Monheim: Verein unterstützt Kinder in Vietnam

Monheim : Verein unterstützt Kinder in Vietnam

Der Monheimer Verein Viet-Kid hilft armen und behinderten Kindern in Vietnam - zum Beispiel mit Tornistern mit eingebauter Schwimmweste.

Seit 2002 engagieren sich Erhard und Monika Milatz mit ihrem Verein Viet-Kid für arme und behinderte Kinder in Vietnam. Sie sammeln nicht nur in Monheim, Langenfeld, Benrath und Hilden finanzielle Mittel, sondern kümmern sich auch vor Ort darum, dass die Spenden optimal genutzt werden. 2014 war Erhard Milatz erneut von April bis Juni unterwegs, und berichtete jetzt in einem Rundbrief über den Fortgang einzelner Projekte.

Diese Kinder haben einen Tornister mit eingebauter Rettungsweste erhalten, für den Fall, dass, während sie zur Schule gehen, der nahe Fluss über die Ufer tritt. Foto: ""

Dieses Mal prägten seinen Besuch zum einen die unglaublich hohen Temperaturen bis 44 Grad, zum anderen der offene Konflikt Vietnams mit dem großen Nachbarn China um eine Öl-Plattform. In Saigon gab es Unruhen, chinesische Fabriken wurden geplündert, Truppenbewegungen waren sichtbar. Chinesen verließen das Land und wurden aus den Hotels gewiesen.

Milatz hatte bereits von Deutschland aus die Produktion von 200 Schuluniformen in Auftrag gegeben und 120 Pakete Schreibmaterial vorbereiten lassen, die er umgehend mit einem örtlichen Helfer 85 Kilometer weit ins ärmliche Bergland zu vier Schulen der Kotu (eine ethnische Minderheit) brachte. Viele Leute leben dort von Ananas- und Maisanbau, vor den Häusern liegen Maiskolben zum Trocknen; die Anbauflächen werden durch Brandrodung gewonnen. Die schmächtigen Kinder legen teilweise täglich einen Schulweg von bis zu anderthalb Stunden zurück. Viele Eltern, die kaum Vietnamesisch sprechen können, bezweifeln den Sinn des Schulbesuchs, weil das erworbene Wissen nicht für die Landwirtschaft benötigt werde. Diese Kinder repräsentieren die erste Generation, die Vietnamesisch lernt, um die Kotus besser integrieren zu können.

Mit dem Motorrad, "gottlob nur als Beifahrer", folgte der Besuch einer anderen Minoritäten-Gemeinde, wobei das letzte Wegstück nur zu Fuß bewältigt werden konnte. 150 Christen leben bei An Diem in einfachen Holzhäusern. Der Verein Viet-Kid unterstützt seit drei Jahren 20 Jugendliche mit 37,50 Euro pro Quartal, damit sie dort - 25 Kilometer von ihrem eigenen Dorf entfernt - leben und lernen können. Das Treffen mit diesen Schülern gehörte für Milatz zu den Höhepunkten seiner diesjährigen Reise, wie er betont.

An zwei anderen Schulen, zu denen regelmäßig Kontakt besteht, übergab Erhard Milatz 60 Schülern spezielle Schulranzen, die gleichzeitig als Rettungsweste dienen können. Diese ungewöhnliche Konstruktion hat folgenden Grund: Die Schüler wohnen etwa drei Kilometer von ihrer Schule entfernt an einem Fluss, der häufig unerwartet und sehr schnell über die Ufer tritt. Immer wieder sind Kinder auf ihrem Schulweg von der Flut überrascht worden und ertrunken. Ein kleines Altarhäuschen am Wege erinnert an die unglücklichen Opfer.

Neben den bereits bekannten Orten, an denen Hilfe nötig ist, wird der deutsche Besucher immer wieder auf neue Probleme aufmerksam gemacht. Dieses Mal zeigte ihm ein Freund ein Waisenhaus in Tam Ky, etwa 60 Kilometer von Hoi An entfernt. Das Haus, in dem 22 Kinder im Alter von fünf bis 18 Jahren leben, viele davon behindert, wird von einem Blinden geleitet, der im Alter von 13 Jahren sein Augenlicht und drei Finger verlor, als eine Granate, die er zufällig gefunden hatte, in seiner Hand explodierte.

Erneut half Viet-Kid verschiedenen Familien mit baulichen Verbesserungen ihrer Behausungen. Eine Familie mit drei kleinen Kindern bekam für rund 300 Euro anstelle des durch die alljährlichen Überschwemmungen aufgeweichten Lehmbodens einen Betonfußboden, zudem wurde eine Stromleitung zum nächsten Strommast verlegt, damit das Haus beleuchtet werden kann. Und ein anderes Häuschen, das durch den bei einem Unfall getöteten Vater nicht ganz fertiggestellt hatte werden können, erhielt das fehlende Treppen- und Balkongeländer zum Schutz für die blinde Großmutter und ein Kind mit Down-Syndrom. Der Aufwand: 175 Euro. Für eine alleinerziehende Mutter mit zwei Töchtern, die bisher in einer drei mal drei Meter messenden, instabilen Wellblechhütte lebten, wurde ein Haus gebaut. Die Kosten betrugen lediglich 1500 Euro. Insgesamt hat Viet-Kid in 2014 mit 28 000 Euro in Vietnam helfen können.

(mmo)