Langenfeld: Urnenbestattungen gefragter denn je

Langenfeld : Urnenbestattungen gefragter denn je

In Langenfeld liegen Urnen- und Baumbestattungen im Trend. Von anonymen Gräbern raten Experten jedoch ab.

Der Trend in Sachen Bestattungskultur ist immer deutlicher erkennbar: Die Bestattung soll möglichst preisgünstig sein, die Grabpflege möglichst wenig Arbeit mit sich bringen, am besten gar keine. Das war sehr lange Zeit anders.

So war es jahrhundertelang üblich, einen Angehörigen im Sarg zu bestatten - eine der ältesten und traditionsreichsten Formen der Bestattung. Doch ob auf dem städtischen Waldfriedhof oder auf den Friedhöfen der evangelischen oder katholischen Kirchengemeinde in Langenfeld - überall nimmt die Nachfrage nach dem Unter-die-Erde-Bringen im Sarg ab.

"Eine Erdbestattung bedeutet für die Hinterbliebenen, dass das Grab gepflegt werden muss. Viele wollen gerade das ihren Kindern oder anderen Angehörigen nicht mehr zumuten", sagt Hanni Jakobs. Sie ist im Kirchenvorstand der katholischen Gemeinde St. Josef und Martin die Vorsitzende des Friedhofausschusses. Immer mehr Menschen entschieden sich daher für die Feuerbestattung - "weniger aus Überzeugung als vielmehr aus Rücksichtnahme", betont Jakobs.

Auf diese Entwicklung hat die Kirchengemeinde reagiert. Seit Anfang vorigen Jahres gibt es auf allen fünf katholischen Friedhöfen in Langenfeld Urnen-Rasenbestattungen. Die Urnen werden bei dieser Beisetzungsform in die Rasenfläche eingelassen und auf einen großen Stein oder eine Stele werden dann alle Namen eingraviert. Ebenso können Särge auf einer Rasenfläche eingelassen werden mit einem Grabstein, aber ohne Beet. Anonyme Bestattungen sind auf katholischen Friedhöfen nicht möglich.

Neben Urnen gefragter denn je sind Baumbestattungen. "Eine Feuerbestattung ist gerade mal halb so teuer wie eine Erdbestattung. Baum- und Flussbestattungen sind am günstigsten", erklärt Anneliese Fürtsch. Die 63-Jährige ist seit 19 Jahren mit ihrem Bestattungsunternehmen in Langenfeld ansässig. "Es würde zwar zu weit gehen, wenn man davon spricht, dass Erdbestattungen heute eine Ausnahme sind. Aber der Trend weg von ihnen ist unverkennbar da."

Fürtsch bietet daher weit mehr als nur Erdbestattungen an. Neben See- und "Diamantbestattungen" seit anderthalb Jahren auch Baumbestattungen. "Allerdings gibt es hier in Langenfeld keinen richtigen Wald, sondern nur einzelne Bäume auf dem Friedhof", sagt Fürtsch. Deshalb ermöglicht sie Beerdigungen in der Eifel, im Ruheforst Hümmel. Obwohl die Leute dann rund 100 Kilometer fahren müssen, hätte sie im Jahr durchschnittlich 50 bis 60 Waldbestattungen in der Eifel.

Fürtsch sieht neben dem Kosten- und Pflegefaktor einen weiteren Vorteil von Feuer- und Baumbestattungen: "Die Leute haben einen Ort, den sie zum Trauern aufsuchen können. Ich halte das für enorm wichtig." Aus diesem Grund rät sie ihren Kunden häufig von anonymen Beisetzungen ab und sieht gewisse Entwicklungen, wie derzeit in Bremen, sehr kritisch. In der Hansestadt darf die Asche Verstorbener voraussichtlich bald auf privaten Grundstücken ausgestreut werden.

Hanni Jakobs hat ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass die Hinterbliebenen einen Ort brauchen, bei dem sie den Toten nah sein können: "Die Leute fragen nicht nur, wann der Name des Verstorbenen denn endlich auf den Stein eingraviert wird. Sie kommen auch regelmäßig und bringen Blumen."

(aks)