Langenfeld: Verwenden statt verschwenden

Langenfeld : Verwenden statt verschwenden

Nicht nur zum Erntedankfest ist dies eine betrübliche Nachricht: Ein Fünftel der privat angeschafften Lebensmittel landet im Müll. Dagegen helfen richtige Vorratshaltung, Einfrieren und Resteessen, wissen Hauswirtschaftsprofis.

Freitags ist in der VHS-Küche im Kulturzentrum immer "Grundreinigungstag". Dann überprüfen die 20 Azubis des Hauswirtschaftskurses unter anderem die Vorräte: Was muss neu hinzugekauft werden? Was ist angebrochen und müsste bald im Kochtopf landen?

Bei welchen Lebensmitteln läuft das Haltbarkeitsdatum in Kürze ab? Denn die richtige Vorratshaltung ist ein wichtiges Lernziel in der dreijährigen Berufsausbildung zum Hauswirtschafter oder Hauswirtschaftshelfer. "Die Mädchen sollen lernen, so wenig wie möglich wegzuschmeißen", sagt Astrid Sönnichsen, die Leiterin des Ausbildungsgangs.

Profi-Vorschriften sind strenger

Für die professionelle Arbeit in Großküchen, Kindergärten oder bei Caterern gelten strenge Hygienevorschriften. Deshalb landet hier manches im Müll, was in Privathaushalten noch Verwendung fände. "Die Reste eines Buffets zum Beispiel, das einmal aufgetragen wurde, müssen vernichtet werden", erklärt Gudrun Pekel, Hauswirtschaftsmeisterin und Ausbilderin bei der VHS.

Doch auch in den Privathaushalten werden hierzulande mehr Lebensmittel weggeworfen, als es die meisten Deutschen für sich selbst wohl einräumen würden: 21 Prozent sind es nach einer kürzlich veröffentlichten Studie im Auftrag des Frischhaltefolien-Herstellers Cofresco — rund 80 Kilo pro Kopf und Jahr.

Über die Ursachen der großen Verschwendung braucht man nicht lange zu rätseln: Lebensmittel sind im unteren Preissegment Billigware, und entsprechend ist ihre Wertschätzung. "Außerdem wissen viele wegen mangelhafter Kochkünste mit Resten nichts mehr anzufangen — also schmeißen sie sie weg, statt sie zu verarbeiten", seufzt Sönnichsen. Und mit den Zubereitungsfertigkeiten ist auch weiteres Wissen verfallen, das für die "gute Hausfrau" von anno dazumal noch selbstverständlich war — die richtige Vorratshaltung zum Beispiel.

Dabei sind die Grundregeln, mit denen sich die Lebensmittelverschwendung weitgehend vermeiden lässt, recht übersichtlich. Sönnichsen, Pekel und ihre Kolleginnen Birgit Hammes und Heike Zeppenfeld haben einige davon im Gespräch mit der RP zusammengefasst:

m Die richtige Vorratshaltung fängt beim Einkauf an. Vorher in den Kühlschrank gucken: Was ist noch da? Was brauche ich überhaupt? Einkaufszettel machen! Das dämmt Lusteinkäufe ein, deren Ergebnisse dann im Vorratskeller dem Vergessen anheimfallen. Trotzdem beim Einkauf flexibel bleiben, wenn etwa das Gemüse im Sonderangebot ebenfalls zu dem geplanten Eintopf passt.

m Den eigenen Kühlschrank kennen: Wo ist es wie kalt? Je verderblicher die Ware, desto "kühler" ist sie zu platzieren. Die weniger haltbaren Produkte nach vorne stellen!

m Der Tiefkühlschrank taugt nicht nur zum Aufbewahren von Convenience-Food wie Pizza oder Frostspinat. Uroma Agnes wäre froh gewesen, wenn sie neben Einkochen, Einlegen, Pökeln und Räuchern auch hätte einfrieren können. Brot zum Beispiel. Eine Liste mit Produktbezeichnung, Menge, Einfrier- und Haltbarkeitsdatum hilft, die Übersicht zu bewahren. Dazu trägt dank Schubladen auch der Gefrierschrank statt der -truhe bei. Bei Tiefkühlkost auch an die Energiekosten denken: Eine Pizza verteuert sich mit jedem Monat, den sie im Eisschrank liegt.

m Auch die Trockenvorräte — von Kartoffeln bis zum Backpulver — sollten regelmäßig auf Vorhandensein und Haltbarkeit überprüft werden. Listen dessen, worüber ein kochfähiger Haushalt verfügen sollte, finden sich unter anderem im Internet (siehe Info).

Das Mindesthaltbarkeitsdatum gibt an — wie der Name schon sagt —, bis wann ein Produkt mindestens haltbar ist. Es gibt also keinen Grund, es in den ersten Tagen nach Ablauf des Datums wegzuwerfen, ohne sich von seiner Ungenießbarkeit überzeugt zu haben.

m Reste lassen sich, falls sie nicht eingefroren werden, oft für neue "Kreationen" verwenden. Eintöpfe und Aufläufe sind typische Reste-Essen. Heutige "Spezialitäten" wie Pizza, Paella oder die Bergische Kaffeetafel waren es früher übrigens auch.

m Wie bei den meisten Tätigkeiten, so gilt auch fürs Einkaufen, Kochen, Backen und Vorrätehalten: Übung macht den Meister! Und gemeinsam Hauswirtschaften erleichtert einiges, selbst Aufräumen und Abwasch.

(RP)