Langenfeld: Traumvisionen eines realistischen Phantasten

Langenfeld: Traumvisionen eines realistischen Phantasten

Gestern wurde im Stadtmuseum Langenfeld eine Ausstellung mit den Werken von Ernst Fuchs eröffnet.

Mit einer außergewöhnlichen Ausstellung steigt das Stadtmuseum in das Themenjahr 2018 ein, das unter dem Motto "Servus Österreich" steht. Mit der Unterstützung von Angelika Fuchs ist es gelungen, rund 60 Werke des Mitbegründers der Wiener Schule des phantastischen Realismus, Ernst Fuchs, nach Langenfeld zu holen. Unter großem öffentlichen Interesse wurde gestern die Ausstellung eröffnet, die gleich drei kleine Jubiläen vereint, wie Bürgermeister Frank Schneider betonte: "Vor 20 Jahren wurde das Freiherr-vom-Stein-Haus eröffnet und als 100. Sonderausstellung passt die Ausstellung auch zu 70 Jahren Langenfeld."

Ernst Fuchs, der 1930 in Wien als Sohn eines jüdischen Vaters geboren wurde, begann 1945 mit dem Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Er war ein Multitalent - Künstler und Architekt, Komponist und Bildhauer, Dichter und Visionär. Als Vertreter der Wiener Schule des phantastischen Realismus suchte er nach der Verwirklichung einer Traumwelt - quer zum künstlerischen Dogma der Abstraktion dieser Zeit.

"Er ist faszinierend, beeindruckend, provozierend und nachdenklich machend", betonte Hella-Sabrina Lange, Leiterin des Stadtmuseums. Seine Kunst stehe im Spannungsfeld zwischen Liebe und Tod. "Er strebte danach, das Leben als Gesamtwerk darzustellen." Dabei scheute der im November 2015 verstorbene Künstler nicht davor zurück, ganz bewusst zu provozieren. Zum Beispiel mit den Darstellungen biblischer Frauenfiguren, die er häufig sehr erotisch entwarf. "Er wusste, dass das Nackte als göttlich, aber auch als anstößig betrachtet wird", so Lange.

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Auch wenn die Ausstellung in fünf Bereiche gegliedert ist, lässt sich schnell erkennen, dass der "Malerfürst" vor allem den Frauen sehr zugetan war. Ob nun den biblischen Gestalten, wie Eva, Judith und Salome, oder den mythologischen wie Daphne und Venus. Die Porträts, die er mit Elementen des Jugendstils ausschmückte, zeigen ebenfalls ausschließlich Frauen, so wie auch die Aktbilder. Dass sich Ernst Fuchs nicht nur künstlerisch vom weiblichen Geschlecht angezogen fühlte, sondern auch als Mann, zeigt seine 16-fache Vaterschaft.

Seine Tochter Angelika Fuchs, Leiterin der Galerie Ernst Fuchs in Wien, erzählte einige Episoden aus dem Leben der Familie. "Bis 1958 war die Arbeit meines Vaters geprägt von der Kriegszeit." Als "der arme Schlucker" dann ihre Mutter kennenlernte - eine Frau aus wohlhabender Familie - war er 28 Jahre alt, bereits Vater von vier Kindern und begann nun, sich den schönen Dingen des Lebens zuzuwenden. "Er war viel auf Reisen, bei Ausstellungen, aber wenn er zuhause war, saß er stundenlang im Kinderzimmer und hat uns selbst erfundene Märchen erzählt", erinnert sich Angelika Fuchs. "Er war ein gütiger Mensch. Geiz und Neid waren ihm verhasst." In den 1970er Jahren wandte sich Ernst Fuchs den mythologischen Bildkompositionen zu und wurde quasi über Nacht berühmt und reich. Bis zum Schluss ließ er sich von seinen Traumvisionen, von mythologischen und biblischen Motiven, von Magischem und dem Jugendstil inspirieren.

Die Ausstellung ist bis zum 13. Mai von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet.

(sue)