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Monheim: Ulla Hahns Hilla Palm - die Reise geht zu Ende

Monheim : Ulla Hahns Hilla Palm - die Reise geht zu Ende

In diesem Buch führt es Hilla Palm endgültig aus Monheim in die "weite Welt" hinaus. Im Revolutionsjahr 1968 setzt der vierte und abschließende Teil von Ulla Hahns autobiografisch grundierter Roman-Reihe ein.

"Wir werden erwartet", heißt Ulla Hahns neues Werk, das am Montag erschienen ist. Auf dem Umschlag ein roter Lederkoffer, der den Aufbruch Hilla Palms aus der Klein-stadt-Enge symbolisiert, aber auch die Besuche in der Heimat. "Auch wenn die Handlung im wesentlichen außerhalb Dondorfs spielt, so ist auch dieser Teil reich an Monheim-Bezügen", sagt Buchhändlerin Linda Rossbach. "Es gibt immer wieder Rückblicke in die Kindheit. Diese Erinnerungen spielen eine wichtige Rolle in Hillas Leben", sagt die 55-Jährige, die am vorigen Wochenende mit der Lektüre der insgesamt 640 Seiten begonnen hat.

Rossbach hat das Schaufenster ihrer "Bücherstube" an der Alten Schulstraße mit einem Lederkoffer und alten Schuhen dekoriert, dazu die Neuerscheinung und natürlich auch die seit 2001 erschienenen Vorgängerbände. Angefangen mit "Das verborgene Wort", gibt es sie inzwischen auch als Taschenbuch. "Berühmte Fotomotive aus den 60ern und 70ern sollen in der Auslage noch hinzukommen", sagt die Buchhändlerin. Etwa vom Kniefall Willy Brandts in Warschau. Das ist für Rossbach mehr als Deko, denn der Umgang der Deutschen mit der NS-Vergangenheit ist in Ulla Hahns gesamter Tetralogie ebenso präsent wie im Abschlussband der damit verknüpfte politische Umbruch um 1968. Hilla aus Dondorf führt der Neomarxismus jener Jahre in die DKP - ein "Irrweg", sagt die heute 72 Jahre alte Ulla Hahn über ihre eigene Verführbarkeit. Ein Irrweg, der 1975 mit einem "bösen Erwachen" endet - bei einer Reise in die DDR, unter Linientreuen und Spitzeln. Hilla, die sich bereits aus einem erdrückend engen Nachkriegskatholizismus freistrampelte, entscheidet sich auch diesmal für die Freiheit. Elke Minwegen vom Monheimer Ulla-Hahn-Haus hat sich vor dem Eintauchen in den neuen Roman eine Leseprobe des Verlags zu Gemüte geführt. "Dort sind Fotos abgedruckt, die Ulla Hahn im Studentenzimmer in Hamburg und bei ihrem politischen Engagement zeigen", sagt die 48-Jährige, die regelmäßig Führungen zu den Hilla-Romanen veranstaltet (s. Interview). "Diese Bilder haben bei mir etwas ausgelöst. Und Neugierde geweckt: Wie war das mit ihrem Weg zur ,Marxistischen Weltanschauung'?"

Führt auf Ulla Hahns bzw. Hilla Palms Spuren durch Monheim: "Monguide" Elke Minwegen Foto: Matzerath

Wie schon in "Aufbruch" (Band 2; 2009) und "Spiel der Zeit" (3; 2014) verlagern sich die Schauplätze langsam, aber stetig weg von Dondorf. Dennoch hofft Minwegen auch in Band 4 auf "Besuche und Wochenenden von Hilla bei den Eltern in der Altstraße und ein Wiedersehen mit den Cousinen und der Tante". Nicht zuletzt um in den "altbekannten bildhaften Beschreibungen Ulla Hahns" auch das Monheim der 70er wiederzufinden. "Den Romanzyklus durch diese ,Brille' zu betrachten, das werde ich wohl mein Lebtag nicht mehr los", sagt die 49-Jährige.

Wie warme Semmeln geht "Wir werden erwartet" noch nicht weg, doch das sei auch nicht verwunderlich, meint Linda Rossbach. "Viele Kunden wussten nichts von der Neuerscheinung, zeigen sich aber nun neugierig, freudig überrascht." Dazu haben sie nach Rossbach erster Lektüre auch allen Grund: "Der heimatliche Tonfall ist wieder genau getroffen, es geht ins Leben hinaus, ein Kuss am Rhein . . ." Zugleich setzt sich der Wandel in Hillas Beziehung zu ihren Eltern, zumal dem Vater, fort: von gegenseitigem Unverständnis, dass es den Leser schaudert (im "Verbogenen Wort"), hin zu Verzeihen und liebevoller Zuwendung. Sie habe sich manchmal für die Eltern geschämt, besonders für den Vater, sagt hierzu Ulla Hahn, das einstige Arbeiterkind. "Später habe ich mich dafür geschämt, dass ich mich geschämt hatte."

(gut)