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Langenfeld: Taxis waren gefragt

Langenfeld : Taxis waren gefragt

Betroffen vom zweiten Warnstreik gestern waren vor allem Pendler. Obwohl es sie als unbeteiligte Dritte traf, sympathisieren sie mit den Gewerkschaftern. Eindrücke von den Knotenpunkten.

Busse behindern kann er dort ja nicht, deshalb hält der Fahrer des silbernen Opels gleich am verwaisten Busbahnhof. Zwei Damen entsteigen dem Wagen, die beiden Baumbergerinnen Maren Mews und Fredika Berthauer. Wie jeden Mittwoch unterwegs zu Einkauf und Klönchen in der Stadt, "eine gute Tradition", wie Mews sagt. Für gewöhnlich nehmen sie die Linie 788, aber die fährt heute nicht: Warnstreik im öffentlichen Dienst, der zweite innerhalb der zurückliegenden zwei Wochen. Also fährt heute Herr Berthauer, was aber nicht weiter schlimm sei. Denn beide Frauen sympathisieren mit den Streikenden, die bekämen einfach "zu wenig". Die Hanseatin Mews erzählt, dass auch ihre Enkel heute zur Schule hätten chauffiert werden müssen.

Taxifahrer hatten sich gestern am Langenfelder S-Bahnhof postiert, um Fahrgäste, die vergeblich auf einen Bus warteten, zu kutschieren. Erfolgreich. Foto: matzerath

Was die Niederlegung der Arbeit deutlich machen soll, bringt das Gewerkschafts-Plakat an der Eingangstüre zum Bürgerbüro am Rathausplatz also gut auf den Punkt: "Wir sind es wert."

In Betrieb und pünktlich war allein der Verdi-Bus, der um 8.30 Uhr zur Gewerkschaftskundgebung aufbrach. Ansonsten: gähnende Leere. Die Leuchtanzeigen bitten nicht vorhandene Passagiere, nicht zu rauchen.

Sahin Arslanas findet derweil, beim letzten Warnstreik seien für die Taxifahrer mehr Fahrgäste abgefallen. Er sitzt hinter dem Steuer seines Mercedes vor dem Monheimer Tor am offenen Fenster. Als er fortfahren will, einen wahrscheinlich eher gewöhnlichen Arbeitstag vorherzusagen, stürzt eine abgekämpft aussehende Pendlerin mit Rollkoffer auf den Taxistand zu: "Sind sie frei?"

Schlechte Bezahlung

Arslanas Kollegin in der Taxiruf-Zentrale an der Konrad-Zuse-Straße hat gerade erst übernommen, die Vorschicht habe aber "auf jeden Fall" schon ein höheres Aufkommen an Fahrten registriert.

Den indischen IT-Manager, der vor zwanzig Minuten am Bussteig des Langenfelder S-Bahnhofes gestrandet ist, wird gleich ein per Handy herbeigerufener Kollege mitnehmen. Er wirkt gelassen. Auch als er erfährt, weshalb sein Bus nicht kommt.

Denn die Bezahlung sei ja doch "pretty bad". Ansonsten könne er dazu wenig sagen.

Überrascht schaut der junge Amerikaner drein, als er vom neuerlichen Streik hört: "Again?" Ihm sei das am 7. März schon beim ersten Warnstreik passiert, also werde er sich wieder ein Taxi rufen, um zum Job nach Monheim zu kommen. 6,5 Prozent mehr Gehalt fordert Verdi, "einen ganz schönen Brocken", wie ein Passant findet. Das Angebot der Arbeitgeberseite liegt bei derzeit 3,3 Prozent. "Eher schlechter Witz als ernsthaftes Angebot" heißt es dazu im Extrablatt der Gewerkschaftspostille, das im Bürgerbüro ausliegt. Bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 28. März gelte es "noch eine Schippe draufzulegen. Damit die Arbeitgeber begreifen, dass es uns bitterernst mit unseren Forderungen ist."

(maxl)