Monheim: Ulla-Hahn-Haus auf der Kippe

Monheim: Ulla-Hahn-Haus auf der Kippe

Engagiert kämpft Bürgermeister Daniel Zimmermann für ein Lese- und Sprachförderzentrum im Elternhaus der in Monheim aufgewachsenen Ausnahme-Autorin Ulla Hahn. Doch die politischen Fronten bröckeln. Vor allem CDU, SPD und Grüne könnten sich alternative Standorte vorstellen.

Der Kampf der Politik um das Elternhaus der deutschlandweit bekannten Autorin Ulla Hahn spitzt sich zu. Kontrovers diskutierten die Parteien gegen Ende einer fast achtstündigen Marathon-Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses in der Nacht zu Freitag das brisante Thema. Die entscheidende Frage: Soll das einhellig befürwortete Projekt für sprachbegabte und sprachschwache Kinder und Jugendliche gemeinsam mit der NRW-Geschäftsstelle des Friedrich-Bödecker-Kreises (siehe Info) in dem bereits von der Stadt angekauften, stark sanierungsbedürftigen ehemaligen Heim der seit Jahren in Hamburg lebenden Autorin unterkommen?

Eine Art Ei im Nest

Laut und vernehmlich dachten vor allem die beiden Volksparteien CDU und SPD darüber nach, ob sich Monheim die dafür vorgesehenen 200 000 Euro (zuzüglich 200 000 Euro Landesförderung) tatsächlich leisten soll. "Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass uns da jemand eine Art Ei ins Nest gelegt hat, das wir jetzt irgendwie ausbrüten müssen", sagte SPD-Fraktionschefin Ursula Schlößer unter Anspielung auf Ex-Bürgermeister Dr. Thomas Dünchheim, der den Stein ins Rollen gebracht hatte. Bauchschmerzen haben auch die Christdemokraten. Fraktionsboss Tim Brühland sagte: "Es werden städtische Bürotrakte im Rathaus-Center sowie Zimmer in Schulen frei. Gute Standorte für das durchaus sinnvolle Projekt." Die große Summe hält er aber wie andere Ratsleute für problematisch, "weil wir im gleichen Atemzug die saisonale Bepflanzung städtischer Grünflächen streichen oder einem Jugendtreff nochmal 1000 Euro Zuschuss wegnehmen."

Leidenschaftlich verteidigte dagegen Bürgermeister Daniel Zimmermann (Peto) das Projekt. Am Morgen nach der Sitzung sagte er vor Journalisten: "Ulla Hahn ist eine der bedeutendsten deutschen Gegenwartsautorinnen. Dass ihr Elternhaus noch steht, ist ein Segen. Ein großer Glücksfall. Genauso wie die Tatsache, dass Ulla Hahn das Projekt stützt." Im Übrigen handele es sich bei den 200 000 Euro um investive Maßnahmen, für die ein Gegenwert geschaffen werde. "Diese Summe würde den aktuellen Fehlbetrag im städtischen Haushalt von gut 20 Millionen Euro weder erhöhen noch senken." Eine klare Abfuhr erteilte er Schlößers Vorschlag, man müsse auch über ein Sponsoren- oder ein Stiftungs-Modell "möglicherweise mit Beteiligung von Ulla Hahn" nachdenken. Zimmermanns klare Replik: "Jetzt Ulla Hahn durch die Blume zu sagen, sie soll die Herrichtung ihres Elternhauses für Projektzwecke gefälligst selbst mitbezahlen, ist schlicht und ergreifend undenkbar." Die klare Botschaft könne nur lauten: "Wir sind stolz auf dieses großartige Projekt und setzen es um." Die schließlich getroffene Entscheidung des Ausschusses beinhaltete ein beherztes Sowohl-als-auch. Neben das "grundsätzliche" Ja setzten die Kommunalpolitiker einen ebenso deutlichen Sperrvermerk. Ob es tatsächlich ein Ulla-Hahn-Haus an der Neustraße geben wird, hängt nun vom noch zu erstellenden Gesamt-Konzept ab. Sobald dessen Einzelheiten bekannt sind, wird erneut abgestimmt.

(RP)