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Verbraucherzentrale Langenfeld warnt im Jahresbericht vor Abzocke durch Schlüsselnotdienste und anderen Maschen.

Verbraucherzentrale : Kärtchen hilft gegen Türschloss-Abzocke

Die Verbraucherzentrale Langenfeld warnt im Jahresbericht vor unseriösen Schlüsselnotdiensten und anderen Maschen.

Die ältere Dame hatte sich ausgesperrt, kam nicht mehr in die eigene Wohnung. Dabei war die Langenfelderin in Zeitnot. Ein Griff zum Smartphone, einen der von Google angebotenen Schlüsselnotdienste angerufen – schon ist scheinbar alles auf dem guten Weg. Die Tür ist wenig später tatsächlich offen, der Zylinder ausgewechselt. Doch dann das böse Erwachen: 923,80 Euro soll die Reparatur alles in allem kosten – und kassiert wird sofort per EC-Karte. „Dass die Dame dies getan hat, war ein Fehler“, sagt Andreas Nawe von der Verbraucherzentrale (VZ) Langenfeld, als er im Jahresbericht 2018 diesen Fall als Beispiel für fiese Abzocke schildert.

„Auch wenn sofortige Zahlung verlangt wird, darf man sich erst einmal eine Rechnung erstellen lassen und den Betrag später überweisen“, sagt der Leiter der am Konrad-Adenauer-Platz gelegenen VZ-Beratungsstelle. Doch gebe es in der Schlüsselnotdienst-Branche etliche schwarze Schafe. „Manche üben vor dem Abkassieren unheimlich Druck aus. Das ist oft Nötigung“, sagt Jurist Nawe. Und es steckten zuweilen mafiöse Strukturen dahinter. Im beschriebenen Fall seien der Langenfelderin nicht nur ein Zylinder, sondern aus unerfindlichen Gründen 66 Stück davon in Rechnung gestellt worden.

Trotz dieser erkennbaren Falschberechnung habe er der geschröpften Langenfelderin nicht zur Rückzahlung des überteuerten Betrags verhelfen können, räumt Nawe ein. Versuche bei der angegebenen Postadresse in Essen seien ergebnislos verlaufen. „Aufklärung über solche Maschen ist uns sehr wichtig.“ Dazu gibt es bei der VZ Kärtchen, auf die man sich Namen und Telefonnummer eines seriösen Schlüsseldiensts notieren kann. „Das Kärtchen legt man zum Beispiel unter die Fußmatte und hat die Nummer so im Notfall parat, muss dann nicht unter Druck googeln. Unseriöse Schlüsseldienste stehen in Internet-Suchmaschinen häufig an vorderer Stelle.“

Fast 5800 Anfragen verzeichnete die auch für Monheim und Hilden zuständige VZ Langenfeld im vergangenen Jahr (siehe Infobox). Bei rund 680 Rechtsberatungen für je neun Euro sowie – für zusätzlich 16 Euro angebotene – Rechtsvertretungen mit Korrespondenz hat sich Nawe nach eigenen Worten mit seinem Team „zumeist erfolgreich für die berechtigten Ansprüche von Ratsuchenden eingesetzt“. Als Beispiel hierfür nennt Nawe den Fall einer älteren Langenfelderin, deren sieben Jahre alter Kühl- und Gefrierschrank kurz vor Weihnachten ausgefallen war. Ein Reparaturbetrieb brachte das Gerät zwar rechtzeitig vor den Festtagen mit Neuteilen in Schuss, verlangte unterm Strich aber 1317,26 Euro. „Für die Hälfte dieses Preises hätte sie sich ein tolles Neugerät kaufen können.“ Ein Rechtsanwalt der VZ sei nun dran, von dem bereits überwiesenen Betrag die überhöhte Summe zurückzuholen. „Das könnte ein sittenwidriges Geschäft, also Wucher sein.“

Als Beispiel für Fallstricke beim Einkaufen im Internet nannte Nawe die Shopping-App Wish. Zwar biete diese hohe Rabatte an, doch beschwerten sich VZ-Ratsuchende „über überraschend in Rechnung gestellte Zollgebühren, Steuern und Versandkosten, auch über monatelange Lieferzeiten und minderwertige Qualität der Waren“. Von Angeboten des Kreditvermittlers blitz-credit rät Nawe entschieden ab. Statt des erhofften Kredits hätten Besteller ein Starterpaket samt Zugangsdaten für eine kostspielige Prepaid-Kreditkarte bekommen. Werde die Annahme verweigert, drohten Zahlungsaufforderung, Mahn- und Inkassogebühr von bis zu 555,45 Euro.

Zu Strom, Heizung und andere Energiethemen gab es bei der VZ Langenfeld laut Energieberater Florian Bublies im vergangenen Jahr rund 1330 Anfragen sowie zusätzlich 2138 Energieberatungen und Kontakte bei Infoveranstaltungen.