Langenfeld/Monheim: Verbraucherzentrale: Stromkunden unsicher

Langenfeld/Monheim : Verbraucherzentrale: Stromkunden unsicher

Steigende Energiekosten belasten immer mehr Haushalte in Monheim und Langenfeld. Viele ziehen einen Anbieterwechsel in Betracht.

Ob das die Monheimer Mega, die Langenfelder Stadtwerke und die Kölner RheinEnergie freuen wird? Die Verbraucherzentrale am Langenfelder Rathaus bietet demnächst eine "Wechselberatung" an. Zielgruppe sind private Strom- und Gaskunden, die angesichts der steigenden Verbraucherpreise für Energie erwägen, zu einem "billigeren" Anbieter zu wechseln, in der Regel also weg von den hiesigen Grundversorgern.

Kein Grund für böses Blut, versichert Elisabeth Schoemakers, Leiterin der Beratungsstelle: "Wir wollen ja gerade auf die ,Wechselfallen' aufmerksam machen und darauf, dass es bei der Wahl des richtigen Strom- oder Gasanbieters auf mehr ankommt als nur auf den in Aussicht gestellten Rechnungsbetrag."

"Wechselfallen", das sind laut Schoemakers zum Beispiel Vertragsklauseln wie Vorkasse, Bonusversprechen, die frühestens in zwei Jahren zu barer Münze werden, und Laufzeiten weit über eine "sinnvolle" monatliche Kündigungsfrist hinaus. "Das Beratungsgespräch kann auch zu der Empfehlung führen: Bleiben Sie bei Ihrem Anbieter, aber wechseln Sie zu einem für Sie günstigeren Tarif bei diesem", sagt Schoemakers.

Starten soll die Wechselberatung im Sommer, Gebühr pro Gespräch: 9 Euro. Geklärt werden sollen Fragen wie "Lohnt sich ein Wechsel?" oder "Welcher Anbieter ist passend für mich?". Auch die Prüfung von Strom- und Gasrechnungen ist möglich.

Grund für das neue Angebot ist laut Schoemakers eine wachsende Nachfrage nach individueller Beratung beim Thema Energiekosten: "Die steigenden Verbraucherpreise überfordern manche Haushalte. Außerdem finden sich gerade ältere Menschen im Dickicht der Vielzahl von Anbietern nicht zurecht."

Einerseits vermittele Reklame für vermeintliche Preisknüller, man selbst zahle für Strom und/oder Gas viel zuviel, andererseits schreckten gerade ältere Kunden vor einem Anbieterwechsel zurück, und sei es nur deshalb, weil sie den gängigen Ummeldeweg übers Internet nicht nehmen wollen oder können. Aufsehenerregende Pleiten von Unternehmen wie Teldafax oder zuletzt Flexstrom verunsicherten zusätzlich.

"So oder so sollte man vor einem Wechsel gründlich das Kleingedruckte lesen, denn unsere Erfahrung mit mehreren deutschlandweit vergleichenden ,Tarifrechnern' im Internet lautet: Ganz oben in der Liste, wo zum Teil rund 600 Euro Ersparnis pro Jahr locken, stehen ausgerechnet die unseriösen Anbieter", unterstreicht Schoemakers.

Fast jedes siebte "Verbraucherproblem", mit der sich die Langenfelder Beratungsstelle im vorigen Jahr befasste, betrifft den Themenbereich "Energie" (13 Prozent). Noch mehr, nämlich 18 Prozent der insgesamt 8680 Anfragen, ordnet die Verbraucherzentrale in ihrer Jahresstatistik der Sparte "Telefon und Internet" zu. Die weiteren sind neben "Allgemeinen Dienstleistungen" (19 Prozent) "Finanzen" (15) und "Konsumgüter" (12).

"Im Bereich ,Telekommunikation' reißen die Beschwerden trotz einiger Gesetzesänderungen im Sinne des Verbraucherschutzes nicht ab", stellt Schoemakers fest. Neben irreführender Werbung, intransparenten Verträgen und schlechter Beratung monierten viele Verbraucher, dass Sie aus bestehenden (Handy-) Verträgen nicht rauskämen und/oder im Wechselfall ungewollt bei zwei Anbietern unter Vertrag stünden. Auch Abodienste im Internet seien immer wieder ein Thema.

"Immerhin hat die seit August wirksame gesetzliche ,Button-Lösung' die Abzocke durch Klicken auf Werbebanner deutlich erschwert", freut sich Schoemakers und fordert weitere rechtliche Maßnahmen zum Schutz des Verbrauchers ein: "Auch beim Nepp mit Telefonwerbung oder Glücksspielen, dem besonders Ältere zum Opfer fallen, brauchen wir Regelungen, die klare, am besten schriftliche Vertragsabschlüsse vorschreiben statt nur Bestätigungen, auf die der Übervorteilte dann reagieren muss."

(RP/rl)
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