Langenfeld: Urdenbacher Kämpe lockt die Schlittschuhläufer

Langenfeld: Urdenbacher Kämpe lockt die Schlittschuhläufer

Teile des Hochwassers auf den Wiesen sind gefroren. Ab morgen soll es jedoch tauen. Ein Schwan stirbt im Eis.

Die Sonne strahlt bei eisigen Minustemperaturen. Im Naturschutzgebiet der Urdenbacher Kämpe verwandelten die Reste des Hochwassers die Landschaft in eine frostig schöne Kulisse. Ein seltenes Naturschauspiel, dass jetzt die Eisläufer auf die zugefrorenen Hochwasserwiesen lockt. Einige spielten bereits Eishockey auf der zugefrorenen Wiesenfläche. Andere verabredeten sich online unter der App "Spontacts" zum Eislaufen.

Mit Blick auf den Wetterbericht dürfte die Chance dafür in den Kämpen nur noch bis zum Wochenende möglich sein, denn dann sollen die Temperaturen ansteigen. Samstag taut es wahrscheinlich, dann ist es mit der eisigen Pracht schnell vorbei. Die Leiterin der Biologischen Station Haus Bürgel, Elke Löpke, ist beim Thema Eislaufen in der Urdenbacher Kämpe zwiegespalten. "Bei vielen unserer Exkursionen schwärmen die Menschen davon, dass sie früher von Urdenbach bis Baumberg Eislaufen konnten", sagt sie. Allerdings dürfen die Wege im Naturschutzgebiet nicht verlassen werden. Die Eisflächen liegen aber häufig genau abseits dieser Wege.

"Wildtiere haben in dieser Kälte Stress", sagt Biologin Elke Löpke. Jede Bewegung sei für die Tiere mit Energieverlust verbunden. Wo man querfeldein laufe, könnten sich Hasen, Fasane oder Steinkauz bedroht fühlen. "Aus Naturschutzsicht ist es also eine Störung", sagt Löpke. Verstehen kann sie aber trotzdem, dass es einen angesichts des sonnigen Winterwetters in den Zehen juckt und man die Schlittschuhe anziehen möchte. Was die Minusgrade für die Tiere bedeuten, zeigt das Schicksal eines Schwans, der in den Kämpen einem Fuchs zum Opfer fiel. Er war im Eis eingefroren und wurde so zur leichten Beute. Fuchsspuren deuten drauf hin. Reste des Kadavers sind noch vorhanden und werden nicht entfernt. Sie dienen nun als Nahrungsquelle für andere Tiere. Ein zweiter Schwan, den Anrufer der Biologischen Station gemeldet hatten, schaffte den Abflug.

  • Ruhrauen in Mülheim : Feuerwehr rettet verletzten Schwan aus dem Eis

Neben dem Tierschutz führt die Frage, ob das Eislaufen in der Kämpe erlaubt ist, zur Verunsicherung. Als vor sechs Jahren zwei Wochen lang optimale Bedingungen dafür auf der überfrorenen Auenlandschaft herrschte, hatte der städtische Düsseldorfer Ordnungsdienst (OSD) Eisläufer verwarnt und von der Eisfläche geholt. Das verärgerte viele Schlittschuhläufer. Damals sprachen sich alle Fraktionen der Bezirksvertretung 9 (Benrath, Urdenbach u.a.) dafür aus, das Eislaufen zu gestatten.

Später bestätigte die Untere Landschaftsbehörde, dass das Eislaufens in den Überschwemmungsgebieten toleriert werde. Seinerzeit habe es sich um keine formelle Freigabe zum Eislaufen gehandelt, sondern um eine Duldung durch Verzicht auf weitere Kontrollen, heißt es von Seiten der Stadt Düsseldorf. Grund für die Entscheidung war, dass nach fachlicher Stellungnahme durch die Landschaftsbehörde das Betreten der vereisten Flächen keine Schäden für die Natur verursachten, während ansonsten, das heißt außerhalb der "Eiszeit", das Verlassen der Wege aus Gründen des Natur- und Landschaftsschutzes verboten ist. "Diese Begründung bestimmt auch das diesjährige Handeln der Einsatzkräfte des Ordnungs- und Servicedienstes. Eislaufen in der Urdenbacher Kämpe wird geduldet und nicht zu "Knöllchen" führen", teilt Stadtsprecher Volker Paulat auf Anfrage mit. Kontrollen seien trotzdem nicht ausgeschlossen, ebenso Knöllchen aus anderen Gründen, etwa bei Verursachern zurechenbaren Vermüllungen.

Dass das Betreten von zugefrorenen Gewässern sehr gefährlich ist, darauf weist die Stadt Düsseldorf im Zusammenhang mit den eisigen Temperaturen hin. Auch die Feuerwehr warnt vor lebensgefährlichen Ausflügen auf das Eis. Generell sollen die Verbotsschilder beachtet werden. Vorbeugend werden vom Gartenamt Eisleitern an Gewässern bereitgestellt, die werden allerdings oft gestohlen. In den vergangenen Jahren wurde die Feuerwehr Düsseldorf immer wieder zu Hilfe an die zugefrorenen Seen gerufen. Grundsätzlich gilt, dass Eisflächen nicht betreten werden dürfen, es sei denn, sie sind dafür freigegeben.

(RP)