Unwetter in Langenfeld: 350 vollgelaufene Keller und Garagen

Unwetter in der Region: Seenlandschaften in Langenfeld und Monheim

Mehr als 350 vollgelaufene Keller und Garagen – über Langenfeld und Monheim ist in der Nacht zu Sonntag eines der schlimmsten Unwetter seit Jahrzehnten niedergegangen.

Kreuz und quer liegen bis zu oberschenkeldicke Schläuche, Pumpen-Generatoren lärmen, in Vorgärten und vor Garagen stapelt sich teils völlig aufgeweichter Hausrat. Die Bewohner des alten Hauses am Rande der Kaisersbusch-Siedlung in Immigrath, am Gelände der alten Weberei, wo sich die Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr und THW konzentrieren, blicken verzweifelt auf die Seenlandschaft, die sich um sie herum gebildet hat, auf ihr Heim mit dem verschlammten Garten und dem verwüsteten Erdgeschoss und Keller.

Über ihr Schicksal zu sprechen, dazu ist ihnen in diesem Augenblick nicht zumute. „Sie bangen um ihre Katze“, sagt Stefan Tives, Feuerwehr-Einsatzleiter für diesen Abschnitt, einer von zahlreichen, die an diesem Sonntagmittag über Langenfeld und Monheim verteilt sind. „Hoffentlich“, sagt seine Kollegin, „finden wir die Katze nicht im Keller, hoffentlich ist sie vor dem Wasser rechtzeitig getürmt.“

Foto: Patrick Schüller

Zum dritten Mal innerhalb von zwei Wochen wurde Langenfeld in der Nacht zum Sonntag von einem heftigen Unwetter heimgesucht – noch schlimmer als am Freitag vorvergangener Woche und am Dienstag davor. Ab kurz nach Mitternacht hat es rund anderthalb Stunden heftigst gewittert und geschüttet, laut dpa kamen innerhalb einer Stunde bis zu 56 Liter Wasser pro Quadratmeter vom Himmel.

„Diesmal war das ganze Langenfelder Stadtgebiet betroffen“

Foto: Manuel Lieske

In Monheim erwischte es vor allem Baumberg. Die vorläufige Bilanz für beide Städte laut Kreisfeuerwehrverband: Allein bis zum Sonntagmorgen wurden mehr als 355 vollgelaufene Keller, Garagen und Unterführungen gemeldet. Weil viele Betroffene ausschliefen und den Wasserschaden erst später bemerkten, riss die Liste die Hilferufe bis in den Nachmittag hinein nicht ab.

„Diesmal war das ganze Langenfelder Stadtgebiet betroffen“, erklärte Feuerwehr-Vizechef Christian Kaese. „Um die Lage zu bewältigen, haben wir Unterstützung von praktisch sämtlichen andere Feuerwehren im Kreis Mettmann erhalten, dazu von THW, DRK und Maltesern, insgesamt weit mehr als 150 Einsatzkräfte.“

Sogar aus Essen kam eine Feuerwehr-Einheit: Sie pumpte mit besonders leistungsvoller Spezialtechnik ein Regenrückhaltebecken in Berghausen ab, das sonst beim nächsten Starkregen überzulaufen drohte. Hier, in der Nachbarschaft der Siedlung Stefenshoven, liefen etliche Keller voll. „So etwas habe ich hier in den letzten 30 Jahren nicht erlebt“, zitiert Stefanie Sandmeier (35) vom Tannenweg einen Nachbarn. Die halbe Nacht und den ganzen Vormittag über haben viele der Stefenshovener vom Hausrat im Keller zu retten versucht, was zu retten war. Vor den Häusern türmt sich nun der Sperrmüll. „Hoffentlich lässt ihn die Stadt möglichst schnell abholen“, sagt Sandmeier.

