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Unternehmer Patrick Schwarz-Schütte will Notfonds für freie Kultur.

Interview mit Patrick Schwarz-Schütte : „Nicht immer nur an die Wirtschaft denken“

Patrick Schwarz-Schütte, der kunstsinnige Unternehmer von der früheren Monheimer Schwarz Pharma AG, fordert im Interview einen Notfonds für die freie Kultur.

Patrick Schwarz-Schütte sitzt in seinem Büro im 24. Stock des Düsseldorfer Dreischeibenhauses. Der Nebel drückt ihm, der bis 2006 Vorstandschef des von seinem Großvater und seinem Vater gegründeten Monheimer Pharma-Unternehmens (siehe Info-Kasten) war, aufs Gemüt. So wie die Hiobsbotschaften, die sich kurz vor Weihnachten überschlagen haben. Der kunstsinnige Unternehmer, der im Erdgeschoss seines Firmensitzes ein Gourmetrestaurant unterhält, wurde mitten in der coronabedingten Theaterpause zum Ehrenmitglied des Freundeskreises des Düsseldorfer Schauspielhauses (FDS) ernannt.

Herr Schwarz-Schütte, wie fühlen Sie sich als frisch ernanntes Ehrenmitglied des Freundeskreises?

Schwarz-Schütte Es war nicht nötig. Aber ich habe mich sehr gefreut.

Liebe auf den ersten Blick war das nicht zwischen Ihnen und dem Theater.

Schwarz-Schütte Ich bin mehr ein Freund des Musiktheaters und Konzerts. Als junger Mann habe ich zu viele enttäuschende Aufführungen im Schauspielhaus erlebt. Vielleicht hatte ich auch einfach keine Geduld und vieles nicht verstanden. Meine Beziehung ist erst richtig gewachsen, nachdem ich durch den Erwerb des Dreischeibenhauses Nachbar wurde.

Sie haben vor zwei Jahren den Umbau des maroden Pfau-Baus großzügig gefördert. Was hat Sie dazu veranlasst?

Schwarz-Schütte Ich war mit sanfter Nachhilfe von Intendant Wilfried Schulz zu der Überzeugung gekommen, dass, wenn es diese private Aktion nicht gegeben hätte, wir nicht diesen schönen Zustand im Schauspielhaus hätten erreichen können.

Dabei ging es um den Innenausbau der öffentlichen Bereiche.

Schwarz-Schütte Ja. Stadt und Land als Träger hatten signalisiert, dass sie diese Kosten nicht alleine übernehmen könnten. Und ich habe gespürt: Wenn es wirklich etwas Schönes werden soll, dann müssen wir Bürger noch mal ran.

2017 haben Sie das Dreischeibenhaus dem Schauspiel als experimentelle Bühne überlassen. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie als Premierenbesucher durch die eigene Firma liefen?

Schwarz-Schütte „Der Fall Simon“ war aufregend und geheimnisvoll. Auch ein Stück Kapitalismuskritik. Richtig verstanden habe ich die Produktion allerdings bis heute nicht.

Tut es gut, wenn in einem Unternehmen die Kunst einen Platz erhält?

Schwarz-Schütte Ja. Ich habe so etwas zum ersten Mal als junger Mann bei der Wurstfabrik Herta in Recklinghausen erlebt. Das war damals die größte deutsche Wurstfabrik, später hat sie Eigentümer Karl-Ludwig Schweisfurth verkauft und ist Biobauer geworden.

Ausgerechnet in seiner Wurstküche sind Sie auf Kunst gestoßen?

Schwarz-Schütte Es war keine Wurstküche, sondern ein Riesenbetrieb. Und überall stand Kunst. So etwas hatte ich noch nie gesehen.

An einem Ort, an dem harte Ware verhandelt und viel gearbeitet wird, kann Kunst wirken.

Schwarz-Schütte Es ist ein martialisches Gewerk mit Schlachten und Töten – dagegen moderne Kunst zu setzen, hat mir imponiert. Das strahlt auf die Menschen ab. Ästhetik gehört zum Arbeiten dazu.

Wenn Sie zum Gustaf-Gründgens-Platz herausschauen, erblicken Sie die begrünte Wand des Ingenhoven-Tals. Doch die blühenden Landschaften der Kultur sind bedroht.

