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Langenfeld/Monheim/Mettmann: Wassersparen schadet den Leitungen

Langenfeld/Monheim/Mettmann : Wassersparen schadet den Leitungen

Seit den 1970er Jahren ist der Wasserverbrauch deutlich zurückgegangen: verheerend für die Leitungen.

Der Wasserverbrauch in den Haushalten der Region ist in den vergangenen Jahren um zehn Liter pro Kopf zurück gegangen. Das heißt, dass es für Kanäle und Leitungen langsam kritisch wird: Die 120 Liter, die jeder durchschnittlich pro Tag nutzt, sind das Minimum, das durch die Leitungen fließen muss. "Wir stehen derzeit genau auf der Kippe", sagt Michael Pützhofen von den Düsseldorfer Stadtwerken. Er wird in der Aussage unterstützt von Friedrich Schnadt, Geschäftsführer der Stadtwerke Ratingen: "Noch mehr Wasser zu sparen, ist definitiv nicht angesagt – wir haben Wasser in Hülle und Fülle, es handelt sich nicht um eine knappe Ressource, die wir hier sparen können, damit der Sahel mehr Wasser hat." Und Kersten Kerl, Chef des Verbandswasserwerks Langenfeld/Monheim, rät dazu, "zwei oder drei Teller besser unter fließendem Wasser mit der Hand abzuspülen und den Hahn mal etwas länger aufgedreht zu lassen, als immer gleich den Stöpsel und Spülmittel einzusetzen".

In Monheim beispielsweise hat sich der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch von 1975 bis 2011 von 190 auf 140 Liter verringert. Gründe für den rückläufigen Wasserverbrauch sind schnell gefunden. Zum einen sind die modernen Haushaltsmaschinen inzwischen extrem sparsam. Zum anderen haben alle heute Erwachsenen gelernt, dass Wasser gespart werden muss. Es wird abgedreht, so oft es geht, und die Toilettenspülungen haben auch einen kleinen Knopf. Wird aber wenig Wasser benötigt, sinkt die Fließgeschwindigkeit. "Das begünstigt Ablagerungen und Aufkeimungen", berichtet Christoph Wagner von den Stadtwerken Düsseldorf. Die Rohre müssen dann teuer mit Hunderten von Litern Trinkwasser gespült werden. "Wenn am Ende von Leitungssträngen kaum Wasser abgenommen wird und es sehr lange Zeit steht, kann es sich erwärmen. Keime können sich bilden", erklärt Wagner. Und dann müssen die Wasserversorger die Leitungen mit Frischwasser durchspülen – das ist teuer und treibt die Kosten.

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"Wir untersuchen in Langenfeld und Monheim regelmäßig das Leitungsnetz", berichtet Kerl. Der Durchmesser der vor 30 bis 50 Jahren verlegten Rohre sei auf den Spitzenbedarf ausgelegt. "Und an heißen Tagen, wenn jeder duscht, den Garten wässert und aus der Leitung trinkt, muss die Menge auch gewährleistet sein. Entsprechend gering sei indes aufgrund dieser Dimension an verbrauchsärmeren Tagen die Fließgeschwindigkeit. "Wir gehen alle drei bis vier Wochen an die Hydranten, um die Leitungen durchzuspülen. Das war vor 20 Jahren nicht so nötig wie heute."

Konsequenz: "Übertriebene Sparweisen wie extra Wasserstopper in den Wasserleitungen sind nicht nötig", so Sabine Müller von den Stadtwerken Hilden, und: "Wer das Wasser beim Zähneputzen laufen lässt, ist nicht etwa ein Verschwender." Eine ökologische Notwendigkeit zusätzlich Wasser einzusparen, etwa beim Zähneputzen, bestehe nicht, bestätigt auch Daniel Wosnitzka vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW). Man müsse bereits in Einzelfällen Trinkwasserleitungen durchspülen, um die Hygienestandards zu halten, berichtet Schnadt aus Ratingen, und Erkrath meldet ebenfalls Probleme mit dem Kanalsystem: Mitunter seien Ablagerungen in den Rohren zu entdecken, die sich wegen verminderter Spülung dort ansammelten, sagt die stellvertretende Leiterin des Abwasserbetriebs Kerstin Siebert. Das rund 200 Kilometer lange Netz werde mindestens einmal jährlich gesäubert. Es gebe aber immer wieder Rohrleitungsstrecken, die besonders verschmutzt seien. Nach genaueren Prüfungen werde ein solcher Bereich etwa alle sechs Wochen gereinigt. Das könne zum Beispiel passieren, wenn es ein besonders flacher Abschnitt ist, der nur langsam durchspült werde.

Vor allem in Städten wie Langenfeld, wo ein Trennsystem (zwei Rohre für jeweils Abwasser und Regenwasser) vorhanden ist, kommt es wegen weniger Flüssigkeitsmenge öfter zu Ablagerungen. Im Mischsystem wie in Monheim werden Ab- und Regenwasser zusammen transportiert. Das sorge für höhere Wassermengen – und weniger Ablagerungen. Hausbesitzer, die schon mal ihre verstopften Abwasserleitungen kostspielig spülen lassen mussten, würden nicht mehr den Sparknopf der Toilette nutzen, so Schnadt. Laut Pützhofen rechnet es sich auch nicht, Wasser zu "sparen", weil die zusätzlichen Spülungen erneut die Haushalte belasteten.

(RP)