Am schlimmsten betroffen von den Unwetter-Folgen war der Kaisersbusch

Feuerwehr und THW waren laut Kaese unter anderem noch am Berliner Platz und in der Henkelsiedlung im Einsatz, um nur einige der zahlreichen Flutorte zu nennen. Das Wasser drückte oft von unten durch die überlastete Kanalisation in die Keller, lief aber zum Teil auch durch Lichtschächte und Garagenzufahrten von oben hinein. „Auf der Schneiderstraße hob mein Auto regelrecht ab, so überflutet war die Fahrbahn aufgrund der Regenmassen“, berichtet ein Feuerwehrmann von seiner Fahrt mit privatem Pkw zu einem der Einsatzorte. In der Unterführung Solinger Straße/Hardt soff ein Pkw ab. Auch Baugruben wurden zum Schlammbecken. Personen kamen nach Angaben der Polizei zum Glück nirgendwo zu Schaden.

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Am schlimmsten betroffen von den Unwetter-Folgen war abermals der Kaisersbusch. „Bestimmt 1,60 Meter hoch stand das Wasser im Keller“, sagt ein erschöpfter 70-Jähriger, der seit Stunden zugange ist, mit anderen Helfern aus der Nachbarschaft den Hausrat nach draußen zu tragen. Die Bewohner des Hauses seien im Urlaub. „Nennen Sie nicht meinen Namen. Die Armen erfahren noch früh genug, wie es bei Ihnen zuhause aussieht.“

Foto: Matzerath

Der nahe Immigrather Bach trat hier bereits am 1. Juni über die Ufer, am Dienstag davor hatte es schon einmal Starkregen gegeben. Viele Familien in der Siedlung hat es nun zum zweiten, manche sogar zum dritten Mal binnen zwei Wochen erwischt. „Hier muss endlich was passieren“, schimpft der 70-Jährige. Die Stadt müsse sich was einfallen lassen. Offenbar seien Kanal- und Regenrückhaltesysteme komplett überlastet.

Davon ist auch Thomas Barke überzeugt, der ein paar Häuser weiter wohnt. Zwar ging die Unwetternacht für ihn und seine Familie dank neu angeschaffter Pumpe noch recht glimpflich aus, doch was er erzählt, möchte wohl niemand selbst erleben. „Aus dem Abfluss im Keller-Waschbecken schoss sogar das Schmutzwasser bis unter die Decke, obwohl wir doch in Langenfeld getrennte Regen- und Schmutzwassersysteme haben.“

Die SPD-Ratsopposition fordert verstärkten Unwetterschutz für Langenfeld

Gerhard Leibig (57), zwei Reihenhäuser weiter, behilft sich mit einer Rückstauklappe. Seine Frau Dorothea musste am 1. Juni trotzdem das Wasser eimerweise aus dem Keller befördern. „Die blauen Flecken vom Sturz, den ich mir dabei zugezogen habe, sind immer noch da“, seufzt die 58-Jährige. Leibig wie Barke vermuten, auch die sanierte A542 könnte ihren Anteil haben an der Überflutung vom Kaisersbusch. „Von der Autobahn und von Leichlingen fließt doch das ganze Wasser, das bei Starkregen runterkommt, zu uns“, sagt Barke.

Foto: Schüller

Sebastian Köpp, Vize-Chef der CDU, dessen Eltern in der Siedlung wohnen, will sich des Themas annehmen. „Damit werden sich die zuständigen Ratsausschüsse mit Sicherheit in Kürze befassen“, verspricht der 32-Jährige. Noch am Sonntagnachmittag, während die Einsatzkräfte die immer länger werdende Liste der Hilferufe abarbeiten, macht die SPD-Ratsopposition Nägel mit Köpfen. In einem Antrag an den Planungs- und Umweltausschuss fordert sie verstärkten Unwetterschutz für Langenfeld und nennt ein breites Spektrum möglicher Maßnahmen, von einem Frühwarnsystem an Bächen über zusätzliche Rückhaltebecken bis hin zu einer Umgestaltung des Abwassergebührensystems, um der Flächenversiegelung entgegenzuwirken.

(gut)
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