Langenfeld: Vereine: Die Gema zockt uns ab

Langenfeld : Vereine: Die Gema zockt uns ab

Ob Schützen oder Karnevalisten – die Veranstalter von Partys sehen durch die geplante Tarifreform bei den Nutzungsgebühren für Musik unverhältnismäßig hohe Kostensteigerungen auf sich zukommen.

Ob Schützen oder Karnevalisten — die Veranstalter von Partys sehen durch die geplante Tarifreform bei den Nutzungsgebühren für Musik unverhältnismäßig hohe Kostensteigerungen auf sich zukommen.

Party-Locations Stadthalle und Reusrath: Die Veranstalter müssen ab Januar mit höheren Gema-Gebühren rechnen. Foto: Matzerath (Archiv); RCC

Andreas Buchheim und Andreas Zimmermann gehören nicht zu jenen "internet-affinen" Geizhälsen, die glauben, alles gratis kriegen zu müssen. "Wir gönnen allen Urhebern von Musik ihre Tantiemen", sagt Buchheim, Vorsitzender des Rüsrother Carnevals-Comitees (RCC).

Beim Stichwort "Gema" aber, der Monopolgesellschaft, die für die Nutzung von Musik Gebühren erhebt und eintreibt, da bekommt RCC-Pressesprecher Zimmermann nach eigenem Bekunden "soooo eine Halsschlagader". Grund ist die Tarifreform, die im Januar in Kraft treten soll: "Dann werden wir für die After-Lichterzug-Party am Karnevalssonntag vermutlich mehr als 2000 Euro statt wie bisher rund 700 Euro an die Verwertungsgesellschaft zahlen müssen", seufzt Buchheim.

Gerechter und einfacher soll das Tarifsystem laut Gema werden. "Die großen Veranstalter haben bisher im Verhältnis zu wenig gezahlt", heißt es in der Pressestelle des Unternehmens, das deutschlandweit 1100 Mitarbeiter beschäftigt und voriges Jahr insgesamt 713 Millionen Euro an 65 000 Urheberrechte-Inhaber ausschüttete. Mit der Reform sollen demnach die kleinen Veranstalter zu Lasten der größeren bessergestellt werden.

Die Lichterzug-Party im Festzelt auf dem Reusrather Platz ist nach Angaben des RCC die "größte Indoor-Veranstaltung" Langenfelds. 1900 Besucher machen sie auch aus Gema-Sicht groß. Die entscheidenden Kriterien für die künftige Gebührenberechnung — Veranstaltungsfläche, Dauer und Eintrittspreis — schlagen hier voll ins Kontor. "Bei rund 50 000 Euro Gesamtkosten für die Veranstaltung mögen 1500 Euro zusätzlich auf den ersten Blick verkraftbar erscheinen. Doch die wollen auch erst mal eingenommen sein", sagt Buchheim.

Bleibt also nur eine Erhöhung des Eintrittspreises von zuletzt 12 Euro? "Theoretisch ja, zumal ja auch andere Posten teurer werden." Doch so einfach sei das nicht: "Schon jetzt sagen doch manche Partygäste: Euer Eintritt ist aber happig, ihr vom RCC macht euch wohl die Taschen voll! Dabei organisieren wir — 20 bis 25 Mann — das ganze Ding ehrenamtlich. Der Erlös fließt ins Vereinsleben, zum Beispiel an unsere Kindertanzgruppe." Für Buchheim ist die Gema-Reform deshalb ein "Schlag ins Gesicht von Ehrenamtlern, ausgedacht von Leuten am Grünen Tisch, die vermutlich gerade mal einen Kindergeburtstag ausrichten können".

Ausgerechnet, was auf seinen Verein durch die Gebührenerhöhung zukommen wird, hat auch Andreas Vieten, Schatzmeister der Reusrather St. Sebastianus-Schützenbruderschaft: "Für die fünf Veranstaltungen pro Jahr, die betroffen sind, ergibt sich eine Mehrbelastung von insgesamt etwa 400 Euro". Was ihn besonders stört, ist die "fehlende Gegenleistung": "Wenn wir den Gästen unserer Ü 30-, Mai- oder Oktoberfest-Partys für den Zuschlag etwas bieten könnten, dann wäre ja auch eine Erhöhung der Eintrittspreise recht unproblematisch — aber da ist ja nichts."

Überdies gebe die Tarifreform einen Anreiz, den Eintrittspreis möglichst geringzuhalten und mehr auf Einnahmen aus dem Getränkeverkauf zu setzen. "Da bemühen wir uns einerseits, durch Präventionsprogramme wie ,Alkostops' dem übermäßigen Alkoholkonsum Einhalt zu gebieten und sollen andererseits hoffen, dass sich die Gäste volllaufen lassen, damit wir unsere Partys finanzieren können?!" Im übrigen bereicherten die Feiern nicht nur das Reusrather Stadtteilleben, betont Vieten: "Die Einnahmen helfen uns auch, das Schützenheim zu finanzieren."

Der 35-Jährige hofft nun, dass der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften wie auch andere Interessen- und Branchenverbände (Dehoga u.a.) in Gesprächen mit der Gema noch Änderungen herbeiführen können, bevor die Reform am 1. Januar in Kraft tritt. Auch Klagen sind anhängig oder angedroht, so etwa vom Bundesverband deutscher Discotheken und Tanzbetriebe (BDT), der von Gebührensteigerungen in Einzelfällen bis zu 1000 Prozent spricht. Petitionen an den Bundestag und Protestaktionen ("Gemainheit") gibt es ebenfalls. Das letzte Wort wird — auf Betreiben der Gema selbst — wohl die Schiedsstelle des Deutschen Patent- und Markenamts in München haben.

Sollte die Reform so wirksam werden, wie von der Gema geplant, wird womöglich ihr Name auf den Plakaten für die Lichterzug-Party "zu Ehren" kommen. Buchheim: "Vielleicht bleibt uns nichts anderes übrig, als einen zusätzlichen ,Gema-Euro' pro Gast zu verlangen. Auf jeden Fall müssen wir durchrechnen, ob sich die ganze Veranstaltung überhaupt noch lohnt."

(RP/rl)