1. NRW
  2. Städte
  3. Langenfeld

Monheim: "Turm 20" wird Forum für Profikünstler

Monheim : "Turm 20" wird Forum für Profikünstler

In dem Haus in der Altstadt sollen Ausstellungsflächen und Ateliers entstehen. Künstlerisch soll es sich vom Sojus 7 abgrenzen.

An der Turmstraße 20, wo noch bis Ende März scharfe thailändische Speisen wie Gaeng Phed Pag serviert wurde, soll eine kulturelle Begegnungsstätte für Profi-Künstler und die Monheimer Bürgerschaft entstehen. Die Stadtentwicklungsgesellschaft hat das Gebäude aus der Gründerzeit, eines der wenigendieser Art in Monheim, kürzlich erworben. "Wir wollen hiermit einen weiteren Besuchermagnet in der Altstadt schaffen: Hier soll Kunst für die Menschen erlebbar werden", sagt Estelle Dageroth, Leiterin der Wirtschaftsförderung.

Schon seit Jahrzehnten stellt das Sojus 7 ein lebendiges und artenreiches Biotop für Subkultur dar, wo sich vor allem semiprofessionelle und Laienkünstler betätigen. Berufskünstler hingegen, die ein Studium an einer einschlägigen Hochschule absolviert haben und von ihrer Kunst leben können, haben sich in Monheim bisher nicht etabliert. Ihnen soll das "Turm 20" vorbehalten sein, erklärt Katharina Braun, die als Leiterin der Kunstschule das zugehörige Konzept entwickelt hat.

Das Haus soll ein offener Ort sein, betont sie, es soll nicht nur Ausstellungsflächen sondern auch Atelierräume für die Schöpfer junger zeitgenössischer Kunst bieten. Um den nötigen Kontakt zur aktuellen Kunstszene herzustellen, arbeitet die Stadt dabei mit einem Kooperationspartner zusammen. "Wir stehen dabei für alle Kunstrichtungen offen: Malerei, Bildhauerei, Installations- und Video-Kunst", erklärt Braun.

Nach dem Umbau des sehr sanierungsbedürftigen Gebäudes soll es wie bisher im Erdgeschoss eine Gastronomie beherbergen, die zugleich mit Präsentationsflächen verknüpft ist. Im Obergeschoss sollen Arbeitsräume und Ateliers untergebracht werden. "Der angrenzende Fachwerkanbau wird weggenommen, um Platz für einen Durchgang in den bisherigen Biergarten zu schaffen", sagt Dageroth. Das Haus solle auf diese Weise freigestellt werden, um die Fassade wieder besser zur Geltung zu bringen. Auch die Garagenzufahrt wird zugeschüttet.

Im rückwärtigen Teil des tief in die Hinterhoflandschaft hineinragenden Grundstücks soll dann ein nahezu gläserner Multifunktionsraum für Aktionen aller Art errichtet werden. "Hier sollen die Menschen an dem Entstehungsprozess von bildender Kunst teilhaben können", sagt Braun. Im Dachgeschoss des Gebäudes sollen zwei Wohnungen für die Künstler entstehen, die in Monheim arbeiten. Ein Architekt arbeitet schon an den Umbauplänen.

"Das Haus soll ein unkonventioneller und handlungsaktiver Ort werden, der das kreative, prozessorientierte Denken von Künstlern vermittelt und Möglichkeiten kreativer Prozesse aufzeigt", erklärt Katharina Braun. Der "Geysir" habe bereits eine öffentliche Diskussion um Kunst angestoßen, was die Leiterin der Kunstschule hocherfreut. "Über Kunst ist hier noch nie so viel geredet worden." Das vom Rat beschlossene Konzept zur Anschaffung von Kunst im öffentlichen Raum biete einen wichtigen Ansatz, um renommierte zeitgenössische Künstler nach Monheim zu holen.

Die Wirtschaftsförderung ist nicht nur wegen der Komponente Altstadtbelebung in das Projekt involviert. Vom Kunsthaus aus sollen auch Angebote für Unternehmen konzipiert werden, die sich Künstler einladen wollen, um mit den Mitarbeitern kreative Formen von Problemlösungen zu erarbeiten. "Das ist ein wachsender Bereich", sagt Dageroth. Aufgabe des Kooperationspartners soll es sein, ein Jahresprogramm mit Ausstellungen und Aktionen von Künstlern aufzustellen und andere Partner für die geplanten Präsentationen zu gewinnen.

(RP)