Langenfeld: Taxiräuber: "Das hat entspannt"

Langenfeld : Taxiräuber: "Das hat entspannt"

langenfeld/KÖLN So ganz konnte der Angeklagte F. (Name geändert) die Aufregung scheinbar nicht verstehen. Ja, er habe mit seinem Kumpel drei Taxifahrer ausgeraubt. Und ja, die Beute (630 Euro) haben sie immer geteilt. Aber Anstifter? Als solcher wollte sich der 22-Jährige nun doch nicht betiteln lassen. Das seien spontane Ideen gewesen. Und Gewalt habe er sowieso bei keiner der Taten angewandt – darunter eine in Langenfeld.

Den Vorwurf, beim dritten Überfall habe er von der Rückbank aus den Fahrer gewürgt, damit der endlich seine Geldbörse loslasse, wies er empört zurück. "Sie müssen sich das so vorstellen", erklärte er dem Vorsitzenden Richter Karl-Heinz Schumacher – "wenn man an der Schulter eine Verspannung hat und die dann massiert, also einen bestimmten Punkt sehr fest drückt und dann loslässt, dann ist man danach total entspannt. Sowas habe ich auch gemacht. Das hat dem auf keinen Fall weh getan."

Zusammen mit einem Kumpel hatte der Angeklagte im August und September vergangenen Jahres in drei Fällen Taxifahrer überfallen und ihnen das Portemonnaie geklaut. In den ersten beiden Fällen hatten sich die beiden zum Theodor-Heuss-Ring Ecke Käthe-Kollwitz-Straße in Schlebusch fahren lassen, den Fahrern beim Bezahlen die Börse aus der Hand beziehungsweise vom Schoß gerissen und waren in das Hochhaus an der Käthe-Kollwitz-Straße geflüchtet. Dort wohnte ein Freund der beiden.

Welle von Überfällen

Einer der Taxifahrer, der gestern als Zeuge aussagen musste, ging erst gar nicht zur Polizei. "Ich dachte mir, das Geld kann ich eh abschreiben." Als er am nächsten Tag aber erfuhr, dass sich "so eine Art Welle von Überfällen" entwickle, machte er doch eine Aussage. Im dritten Fall, der sich in Langenfeld ereignete, reagierte der Taxifahrer geistesgegenwärtig, hielt sein Portemonnaie fest und den Beifahrer im Schwitzkasten. "Da bin ich in Panik geraten", sagte F. gestern vor dem Kölner Landgericht. "Ich wollte nur noch raus aus dem Auto, hatte den totalen Adrenalinschub. Also habe ich bei dem Fahrer halt diesen Entspannungspunkt gedrückt. Der hat dann losgelassen, mein Kumpel hat sich das Portemonnaie geschnappt."

"Mist bauen, abhängen, kiffen" – so beschrieb der 22-Jährige vor Gericht sein "früheres Leben". Mittlerweile habe er sich geändert. Er habe seinen Haupt- und Realschulabschluss nachgemacht, wolle eine Ausbildung als Krankenpfleger beginnen. Derzeit leiste er ein Freiwilliges Soziales Jahr. Das und auch, dass er ein Geständnis ablegte, kam ihm zugute. Urteil: ein Jahr und neun Monate auf Bewährung.

(RP)
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