Langenfeld/Monheim: Tempokontrollen: Kreispolizei fehlen Daten

Langenfeld/Monheim : Tempokontrollen: Kreispolizei fehlen Daten

NRW-Innenminister Ralf Jäger hat die Polizei angewiesen, die Geschwindigkeitsüberwachung zu verstärken. Grund: Überhöhte Geschwindigkeit sei die Unfallursache Nummer eins und für die steigende Zahl der Verkehrstoten (+ 13 Prozent gegenüber 2010) verantwortlich.

Jägers Wunsch wird von der Polizei im Kreis Mettmann umgesetzt, bestätigt Ralf Schefzig, Leiter des Verkehrsdienstes bei der Kreispolizeibehörde Mettmann. Die Polizei hat im Kreis zwei Radarwagen im Einsatz. Hinzu kommen 14 Lasermessgeräte. Die Polizei veröffentlicht im Internet im Voraus die Standorte von Geschwindigkeitskontrollen. "Das sind aber nur geplante Kontrollen", betonte Schefzig: "Daneben gibt es immer auch Tempokontrollen etwa mit Lasergeräten, die nicht zuvor veröffentlicht werden." Verkehrsteilnehmer müssten überall damit rechnen, angehalten zu werden.

Druck in der Fläche aufbauen

So steht es auch im Internet auf der Seite der Kreispolizei. "Wir wollen damit Druck in der Fläche aufbauen", erläutert der Erste Polizeihauptkommissar die Strategie der Ordnungshüter. Überraschend ist allerdings sein Eingeständnis, dass es keinerlei Datenmaterial zu den Tempokontrollen gebe — weder zu den Einsätzen der beiden Radarwagen noch zu den Lasermessungen der Beamten im Kreis Mettmann, weder für dieses noch für das vergangene Jahr. Auch die Durchschnittsgeschwindigkeit — die das Land senken will — könne die Kreispolizei nicht ermitteln, weil entsprechende Geräte fehlten.

Die Polizei in Düsseldorf dagegen ermittelt die Durchschnittsgeschwindigkeit, sagte Sprecher Jochen Schütt auf Nachfrage unserer Zeitung. Man wolle beobachten, wie sie sich angesichts der verstärkten Tempokontrollen entwickele.

Neben der Polizei überwacht auch der Kreis Mettmann die Einhaltung der Geschwindigkeit auf den rund 2000 Kilometern Bundes- Land-, Kreis und Gemeindestraßen. Dies geschieht mit 26 stationären Anlagen (im Volksmund auch "Starenkästen" genannt) und zwei mobilen Anlagen in unauffälligen Pkw. Sie beziehen werktags an einem von 249 Orten Posten, die zuvor mit der Polizei und der Gemeinde abgestimmt wurden. Dabei handele es sich ausschließlich um besondere Gefahrenstellen wie Kindergärten, Schulen, Seniorenheime oder so genannte Unfallhäufungspunkte, betont Ralf Hitzel, Abteilungsleiter Verkehrssicherheit im Straßenverkehrsamt Mettmann.

64 618 Verkehrsteilnehmer sind im vergangenen Jahr vom kommunalen "Radarblitz" getroffen worden. Im Jahr zuvor waren es 66 000. 1,6 Millionen Euro an Verwarn- und Bußgeldern nahm der Kreis (wie schon im Vorjahr) an, teilt Kreissprecherin Daniela Hitzemann mit. Das decke gerade die Aufwendungen. Geld verdiene der Kreis mit den Tempomessungen nicht. In rund zwei Drittel der Fälle wurden Verwarngelder verhängt, berichtete Martina König, Abteilungsleiterin der Bußgeldstelle beim Kreis.

Wird der Kreis demnächst auch die Tempoüberwachung verstärken und die Orte zuvor im Internet veröffentlichen? "Wir sind da noch in der Entscheidungsfindung", sagt Hitzemann. Mehr Kontrollen seien auch eine "Frage der Ressourcen".

(RP/url)