1. NRW
  2. Städte
  3. Langenfeld

Langenfeld: Vokabeln für Windel-Wichte

Langenfeld : Vokabeln für Windel-Wichte

In drei privaten Einrichtungen können Klein(st)kinder in Langenfeld und Monheim spielerisch Englisch lernen. Eltern schätzen den Wissensvorsprung; Schulpsychologe warnt davor, Kinder nur über ihre Leistung zu definieren.

langenfeld / monheim "Happy birthday to you", schallt es durch den fröhlich bunten Raum mit den großen Glasfronten. Fünf Kinder zwischen drei und fünf Jahren stimmen mit Katja von Eysmondt in das Geburtstagslied für die kleine Mitschülerin ein. "Pauline", fragt die Leiterin der Langenfelder Helen-Doron-Schule, "how old are you?" Der Blondschopf antwortet zögernd: "Three ?" — "Really?" fragt die Lehrerin erstaunt. "No . . . four!"

Spielerisch und ohne Druck

Seit viereinhalb Jahren bringt die frühere Stewardess, die selbst einige Zeit in London lebte, kleinen Langenfeldern die englische Sprache nahe — spielerisch und ohne Druck, wie die zweifache Mutter betont. Auch das halbe Dutzend, das an diesem Mittwoch zum "Early English" gekommen ist, ist überwiegend mit Spaß bei der Sache. Vor allem, als es in den Keller zum "Bouncing" geht, zum Trampolin springen. Ansonsten stehen an diesem Nachmittag Zahlen, Tiere und Gefühle auf dem Stundenplan — wie fast immer bei der Helen-Doron-Methode in Lieder verpackt: "If you're happy and you know it, clap your hands", singen die Kinder.

Mit ihren eigenen Drittklässlern hat Nicole Dünchheim am selben Morgen noch "Bingo" gespielt. "Die sind einfach mit Begeisterung dabei", sagt die Englisch-Lehrerin an der Hermann-Gmeiner-Schule, die gerade den fünfjährigen Marc zu "Early English" gebracht hat und derweil mit dem anderthalbjährigen Felix ("Ich hoffe, dass auch bald ein Englisch-Kurs für seine Altersgruppe zustande kommt") ein Eis essen geht. "Je früher die Kinder anfangen, desto besser."

Wie Marc lernt auch Lucia bereits seit einem Jahr Englisch. Das Helen-Doron-Programm wurde bei der damals Dreijährigen in der Kindertagesstätte am Götscher Weg angeboten. Obwohl ab dem kommenden Jahr bereits die Erstklässler in NRW Englisch lernen sollen, glaubt Lucias Mutter nicht, dass sich der wissbegierige Rotschopf in der Schule einmal langweilen wird. "Sie hat viel Spaß dabei", betont Barbara Frank — wie auch beim Schwimmkurs und der musikalischen Früherziehung.

"Die Tendenz zur Leistungsfixierung nimmt zu", hat Thomas Müller beobachtet. Der Leiter des Schulpsychologischen Dienstes in Monheim betrachtet die Terminkalender mancher Kinder aus dem Bildungsbürgertum mit gemischten Gefühlen. Einerseits könne er verstehen, dass Eltern ihren Kindern bestmögliche Startchancen bieten wollen. Aber "manchmal habe ich Angst, dass bei der individuellen Förderung durch externe Institutionen das innere Gesamtkonzept der Familie verloren geht". Beispiel: Der Sohn ist in der Schach-AG, die Tochter beim Klavier-Unterricht, die Mutter beim Tennis, und der Vater macht Überstunden. Zeit für gemeinsame Unternehmungen bleibe da kaum noch. Wenn ein Kind ein spezielles Interesse zeigt, sollte man dies auch aufgreifen, bekräftigt Müller. Zugleich warnt er vor einer "Eigendynamik" — wenn die Eltern Interesse entwickeln, dass ihr Kind auf diesem Sektor Leistung bringen muss.

Dana Finkel ist selbst Psychologin und begrüßt den spielerischen Zugang, den ihre knapp vierjährige Cara zum "Early English" erhält. "Ich möchte meine Töchter zu Europäerinnen erziehen — mit einer gemeinsamen Sprache." Auf ihrem Arm hat sie die 19 Monate alte Maleen. Auch eine Aspirantin für den Baby-Kurs — "the next generation".

(RP)