Langenfeld/Monheim: Weihnachtsgeschäft setzt auf Endspurt

Langenfeld/Monheim: Weihnachtsgeschäft setzt auf Endspurt

Das Kundenverhalten hat sich geändert. Sie kommen immer später in die Läden, um Geschenke zu kaufen.

Barbara Adam von Teespresso in der Schoppengasse muss nicht lange überlegen. "Lau", sagt sie knapp und deutlich auf die Frage, wie denn das Weihnachtsgeschäft so läuft. Sie bietet Tee und Zubehör, weihnachtliche und andere Dekorationen sowie Feinkost an. "Am Sonntag" war es ganz katastrophal", sagt sie und dann schimpft sie auf die Stadtplanung. "Am Berghausener Blumentopf entsteht eine Parallelwelt", sagt sie. Dort gibt es einen Supermarkt, einen DM, Restaurant und Frisör sowie Blumen und Dekorationen. "Kann das gewollt sein?", fragt sie. Das ziehe die Kunden aus der Innenstadt ab. "Das ist der Donuteffekt. Innen, in der City wird es leer. Und außen sitzt der fette Ring."

Ingo Schulz ist seit zwei Jahren Inhaber von "LebensLust" und freut sich über steigende Umsätze. Foto: Heike Schoog

Ihr Geschäft gehe prinzipiell gut. Doch sie habe noch andere Standbeine. Für den, der nur auf die Lage in der Langenfelder Innenstadt angewiesen sei, könnte es bald eng werden. "Früher", so sagt sie, "waren Ladenlokale in der Langenfelder City kaum zu bekommen. Heute ist das anders. Es gibt viele Leerstände - etwa in der Stadtgalerie und im Marktkarree."

Foto: Ralph MATZERATH

Ingo Schulz, Inhaber von Lebenslust direkt gegenüber hat ein anderes Erklärungsmodell für wegbleibende Kunden in der Weihnachtszeit. "Die kommen einfach später", sagt er und rechnet an den letzten Tagen vor Weihnachten mit rund 700 Kunden (sonst im Schnitt 180/Tag). "Es ist doch so, dass Kunden heute das Gefühl haben, es sei alles jederzeit verfügbar. Das erwarten sie auch vom Handel", sagt er. Käufer, die schon im September ihre Geschenke besorgten, finde man eher in der älteren Generation. Dennoch: Schulz, der seit zwei Jahren in Langenfeld ansässig ist, ist zufrieden. Im Vergleich zum Vorjahr haben wir ein Plus von 30 Prozent gemacht", sagt er. Und jetzt habe man noch einmal angebaut, so dass Kunden eine größere Auswahl an Dingen finden, die das Leben angenehm machen - etwa hübsche Tischdecken, schönes Geschirr, aparte Gefäße für Essig und Öl oder auch Schokolade in mannigfaltigen Sorten.

Maria Chrzanowski, die erst seit einem Jahr Mode an der Hauptstraße anbietet, ist nicht zufrieden mit der Anbindung. "Hier kommt doch keiner hin", sagt sie mit Blick auf den jüngsten verkaufsoffenen Sonntag. Hiltrud Markett vom gleichnamigen Buchladen, ebenfalls Hauptstraße, und zugleich Vorsitzende der IG Hauptstraße, sieht das anders. "Man muss das immer positiv sehen", sagt sie. "Wer ein Buch kaufen will, kommt", so ihre Erfahrung. Manche Kunden holen einfach nur die Onlinebestellung ab, andere fragen, was sie für Frau, Kind oder Mann empfehlen könne. "Seit 40 Jahren verkaufe ich hier Bücher. Ich habe allerdings auch beobachtet, dass die Kunden immer später kommen. Das ist eine neuere Entwicklung." Sie verweist auf die Aktionen zu verschiedenen, jahreszeitlichen Anlässen, die von der IG organisiert werden.

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Auf begleitende Aktionen verweist auch City-Manager Jan Christoph Zimmermann. "Eisbahn und Weihnachtsmarkt kommen gut an", sagt er. Allerdings müsse auch das Wetter mitspielen. "Bei Schnee bleiben viele zuhause oder machen etwas anderes", weiß er. Er setzt darauf, dass die Kunden noch kommen und alles, "was eben noch so gebraucht wird" in Langenfeld kaufen.

Dirk Fleschenberg, Vorsitzender der Händlergemeinschaft "Treffpunkt Monheim" findet das Weihnachtsgeschäft bislang "mittelprächtig". Er setzt darauf, dass es ab Freitag mit Weihnachtsmarkt und verkaufsoffenem Sonntag losgeht. "Wir haben alles getan", sagt er.

Auch die Stadt Monheim habe das Umfeld deutlich aufgehübscht. Jetzt könnte es losgehen. Bis zum 23. Dezember haben die Kunden ja noch Zeit, um ein neues Handy, einen akkubetriebenen Handstaubsauger zu besorgen oder eine ganz klassische Kaffeemaschine. "Die erlebt ebenso wie der Sauger gerade eine Renaissance", sagt Fleschenberg.

(og)
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