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Monheim: Warum Senioren keine Wohnung finden

Monheim : Warum Senioren keine Wohnung finden

Ein altes Ehepaar muss umziehen, findet aber keine bezahlbare und barrierefreie Bleibe. Auch Makler können kaum mehr helfen, weil inzwischen das Bestellprinzip gilt.

An ihrem Lebensabend sollte noch einmal der Generationenvertrag aktiviert werden: Das alte Ehepaar wollte aus dem Schwäbischen zur alleinerziehenden Tochter nach Baumberg ziehen, um sich um deren Kinder zu kümmern. Im Gegenzug hofften die Eltern, am Lebensende von der Tochter gepflegt zu werden. "Zwei Jahre haben wir gesucht, bis wir eine Wohnung im Österreichviertel gefunden haben", sagt Elke B.(72) Aber nach nur anderthalb Jahren wurden dem Paar die Wohnung am Landecker Weg gekündigt. Der Vermieter machte Eigenbedarf geltend: Sein Sohn, der bisher bei seiner Mutter gewohnt hatte, soll dort einziehen. Ein Jahr lang habe er sich auf dem freien Wohnungsmarkt um eine bezahlbare Wohnung bemüht und schließlich aufgegeben.

"Wir sollten Ende Mai ausziehen. Aber wir kriegen doch auch nichts", klagt Elke B. Gegen die Kündigung legte das bereits sehr gebrechliche Ehepaar - Ehemann Heinrich (80) hat zahlreiche künstliche Gelenke - Widerspruch ein. Der Vermieter parierte mit einer Räumungsklage. "Wir werden die Wohnung ja freigeben, aber wir brauchen etwas Zeit", sagt die 72-Jährige, die sich derzeit einer Krebstherapie unterziehen muss. Allein der Umzug aus dem Süden habe vier Monate gedauert. Das Beispiel offenbart, mit welch harten Bandagen angesichts des sehr angespannten Monheimer Wohnungsmarktes gekämpft wird. "Die Makler können uns nicht helfen. Hier geht alles unter der Hand weg", sagt Elke B. Und in eines der sanierungsbedürftigen Hochhäuser mit ihren prekären Haushalten wolle sie nicht ziehen. Andererseits: Obwohl das Paar sein Eigentum in Baden-Württemberg verkauft hatte, sind die Neubauten, wie sie derzeit am Waldbeerenberg entsteht, für die Senioren erschwinglich. "Wir wollten da mit der Familie unserer Tochter einziehen, aber wir kriegen von den Banken ja keinen ausreichenden Kredit mehr", sagt die Seniorin.

Seitdem bei der Vermietung von Wohnungen das Bestellerprinzip gilt - wer einen Makler beauftragt, zahlt ihn auch -, vermarkten die Eigentümer ihre Wohnungen lieber selber, bestätigt Siegfried Großmann von Erlinghagen Immobilien. "Wir kriegen kaum noch Mietwohnungen rein, geschweige denn seniorengerechte." "Barrierefrei sind im Grunde nur die Neubauwohnungen", sagt der Makler Uwe Bier. Und Quadratmeterpreise von 9.50 Euro könne man sich nur dann leisten, wenn man sein Eigenheim gut verkauft hat.

"Der Wohnungsmarkt für Senioren ist sehr schwierig, gerade mal zwei Prozent der Wohnungen in Monheim dürften barrierefrei sein", schätzt Patrick Lampenscherf, Inhaber von Accurat Immobilien. Selbst Wohnungen aus den 90er Jahren seien schon durch die 80er Türzargen ungeeignet für Rollstuhlfahrer. Das Bestellerprinzip habe die Situation auf dem Markt zusätzlich verschärft. "Die Vermieter vermieten lieber an Freunde und Verwandte", sagt der Baumberger Makler. Und wer schon sehr betagt sei, sei für viele als Mieter ohnehin nicht mehr sehr attraktiv - weil man sich darauf einstellen muss, auf eher kurze Sicht einen neuen Mieter suchen zu müssen - etwa weil der Umzug in ein Pflegeheim ansteht. Weder Familien mit Kindern noch Hundehalter seien sehr willkommen, am besten ließen sich Menschen zwischen 50 und 60 Jahren vermitteln", so Lampenscherf. Seiner Erfahrung nach halte der Mangel an barrierefreien Wohnungen viele ältere Menschen davon ab, sich von ihren Häusern zu trennen.

(RP)