Therapeutisches Reiten für Behinderte in Langenfeld gestrichen

Langenfeld : Kein Geld für therapeutisches Reiten

Etwa 30 Jahre konnten Menschen aus dem Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) einmal pro Woche reiten. Jetzt wird dies nicht mehr bezahlt.

Die Reitanlage Schnitzler-Küttelwesch (Hitdorfer Straße 54) nimmt Pensionspferde auf und erteilt Reitunterricht auf Privat- und Schulpferden. Der familiär geführte Betrieb hat außerdem jahrzehntelang therapeutisches Reiten für Menschen mit Handicap angeboten. Seit Juli bleiben allerdings die behinderten Kunden aus: „Das HPZ hat uns schon Monate vorher mitgeteilt, dass es sich bei dem therapeutischen Reiten um eine freiwillige Maßnahme handele, die in Zukunft nicht mehr gezahlt wird“, erinnert sich Stallbesitzerin Andrea Schnitzler. Sie bedauert das: „Mir tun in erster Linie die Behinderten leid. Die haben doch sonst so wenig Abwechslung. Da waren welche dabei, die sind seit 20, 30 Jahren gekommen –  Siggi und Horst zum Beispiel.“

Das therapeutische Reiten in Langenfeld begann vor vielen Jahren  als simple Veranstaltung, bei der Behinderte auf braven Pferden einige Runden geführt wurden.  Für die Menschen war es ein positives Erlebnis und schulte Körperwahrnehmung und Balance.

Inzwischen ist das Angebot hochprofessionell: „Wir haben vor einigen Jahren einen zum Therapiepferd ausgebildeten Norwegerwallach angeschafft, Nanouk. Wir haben eine Rampe besorgt, damit die Menschen gut auf das Pferd kommen und mit Kerstin Schreiber (jetzt: Weißenberg) eine Reitlehrerin beschäftigt, die zehn Jahre in einem reittherapeutischen Zentrum gearbeitet hat“, berichtet Schnitzler.

Jede Woche, außer in den Ferien, seien vier bis sechs Teilnehmer zum Reiten gekommen. Leute aus dem Heilpädagogischen Zentrum in Langenfeld, aus dem Zentrum  in Leverkusen,  und zuletzt hätten auch die Solinger angeklopft. „Deren Therapiepferd war gestorben,  und sie wollten unserer Angebot nutzen.“

Schnitzler berichtet von den Fortschritten der Menschen mit geistiger und körperlicher Einschränkung.  „Die sind richtig aufgeblüht.“ Reitlehrerin Weißenberg bestätigt das: „Wir haben einen Spezialgurt mit nur einem Griff angeschafft, damit die körperlich Eingeschränkten die Beine auf dem Pferd nicht so weit spreizen müssen. Wenn die Reiter nach der Stunde abstiegen, hatten sie ein ganz anderes Gangbild als vorher.“ Auch ihr, der Freiberuflerin, tun  die Menschen mit Behinderung leid. „Alle reden von Inklusion, aber gerade die älteren Behinderten fallen oft durch den Rost“, glaubt sie.

Die Teilnehmer seien ältere Erwachsene, Leute, die zu eingeschränkt seien, um in der Behindertenwerkstatt zu arbeiten. Diese Menschen sind tagsüber im Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) in Langenfeld, das sich auf dem Gelände der LVR Klinik befindet. „Unsere Aufgabe ist es auch, den Leuten eine Tagesstruktur zu bieten“, erklärt Gabriele Lapp, technische Direktorin der Heilpädagogischen Hilfen. Als Highlight gibt es manchmal Ausflüge oder auch einen Kinobesuch und – bis vor kurzem – die Reittherapie.

„Das ist eine freiwillige Maßnahme, die nicht therapeutisch notwendig ist“,  sagt Gabriele Lapp. Bisher sei es ein Pauschalangebot gewesen, jetzt habe man sich aber überlegt, dass Behinderte, die weiterhin reiten wollen, dieses Angebot selbst bezahlen müssen. „Nicht von ihrem Taschengeld, aber manche haben Ersparnisse“, antwortet Gabriele Lapp auf Nachfrage. Und: „Sollte jemand die Reittherapie wirklich benötigen, würden wir es möglich machen.“

Bei der Langenfelder Reitanlage hatte man zunächst gehofft, dass vielleicht der Förderverein des Heilpädagogischen Zentrums einspringen würde. „Ich wäre auch nur alle 14 Tage gekommen und habe angeboten, nur dann Geld zu nehmen, wenn der Unterricht tatsächlich zustande kommt“, sagt Reitlehrerin Kerstin Weißenberg. Es hat nichts genutzt.

Der Förderverein wolle keine regelmäßig stattfindenden Angebote bezahlen, heißt es. Persönlich war niemand zu erreichen.