Langenfeld: Von einander lernen

Langenfeld: Von einander lernen

Jeden Montag treffen sich die Mütter mit ihren Kindern in den Räumen des Familienzentrums am Götscher Weg. Kinder mit und ohne Förderbedarf spielen dort gemeinsam in einer integrativen Gruppe.

Mit ihrer Froschhandpuppe Pitti begrüßt Gruppenleiterin Angela Stupplich die Kinder und Mütter der integrativen Spielgruppe "Froschclub" im Familienzentrum Götscher Weg. Zehn Kleinkinder krabbeln und rennen nach der Begrüßung zwischen winzigen Tischen, Stühlen und in der Puppenecke umher. Die meisten sind 18 Monate alt und können schon recht gut laufen. Doch drei Kinder sind nicht ganz so schnell wie die anderen.

Respektvoller Umgang

Da ist zum Beispiel die kleine Luisa mit der Zöpfchenfrisur. Sie hat das Downsyndrom. Zu ihren Spielfreunden zählt der 19 Monate alte Tyron. Er hat eine Herzerkrankung und kann nicht bei allen Übungen so fix mithalten wie die anderen, aber das stört niemanden. "Hier spielen alle miteinander, das ist schön. Mein Sohn Lukas hat aber von Anfang an gemerkt, dass er mit Luisa und Tyron vorsichtiger umgehen muss, als mit den anderen Kindern," sagt Annette Tenbieg.

In der integrativen Spielgruppe "Froschclub" können sich nicht nur die Mütter untereinander austauschen, sondern hier profitieren auch die Kinder voneinander. "Luisa soll sich hier etwas von den anderen Kindern in ihrem Alter abgucken," wünscht sich ihre Mutter, Marion Wickert. Vom Downsyndrom ihrer Tochter erfuhr sie in der 30. Schwangerschaftswoche. Heute ist Nesthäkchen Luisa der Sonnenschein der Familie. Die elfjährige Franziska begleitet die Mutter und die kleine Schwester gerne jeden Montagnachmittag, wenn die Spielgruppe auf dem Programm steht.

"Wer sich für eine integrative Spielgruppe entscheidet, der kommt mit einem anderen Bewusstsein hierher. Mütter von gesunden Kindern entwickeln hier einen großen Respekt vor denen, die sich um ein entwicklungsverzögertes oder krankes Kind kümmern müssen. Alle lernen voneinander," betont die Erzieherin und Gruppenleiterin Angela Stupplich (33), die ihre eigene Tochter Melina mitbringt. An einem kleinen Holztisch bastelt Tanja Piel mit ihrem Sohn Tyron in der Zwischenzeit eine Rassel. In jeder Stunde dürfen die Kleinen etwas gestalten, um ihre Motorik und Kreativität zu schulen. Vorsichtig klebt der Junge rotes Glitzerpapier um eine Papierrolle. "Ich bin froh, hierher zu kommen. Ich wollte, dass Tyron unter Kinder kommt. Außerdem sehe ich, dass ich mit meinen 22 Jahren genauso stark wie andere Mütter bin," betont die junge Mutter. Sie hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Tyron wurde am Herzen operiert und lag lange im Krankenhaus. In der Gruppe fühlt er sich sichtlich wohl.

Gleichgewicht trainieren

Angela Stupplich läutet die Schlussrunde ein. Auf einem großen Gummiball dürfen alle Kinder noch einmal hin und her rollen. Die kleine Luisa strahlt, als sie dran ist. Sie möchte gar nicht mehr damit aufhören. "Alle Kinder lieben das. Außerdem sind die Rollbewegungen gut für den Gleichgewichtssinn," erklärt Angela Stupplich. Und dann fängt Frosch Pitti an zu quaken. Das ist das Zeichen zum Aufräumen. Alle Mütter helfen mit, bevor sich die Gruppe schließlich mit ein paar Kinderliedern voneinander verabschiedet.

(RP)