Monheim: Viel Federvieh und eine flotte Kuh

Monheim : Viel Federvieh und eine flotte Kuh

Nur wenige Wagen griffen das Motto des Rosenmontagszuges auf. Mehr inspirierte die Jecken die Serie "Bauer sucht Frau". Ansonsten glich der Zug einer Tierkarawane: Die 50 000 Zuschauer sahen Pleitegeier, Schwäne, Pfauen, Bienen und ein Kamel.

Als sich gestern der Monheimer Rosenmontagszug mit seinen 15 Musikgruppen, 30 Wagen und 30 Fußgruppen in Bewegung setzte, hielt der Himmel nicht ganz, was die Meteorologen versprochen hatte. Statt strahlender Bläue versprühten die Wolken am Anfang feinen Nieselregen über die 2500 Teilnehmer und die gut 50 000 Zuschauer am Rande. Das diesjährige Motto "Jitz hammer Rohthuuscenter drei, en Stadthall es wedder nit dohbei" hatte indes nur wenig Gesellschaften und Gruppen beim Wagenbau inspiriert: Die Peto-Partei hatte sich erneut aus einer Kinderserie bedient und mit "Bob, dem Baumeister" immerhin schon den Rohbau der Stadthalle fertiggestellt und feierte Richtfest. In der Fußgruppe der Blaumänner lief auch der Bürgermeister mit.

Die verderbliche Konkurrenz, die dem Rathauscenter durch den Neubau erwächst, griffen die "röösigen Wiewer un de fröhlichen Pfingstler" auf. Der Zusammenschluss der beiden Gruppen bildete einen fröhlichen Schwarm von Pleitegeiern, der über dem alten Einkaufstempel kreist. Die Jecken waren in schwarze Umhänge gehüllt, die Ränder mit weißen Federn gesäumt, vor der Brust schaukelte jeweils ein langer Geierhals. Die bunten Hütchen auf den Geierköpfen entschärften ein wenig die krisenhafte Erscheinung.

Kis-monnem setzte beim Zug eine eigene lokale Duftmarke. Unter dem Motto "Blömche vör Monnem" plädiert man dafür, die "öden und leeren" Kreisverkehre zu bepflanzen. So erhob sich auf ihrem Wagen der blütenbesetzte Kreisel mit dem Dinosaurier von Odo Rumpf. Noch nicht ausgepflanzt, das heißt noch in ihren Töpfen steckten die Blümchen, die dem Wagen voranmarschieren. "Das alles herzustellen, war ein Riesenspaß", sagt Heinz Dickerboom, dessen hellblaues Gesicht von gleichfarbigen Blüten umkränzt ist.

Symbiose von Blume und Biene

Die Monnemer Mädchen treten gleich als Symbiose von Blume und Biene auf. Über ihren goldgelben Reifröcken liegt ein wabenförmiges Netz aus Luftpolsterfolie. Die Flügel über den gestreiften Felljäckchen werden von Drahtkleiderbügeln stabilisiert. Entworfen hat das Kostüm Sandra Ruess, zwei- bis dreimal wöchentlich haben die Frauen daran seit Januar gearbeitet. Der Clou: Auf Kommando stülpen alle Bienen ihre Röcke hoch, auf dass sich darunter eine Blüte entfaltet.

Weitere optische Glanzlichter sind die Mädche vom Rhing, eine erst seit April 2011 bestehende Gruppe, deren Röcke einem Zirkuszelt nachempfunden sind. Auf den sich nach oben weitenden zylinderförmigen Hüten sitzt ein Clown unter dem Schriftzug Manege. "Eigentlich brauchte ich nur eine geeignete Kulisse für das Kamelkostüm", verrät Bärbel Stock den Hintergrund. Sie verkörpert das Hinterteil des Wüstenschiffes.

"Kuh sucht Bauer"

Die meisten Lacher hat auf der sieben Kilometer langen Zugstrecke wohl der Wagen der Monnemer Maatplatzjecke geerntet, der die Serie "Bauer sucht Frau" aufs Korn nimmt. Unter dem Motto "Kuh sucht Bauer" sitzt die Schwarzbunte mit gespreizten Beinen an einen Misthaufen gelehnt, so dass ihr pralles Euter den Blicken preisgeben ist. Mit ausgestreckter Zunge blickt sie sich suchend um und muht herzzerreißend. Der dazugehörige Bauer liegt mit entblößtem Hinterteil auf einem mit Stroh beladenen Schürreskarren. Der Wagen offenbart viel Liebe zum Detail (den Bauer plagt eine Allergie) und technischer Raffinesse.

Vorstandsmitglied Uwe Köhler fährt mit seinem Pappmaché-Trecker vorneweg, wobei er den knatternden Sound seines echten Schätzleins, Baujahr 1951, vom Band abspielt. Die Brautschau der Kuh begleiten hübsch kostümierte Vogelscheuchen.

Das etwas rätselhafte Motto der Christboomschmücker "Bauer sucht Pfau" reimt sich zwar auf den Seriennamen, ist aber ansonsten dem Wunsch der Fußgruppe, der "Jecken Engelche", geschuldet, die in diesem Jahr dem bunten federnbesetzten Wagen als Pf(r)auen-Geschwader voranschweben. Bei dem Anblick der in Blau-, Grün- und Gelbtönen funkelnden Damen würde selbst ein richtiger Pfau beschämt sein Rad wieder einklappen. An das halbrunde Rückenteil des Kostüms, das mit irisierender Folie bespannt ist, sind im Halbkreis einzelne Pfauenfedern befestigt, unechte, wie Kerstin Raths versichert. Unter dem mittelblauen Mieder tragen sie Ballonröcke aus Pailettenstoff. Die blauen Perücken krönt weiterer Federschmuck.

"Aufgeregt" ist Prinz Jörn I. vor seinem Auftritt. Aber außer, dass die Kamelle ausgehen, könne ja eigentlich nichts schiefgehen. So grüßt er fröhlich zurück, wenn ihm von den 73 Gruppen und Wagen, die auf der Schwalbenstraße vorbeiziehen, gehuldigt wird. Niemand sieht, dass er nur das halbe Prinzenornat trägt, er hat den Strumpfhosen wärmere Beinkleider vorgezogen. "Das war ein Tipp meiner Vorgänger." Und nur die Muppets Statler und Waldorf — im Fenster gegenüber — werden dies wohl missbilligend kommentieren.

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