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Wasserburg Langenfeld Fotokunst

Langenfeld : Wasserburg-Schau zeigt große Gesichter

Facetime – allegorische Szenen und Momentaufnahmen bietet David Uessem im historischen Gemäuer von Haus Graven in Wiescheid.

Wer die Ausstellung in der Wasserburg Haus Graven betritt, meint nach dem ersten Blick, Fotokunst vor sich zu haben. Doch weit gefehlt. Zwar sind die Bilder des in Gummersbach lebenden und arbeitenden Künstlers David Uessem nahezu fotorealistisch, aber eben nur auf den ersten Blick. Wer genauer hinsieht, kann in den großformatigen Porträts erkennen, wie der 37-jährige Künstler Vorhandenes und Imaginäres verbindet und zu einer neuen Realität erschafft. So kann der Betrachter auf dem ältesten Werk, das in der Ausstellung gezeigt wird, das Gesicht von David Uessems Frau Julia erkennen, dem der Künstler jedoch eine ganz neue Bedeutsamkeit verliehen hat durch die überdimensionalen Blüten, die ihr Haar zieren.

„Es ist eine moderne Flora“, erklärt Colmar Schulte-Goltz, Kurator der Ausstellung mit dem treffenden Titel „Facetime“, denn, wie Schulte-Goltz bei seiner Einführung betont: „Das meiste, was er schafft, sieht Sie an.“ So beschäftigt sich David Uessem überwiegend mit dem Menschen und den drei Bezügen, wie sich der Mensch zu anderen Menschen, zur Zeit und zur Kultur verhält. Seine Porträts hat der Künstler stets abgewandelt, macht sie zu etwas Besonderem, lässt sie Geschichten erzählen. So das Gesicht, das er mit Reißzwecken gespickt und ihm so einen Stachelpanzer verliehen hat. „Es polarisiert am stärksten“, meint der Kurator. Hier steht die Frage nach der eigenen Grenze im Raum. „Das Bild ist schön, die Frau ist schön und doch prallt unser Blick ab“, sagt Colmar Schulte-Goltz.

Mit dem englischen Wachposten, in den er sein eigenes Portrait verwandelt hat, greift Uessem den Brexit auf. Neben den menschlichen Porträts sind auch Vögel zu sehen, drei überdimensional große heimische Vögel auf einem runden Untergrund. Doch, was hier wie eine Holzplatte aussieht, ist es nicht wirklich. „Er hat Holz nachgemalt, das gar nicht da ist“, verrät der Kurator und fügt schmunzelnd hinzu: „Es ist eine Ausstellung, bei der man seinen Augen nicht trauen darf.“

Im Obergeschoss sind 360 Portraits von gefalteten Kranichen zu sehen. Für eine Ausstellung im Schloss Homburg hat David Uessem innerhalb von zweieinhalb Jahren 1000 gefaltete Kraniche porträtiert – Tsurus, die für Hoffnung stehen. Die Skizzenbücher des Künstlers geben Einblick in den Schaffensprozess von der Skizze bis zum fertigen Ölgemälde. Uessem, der eine Meisterklasse bei Prof. Dr. Qi Yang besuchte, ist heute Dozent für Illustration am Institut für Ausbildung in Bildender Kunst und Kunsttherapie in Bochum. „Facettenreich und vielschichtig“, bezeichnet Bürgermeister Frank Schneider die Ausstellung. „Es ist unmöglich, an seinen Bildern emotionslos vorbeizugehen.“ Sie sorgten für Bewegung in den Betrachtern.

„Facetime“ ist die 22. Ausstellung in der Wasserburg und ist bis zum 10. Juni geöffnet. „Es ist schön, die Arbeiten, die in Privatbesitz sind, noch einmal wiederzusehen“, meint David Uessem und verrät, an was er aktuell arbeitet: „An der nächsten Einzelausstellung.“ Und auch seine Motive werden sich ändern. „In Zukunft werden häufiger Menschengruppen auftreten.“