Schwarz-Schütte Das Umfeld ist hier noch richtig wüst. Ich hoffe auf das Frühjahr, wenn der Platz fertig ist.

Der Platz soll nach Wilfried Schulz’ Willen demnächst bespielt werden.


Schwarz-Schütte Ja, das hat er mir freundlicherweise erzählt, damit ich es nicht erst aus der Zeitung erfahre. Natürlich finde ich es toll, wenn da Theater gespielt wird. Ob die dafür erforderliche Freiluft-Tribüne ein ästhetischer Gewinn ist, steht dahin. Positiv ist, dass was passiert. Wir warten schon seit acht Jahren, dass dieser Platz einmal fertig wird und zum Flanieren einlädt.

Besonders das Kassenhäuschen ist Ihnen ein Dorn im Auge.

Schwarz-Schütte Es ist total überdimensioniert und passt überhaupt nicht auf den Platz. Wenn man auf die schönen Plätze in Italien oder Spanien schaut, dann sind die erst einmal leer und nicht so „zugemöbelt“.

Sie haben es immerhin um ein paar Meter verschieben können.

Schwarz-Schütte Das Häuschen wurde der Allgemeinheit aufs Auge gedrückt. Es ist nicht Ingenhoven-würdig.

Die Lufthansa erhält vom Staat Subventionen in Milliardenhöhe, während ein Großteil der Kulturszene auf dem Trockenen sitzt. Ist es richtig und gerecht, die Wirtschaft vor der Kultur zu priorisieren?

Schwarz-Schütte Es ist natürlich nicht richtig, immer nur an die Wirtschaft zu denken. Vor allem sollte man keine Firmen durchfüttern, die unabhängig von Corona sowieso schon Probleme haben. Das ist meine Sorge. Bei der staatlich und städtisch finanzierten Kultur ist die Grundstruktur gesichert, Probleme haben vor allem die freischaffenden Künstler.

In Düsseldorf sind auch Institutionen wie das Kommödchen betroffen, die privaten Theater und viele Festival-Initiativen.

Schwarz-Schütte Da würde ich mir wünschen, dass der Staat mehr tut. Wenn er einerseits sagt, wir stützen die Gastronomie mit Riesensummen, dann gibt es keine Argumente, warum man die Kultur nicht unterstützt. Kultur ist schließlich ein Lebensmittel.

Wie würden Sie die Gelder verteilen?

Schwarz-Schütte Man könnte einen der vielen Notfonds eigens für die Kulturszene eröffnen. Überhaupt sollte man dem ganzen Lockdown mehr Sinn geben und Konsequenz einfordern. Am 16., am 18. und 20. Dezember hat es alleine in NRW neue Corona-Schutzverordnungen gegeben. Das versteht keiner mehr, und die Menschen halten sich auch nicht mehr dran.

Ihr Restaurant Phoenix mussten Sie zum zweiten Mal infolge der Corona-Schutzverordnungen schließen. Wie weh tut es, beim Sterben eines Projekts zuzusehen, in das viel Herzblut und Geld geflossen ist?

Schwarz-Schütte Oh, es ist ein Jammer. Da geht nicht nur Geld verloren. Es hat großen Spaß gemacht, der Laden lief. Wir haben noch alle Mitarbeiter. Ob die jedoch wiederkommen? Das zweite Mal in einem Jahr zu schließen, ist wirklich belastend. Noch glaube ich nicht an den 10. Januar. Wie denn?

Ich persönlich befürchte, dass es nie wieder wird, wie es einmal war. Wie sehen Sie das?

Schwarz-Schütte Das glaube ich schon. Aber es wird lange dauern, bis wir da durch sind. Das Schauspielhaus wird fantastisch-schön, und das blühende kulturelle Leben kehrt mit Beginn des nächsten Herbstes zurück.

Sie stammen aus einem berühmten Pharma-Unternehmen, ihr Großvater war Apotheker. Werden Sie sich impfen lassen?


Schwarz-Schütte Sofort. Wenn die Inzidenzen so weitergehen, dann habe ich bis zum Sommer ein Ansteckungsrisiko von zehn Prozent. Alles was ich über den Impfstoff weiß, nimmt mir die Angst vor Nebenwirkungen: Er ist verblüffend wirksam und verblüffend sicher.