottos — auch weiter tun", sagt Michael Hohmeier vom Trägerverein des Römischen Museums Haus Bürgel. Der "Tag des offenen Denkmals" habe sich als sehr werbewirksam erwiesen — "und deshalb schlüpfen wir einfach gerne unter sein Dach", meint Hohmeier, der auch Stadtarchivar von Monheim ist. Für die Privateigentümer des Großen Hofs dürften ähnliche Beweggründe gelten.

Nicht dabei am Denkmaltag sind hiesige Bauwerke, die — "jenseits des Guten und Schönen" — sehr geeignet wären für eine besondere Präsentation am 8. September. Die Baumberger Friedenskirche zählt dazu — und das, obwohl sie von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sogar eigens angeführt wird als Beispiel für "ungeliebte Architekturschätze". Im aktuellen "Monumente", der Zweimonatszeitschrift der Stiftung, ist das von 1968 bis 1972 nach Plänen des Schweizer Architekten Walter M. Förderer errichtete Gotteshaus groß abgebildet: "Betonkirchen haben keine Lobby", heißt es in dem Ankündigungsbeitrag zum Denkmaltag. Und speziell zur Friedenskirche in Baumberg: "Kirchenbunker oder plastisch geformter Erlebnisraum?" In der Architekturgeschichte hat sich für den Betontrend der 1960er Jahre ein wenig schmeichelhafter Begriff eingebürgert: Brutalismus. Gleichwohl bricht die Denkmalschutz-Stiftung eine Lanze für die Betonkirchen: Zwar hätten sie "nichts Niedliches und Leichtfüßiges" an sich, doch begegneten sie dem "Kuscheligen und Gefälligen" mit "Elementarität und Charakter".

(RP)
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