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Monheim: Von der Wäscherei in die Pflege

Monheim : Von der Wäscherei in die Pflege

Seit drei Jahren arbeitet Gülten Esmer-Argav als Fachkraft im Evangelischen Altenheim an der Kirchstraße. Leiterin Ulrike Nehrke beschäftigt in den beiden Monheimer Häusern der Bergischen Diakonie inzwischen 30 Prozent Pfleger mit Migrationshintergrund.

Freundlich lächelt Gülten Esmer-Argav der dementen Bewohnerin des Evangelischen Altenheims an der Kirchstraße im Vorbeigehen zu. "Alte Menschen gehören bei uns in der Türkei dazu. Wir leben in den Familien mit unseren Großeltern zusammen. Da gibt es keine Berührungsängste." Die 45-jährige Pflegefachkraft kam vor 16 Jahren mit ihrer damals vierjährigen Tochter aus Istanbul nach Deutschland. Sie hatte ihr Abitur in der Tasche, konnte aber kein Wort Deutsch — doch sie besaß den festen Willen, in dem zunächst fremden Land Fuß zu fassen und zu arbeiten.

Praktikum und Ausbildung

Den ersten Job fand sie in der Wäscherei eines Wuppertaler Altenheims. Dass dieser Zufall wegweisend sein würde, ahnte die junge Frau damals noch nicht. Zunächst bekam sie die Chance, ein Praktikum in der Pflege zu machen, durfte anschließend eine kranke Kollegin vertreten; und vor acht Jahren fragte der zuständige Pflegedienstleiter, ob sie nicht eine Ausbildung machen wollte. "Ich traf immer Menschen, die mir geholfen haben", sagt sie rückblickend." Das Examen bestand "Schwester Gülten" — wie sie liebevoll von ihren 25 Bewohnern genannt wird — mit der Note "gut". Die notwendigen Sprachkenntnisse erwarb sie zunächst in einem dreimonatigen Kursus, erweiterte sie aber sukzessive durch viele Kontakte im Job.

Seit drei Jahren arbeitet die 45-Jährige in Monheim als Pflegefachkraft, Managerin und Wundexpertin mit überwiegend dementen Senioren. "Ein Glücksgriff für uns", betont Ulrike Nehrke, Leiterin des Diakonie-Zentrums am Berliner Platz und des Evangelischen Altenheims an der Kirchstraße. Träger beider Häuser ist die Bergische Diakonie. Dreißig Prozent ihrer Mitarbeiter in der Pflege haben inzwischen einen Migrationshintergrund. Sie kommen überwiegend aus dem osteuropäischen Raum, aber auch aus Italien und der Türkei.

In den Pflege- und Gesundheitsberufen herrsche seit Jahren ein Mangel — eine Herausforderung für die Träger von Senioren- und Pflegeheimen. Die Städte Monheim und Hilden arbeiten deshalb im Rahmen des vom Land geförderten Programms "Komm-In NRW" zusammen, um gezielt Menschen mit Zuwanderungsgeschichte für dieses Berufsfeld zu gewinnen. Doch weil es sehr schwer sei, von außen Personal zu bekommen, sucht Nehrke auch gezielt bei ihren Mitarbeitern nach "Leuten mit Entwicklungspotenzial", beispielsweise in der Hauswirtschaftsabteilung. "Wir haben vier Raumpflegerinnen, die jetzt examinierte Altenpflegerinnen sind — zwei arbeiten noch bei uns im Haus", nennt sie stolz Beispiele ihrer erfolgreichen Motivation. "Die Akzeptanz bei unseren Bewohnern ist groß, weil bereits eine Vertrauensbasis da ist."

Sprache als Schlüssel

Eine immense Barriere seien fehlende Sprachkenntnisse sowie Hemmungen, sich Unterstützung zu suchen. "Gerade türkische Frauen tun sich da manchmal schwer", erlebt Gülten Esmer-Argav. Gemeinsam mit dem Monheimer Integrationsbeauftragten Hans-Peter Anstatt hat sie deshalb Deutsch-Sprachkurse für Ausländer an der Volkshochschule besucht, um den Frauen dort Mut zu machen und ihnen mit ihrer persönlichen Geschichte zu zeigen, wie wichtig Sprache für eine gelungene Integration ist.

(RP/rl)