Monheim: Was Ulla Hahn mit Monheim verbindet

Monheim: Was Ulla Hahn mit Monheim verbindet

In "Spiel der Zeit" erzählt die Autorin, wie ihre Romanfigur Hilla Mitte der 60er Jahre als Studentin nach Köln zieht.

Irgendwie scheint es, als sei die Zeit im Hotel Gethmann für ein paar Jahrzehnte stehen geblieben. Holzvertäfelungen, Eichenblattmotive und dicke Gardinen lassen das Interieur auf manchen Gast vielleicht altbacken wirken. Andere wiederum schätzen eben genau den besonderen Charme des Traditionshauses - so wie Ulla Hahn, die für eine Lesung und die Verleihung des nach ihr benannten Autorenpreises über das Wochenende in ihrer ehemaligen Heimatstadt weilte.

Ganz gezielt habe sie sich das Hotel ausgesucht, sagt sie. "Das ist sicherlich ein Stück weit auch alte Anhänglichkeit, aber dieses Haus hat noch Charakter." Hauptgrund für die Wahl ihrer Unterkunft sei neben der guten Küche allerdings die Sicht auf den Rhein gewesen: "Es gibt in Monheim wohl kaum einen schöneren Ausblick."

Sie sucht nach wie vor die Nähe zu dem Flussufer, das schöne Erinnerungen an ihre Kindheit weckt. Wer ihren Roman "Das verborgene Wort" gelesen hat, weiß warum. In dem Buch, das mit "Aufbruch" und dem kürzlich erschienenen dritten Band "Spiel der Zeit" eine Trilogie bildet, erzählt Hahn die Geschichte des Mädchens Hilla Palm, das im kleinbürgerlichen Arbeitermilieu des erzkatholischen Rheinlandes aufwächst. Es ist die bleierne Zeit der Nachkriegsjahre.

Durch viel Fantasie und Liebe zur Literatur erschließt sich das Mädchen die Welt auf ihre eigene Weise. Eine prägende Figur ist dabei ihr Großvater, der, im Gegensatz zum Rest der Familie, Hillas kreative Begabung fördert - bei gemeinsamen Spaziergängen am Rhein. Schnöde Kiesel werden in ihrem Kopf zu Wunsch-, Lese- und Lügensteinen. Trotz familiärer Widerstände und gesellschaftlicher Zwänge entwickelt sich das Mädchen intellektuell über ihr Milieu hinaus. Leicht hat sie es dabei nicht. Sie erlebt neben dem oft sehr rauen Alltag schreckliche Dinge. Einige Jahre später wird sie auf dem Heimweg vergewaltigt.

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Als junge Frau geht sie einen Weg, der damals nicht selbstverständlich war. Sie macht ihr Abitur und studiert Germanistik in Köln. In dieser Zeit setzt der neue dritte Band ein. Er handelt von Hillas Studienzeit in den turbulenten 1960er Jahren. "Eigentlich hatte ich nie vor, mehrere Teile zu schreiben, aber ich konnte die Geschichte nicht einfach so enden lassen", sagt Hahn. Sie plane einen vierten Teil, in dem es um die Zeit bis zum Abschluss des Studiums gehe. "Erst dann ist Hilla endgültig auf ihrem Weg und ihre Geschichte erzählt."

In den Romanen wird aus Monheim "Dondorf" und der Schelmenturm zum "Schinderturm". Ihr Geburtshaus an der Neustraße, das inzwischen zum Ulla-Hahn-Haus für Sprach- und Leseförderung geworden ist, steht in Dondorf an der "Altstraße". Sicherlich gebe es in den Büchern viele Referenzen auf Monheim, sagt sie. Dass mancher Monheimer meint, sich wiederzuerkennen, kann die Schriftstellerin nicht nachvollziehen. "Teilweise beziehen Leute Dinge auf sich, an die ich beim Schreiben nicht im Traum gedacht habe", wundert sich die 69-Jährige. "Die Bücher sind nicht rein autobiografisch. Ein Teil ist Fiktion. Mir ging es darum zu sehen, was ich alles in meinem Leben hinter mir gelassen habe - und um meine persönliche Entwicklung im buchstäblichen Sinne des Wortes." Für das heutige Monheim findet Hahn lobende Worte. Große Dynamik herrsche in den letzten Jahren in der Stadt. "Inzwischen bin ich mindestens einmal im Jahr in Monheim und ich komme immer gerne zurück", meint die Wahlhamburgerin.

Vor allem in der Altstadt erkenne sie trotz aller Veränderungen manches von damals wieder. "Die große Konstante ist für mich aber der Rhein", sagt sie, hält einen Moment inne - und lächelt.

(dora)
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