Langenfeld: Waldfriedhof bekommt jetzt Baumgräber

Langenfeld : Waldfriedhof bekommt jetzt Baumgräber

Für die in Langenfeld neue Bestattungsart werden jetzt sieben Hainbuchen gepflanzt. Zusätzlich entstehen pflegefreie Grabstätten.

Immer öfter äußern Hinterbliebene beim Langenfelder Bestattungsunternehmer Herbertz den Wunsch nach einem Baumgrab, sagt die Angestellte Monika Puschner. "Vor allem, wenn der Gestorbene sehr naturverbunden war." Weil solch eine letzte Ruhestätte im Boden neben einem Baum bislang innerhalb der Stadtgrenzen nicht möglich ist, musste das Unternehmen auf Friedhöfe in Hilden, Solingen oder gar Bad Münstereifel ausweichen.

Doch das wird sich ändern: Auf dem städtischen Waldfriedhof in Langenfeld-Wiescheid wird jetzt ein Grabfeld für Baumbestattungen angelegt. Ab Januar wird dort die Asche der ersten Toten beigesetzt, jeweils in einer kompostierbaren Kapsel ohne Schmuck- oder Überurne.

"Noch in dieser Woche werden sieben Hainbuchen eingepflanzt", sagt Ludger Vox aus der Stadtverwaltung. Nach dem Ratsbeschluss sei zwar ursprünglich beabsichtigt gewesen, auf dem Waldfriedhof bereits vorhandene Bäume von stattlicher Größe für die neue Bestattungsart zu nutzen. "Aber das gestaltete sich schwierig, weil die Baumgräber dann über den ganzen Friedhof verstreut gewesen wären und weil zum Teil auch das Wurzelwerk nicht so schön war."

Deshalb habe sich die Verwaltung dazu entschieden, für den Beginn ein nicht mehr belegtes Grabfeld aufzuforsten. Um jede der etwa drei Meter hohen Hainbuchen sollen nach Vox' Angaben acht Baumgräber gruppiert werden. "Zunächst sind somit 56 letzte Ruhestätten dieser Art möglich." Sofern sich der Bedarf nach weiteren Baumbestattungen abzeichne, ließen sie sich auf zwei benachbarten Grabfeldern einrichten, auf denen die Ruhezeiten 2013 und 2014 auslaufen.

Die Namen und Lebensdaten der Toten können die Hinterbliebenen auf einer etwa 30 mal 40 Zentimeter großen Platte verewigen, die dann bündig in den mit Rasen bewachsenen Boden eingelassen wird. "Grabschmuck ist dort nicht erwünscht", sagt Vox. Für Blumengrüße von Angehörigen werde im Frühjahr in der Nähe eine Sammel-Ablegestelle eingerichtet. In der Friedhofssatzung, über die die Stadtpolitiker am Donnerstag im Bauausschuss beraten werden, ist eine Gebühr von 1245 Euro für 25 Jahre veranschlagt (siehe Info-Box).

Ein weiteres Novum auf dem Waldfriedhof werden ab Januar pflegefreie Urnenreihengräber sein, bei denen ebenfalls Namensplatten in den Boden eingelassen werden. "Der Bedarf an solchen pflegefreien Grabstätten scheint groß zu sein", meint Vox, der sich das mit der Mobilität der Gesellschaft und berufsbedingten Wohnortwechseln erklärt. "Das zeigt der Zuwachs an anonymen Reihengrabstätten. Wir vermuten schon lange, dass die wohl nicht wegen der fehlenden Namenstafeln nachgefragt werden, sondern wegen der Pflegefreiheit." Dass die mehr als 200 unter dem Rasen anonym bestatteten Menschen keineswegs vergessen seien, beweise der viele Grabschmuck an der gemeinsamen Ablegestelle.

Vox geht davon aus, dass die Zahl der anonymen Beisetzungen aufgrund der beiden neuen Bestattungsarten zurückgehen wird. "Angehörige und Freunde wollen einen bestimmten Ort zum Trauern haben, den sie aufsuchen können." Das meint auch Monika Puschner und begrüßt aus Bestattersicht die neuen Angebote. "Gerade für ältere Hinterbliebene ist es wichtig, dass das Grab des Ehemannes oder der Ehefrau nicht weit weg und gut zu erreichen ist."

(RP)
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