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Langenfeld: Turbo-Abi: Keine Zeit mehr für Kunst

Langenfeld : Turbo-Abi: Keine Zeit mehr für Kunst

KAG-Schüler und Eltern machen beim Aktionstag "Bildung braucht Bilder" mit.

Die Metall-Skulpturen im Lichthof des Konrad-Adenauer-Gymnasiums (KAG) sind mit Bettlaken verhüllt, Paketpapier versperrt den Blick in die Vitrinen im Foyer - und statt der großformatigen Schülerporträts in Acryl, die sonst die Mensa-Wände schmücken, hängen dort kleine, weiße Zettel mit dem Aufdruck: "Kunst ist dann mal weg!". Schüler und Elternvertreter beteiligten sich gestern am bundesweiten Aktionstag unter dem Motto: "Bildung braucht Bilder - und dafür guten Kunstunterricht in allen Schulen". Aufgerufen dazu hatte erstmals der BDK, Fachverband für Kunstpädagogik.

"G 8 lässt den Jugendlichen neben dem Unterricht kaum noch Zeit für Kunst und Kultur", sagt die Schulpflegschaftsvorsitzende Ute Lichte. "Deshalb ist es wichtig, dass das Fach zumindest in den Lehrplänen ausreichend berücksichtigt wird." An vielen Schulen sei ein fundierter Kunstunterricht inzwischen kaum noch möglich. Viele Stunden würden von fachfremden Pädagogen erteilt. Doch ohne Kunst sei es "öde", merkt Lichte an. Es sei der einzige Bereich im verkopften Schulalltag, wo Kreativität und die Verwirklichung eigener Ideen gefragt seien. Mit Billigung der Schulleitung wollten die Eltern ein Zeichen setzten: Kunst sei "kein Gedöns", sondern ein wichtiges Fach, stellt die Pflegschaftsvorsitzende fest.

Dass auch das Langenfelder Konrad-Adenauer-Gymnasium bereits unter der Situation leidet, schildert Lisa Wrubel. Die 17-Jährige hätte gerne in der Oberstufe Kunst als Leistungskurs gewählt, weil sie Medienwissenschaften studieren wollte. Obwohl sie und Gleichgesinnte "dafür kämpften", die zehn notwendigen Teilnehmer für einen Leistungskurs zusammenzutrommeln, konnte er nicht stattfinden. Es sind zu wenige Fachlehrer an der Schule. "Jetzt habe ich stattdessen Biologie gewählt", sagt Lisa Wrubel: "Und, ich muss mir einen ganz anderen Beruf überlegen."

Generell sei die Situation in Langenfeld besser, als an vielen anderen Gymnasien. So gebe es im neunten Jahr (seitdem auf G 8 umgestellt worden ist) in der Oberstufe beispielsweise die Projektkurse Malerei und Fotografie, erwähnt Elternvertreterin Dagmar Clasen. "Jede Schule hat einen gewissen Spielraum, etwas anzubieten." Dennoch stehe in den Lehrplänen für das zweite Halbjahr der Stufe sieben und in beiden Halbjahren der Stufe neun Kunst nicht mehr auf dem Stundenplan. Dabei sei das Fach wichtig, bekräftigt auch Elternvertreterin Susanne Halbach, die die KAG-Lehrer unterstützen will. Es ermögliche, über den eigenen Tellerrand zu schauen und schaffe Kontakte zu fremden Ländern.

Henning Wentzin möchte ungern auf den Unterricht verzichten. "Ich male und zeichne gerne", sagt der 16-Jährige. Kunst als Schulfach sei für ihn ein sehr guter Ausgleich. Und Nika Jockenhöfer (16) hilft das Fach unter anderem dabei, die alltägliche Bilderflut und Medienvielfalt besser einzuordnen. Natürlich haben wir im Unterricht auch regelmäßig Theorie", ergänzt Helen Arndt. So lernt die 16-Jährige verschiedene Kunstepochen kennen. Kunst und Geschichte, Kunst und Politik, Kunst und Literatur - die Zusammenhänge seien fließend. Deshalb sei es generell ein wichtiges Fach für die Vorbereitung auf ein Hochschul-Studium, glaubt Lichte.

(RP)