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RP-Serie Kommunion: Warum Kirche in die Schule gehen muss

RP-Serie Kommunion : Warum Kirche in die Schule gehen muss

Der Glaube an Gott wird nicht mehr in allen Elternhäusern vermittelt. Einige Kinder freuen sich nur auf die Geschenke.

Der "Weiße Sonntag" ist ein ganz besonderes Fest. An diesem Tag empfangen die Kinder zum ersten Mal die heilige Kommunion. Die Eucharistie gehört zusammen mit der Taufe und der Firmung zu den Sakramenten, die in die katholische Kirche eingliedern. Noch sechs Monate sind es bis zur Kommunionfeier am 7. April 2013. Nach den Herbstferien haben die Katecheten an St. Gereon und St. Dionysius damit begonnen, 128 Kinder in 18 Gruppen darauf vorzubereiten. Keine leichte Aufgabe, erlebt Diakon Sven Clouth.

Die Kurse und deren Organisation gehören zum Bereich des 42-Jährigen. Er und seine Frau leiten selber Gruppen. Weil immer mehr Mädchen und Jungen den offenen Ganztag der Monheimer Grundschulen besuchen, sind sie um 16.30 Uhr, wenn die Vorbereitung beginnt, oft müde und ausgepowert. Deshalb geht die katholische Kirche inzwischen in die Schule. Astrid-Lindgren- und Lottenschule stellen am Freitagnachmittag ab 15.15 Uhr ihre Mensa zur Verfügung. 16 Drittklässler — auch vom Lerchenweg und von der Herrmann-Gmeiner-Schule — nehmen dort an den Kursen teil. "Die Mensa ist ideal, weil es für die Kinder nicht der Ort ist, an dem sie bereits vormittags lernen", sagt Clouth.

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Die Katecheten — häufig sind es Mütter von Kommunionkindern — arbeiten mit dem Buch "Gott lädt uns selber ein". Dieses ermögliche für jeden Aspekt drei Ansätze: einen spielerischen, einen kreativen und einen theologischen. So haben die Katecheten die Möglichkeit, Veranlagung, Tagesform oder das religiöse Hintergrundwissen im Einzelfall zu berücksichtigen.

Der Diakon wünscht sich, dass die Mädchen und Jungen die Gemeinde in den kommenden Monaten als einen Ort erleben, an dem sie sich wohlfühlen. Deshalb waren die Kommunionkinder an St. Gereon kürzlich zum Kinofest mit anschließender Übernachtung eingeladen.

Im Mittelpunkt stehe der Glaube an Gott. Er soll den Kindern vermittelt werden. "Das geschieht nicht mehr in allen Elternhäusern." Viele Familien ließen ihre Kinder des schönen Festes wegen zur Kommunion gehen — oder aus Tradition. "Einige Kinder freuen sich eigentlich nur auf die Geschenke." Unter den Teilnehmern sind jedes Mal auch Mädchen und Jungen, die noch nicht getauft sind. Fünf sind es in diesem Jahr. "Ich taufe sie im Dezember alle gemeinsam." Spannende Gespräche seien das im Vorfeld, auch mit den Eltern. Denn in diesen Fällen entschieden die Kinder häufig selber, zur Kommunion zu gehen.

Clouth möchte auch, dass die Kinder einen positiven Eindruck aus der Vorbereitungszeit mitnehmen. "Wir laden sie später zu den Messdienern ein." Doch nur wenige aus der Gruppe machten mit: "Fußball hat bei vielen Eltern einfach einen höheren Stellenwert." Von außen kaum einzuschätzen sei der organisatorische Aufwand, bis alle Kurse stehen. "Wir zerbrechen uns stundenlang den Kopf darüber, die Gruppen nicht zu groß zu machen und dabei allen Kindern gerecht zu werden." Das gelinge nicht immer.

Ein anderes Problem bereitet Sven Clouth in diesen Tagen noch mehr Kopfzerbrechen: Hatten sich die Besucher für die beiden Messen am "Weißen Sonntag" um 9.30 und um 11.30 Uhr bisher recht gleichmäßig auf beide Termine verteilt, haben sich jetzt 50 Eltern für den 11.30-Uhr-Termin angemeldet. Clouth versucht nun, zehn Familien für die frühere Messe zu begistern: "Sonst entscheidet das Los."

(RP/rl)