Baumberg: Tatort Praxis: Wo sich Kultur vernetzt

Baumberg: Tatort Praxis: Wo sich Kultur vernetzt

Beim kreisweiten Tag der offenen Ateliers waren vier Künstler an der Verresberger Straße in Baumberg zu Gast.

Wer die Ausstellung "Kunst in Praxis", die Anja Hühn in ihrem Atelier "Alte Praxis" organisiert hat, besucht, wird zunächst von Eseln empfangen. "Ich habe erst Teufel gemalt", sagt Hühn lächelnd, "doch die wurden nicht so gemocht. Die beste Alternative waren dann die Esel." Vier Künstler hat sich Anja Hühn im Rahmen der kreisweiten Aktion "Tatorte" eingeladen, so dass sich die Werke der fünf Kulturschaffenden ergänzen, kontrastieren und vernetzen.

Das Thema "Kulturvernetzung" ist ein wichtiges Thema für Anja Hühn, die diesem eine ganze Serie gewidmet hat. "Die Bilder sind im vergangenen Jahr entstanden", erklärt Anna Müller, die während der Vernissage die Arbeiten der Künstler vorstellte. Anja Hühn hat in ihrer expressiven Art die Kulturschaffenden in ihrem Element dargestellt: Musiker, Maler, Bildhauer, Literaten.

Diese werden unmittelbar gespiegelt von den Skulpturen, die der Kölner Bildhauer Bernd Müller geschaffen hat. Auch er hat der Vernetzung damit einen Ausdruck gegeben. "Ich beschäftige mich hauptsächlich mit den Menschen um mich herum", sagt Müller. Seine Skulpturen bedürfen des genauen Hinsehens, regen sie doch zum Nachdenken an, wie das Werk "Drinnen und draußen", bei dem zwei Hände Gitterstäbe umfassen und der Betrachter sich fragt, wo nun drinnen und wo draußen ist.

Die Skulptur "Frauenquote" entstand in einem langen Prozess. Auf aufeinandergestapelten Stühlen versuchen Männer ihre Position zu halten, während Frauen unbequeme Wege nicht scheuen. Alle Figuren haben Eulengesichter. "Das ist der gnadenloseste Raubvogel", erklärt Müller.

Die Malerin Marion Wenige entführt die Betrachter mit ihren Bildern ans Meer. "Ich habe mit Landschaftsmalerei angefangen", erzählt die Kölnerin, "und dann wurde es immer mehr Meer." Dabei kommt es ihr nicht darauf an, bestimmte reale Strandabschnitte darzustellen, sondern Stimmungen, Atmosphären. "Man kann ganz unterschiedliche Gefühle ausdrücken", so Wenge, "das Meer ist mal lieblich, mal stürmisch, dramatisch, romantisch oder trostlos."

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Vom Meer weg und hin zu den Skylines verschiedener Städte führen die Bilder von Steffi Coupette. "Sie arbeitet mit Strukturen und starken Farben", bringt es Anna Müller auf den Punkt. Leuchtend und fast bis zur Unkenntlichkeit abstrahiert, baut Coupette meist ein Gebäude ein, an dem die Stadt sofort erkannt wird, wie der Kölner Dom. "Ich habe lange Zeit in Asien gelebt", erzählt die Künstlerin, "und schon die Skyline von Hongkong hat mich inspiriert." Heute arbeitet sie in Leverkusen und stellt ihre Bilder überall auf der Welt aus.

Ein Künstler mit dem Fotoapparat ist Lars Hokamp. Seine Serie "Das Gesicht" zieht sofort alle Blicke auf sich, zeigt sie doch immer das Gesicht derselben Frau, doch jedes drückt eine völlig andere Emotion aus. "Das ist eine junge Schauspielerin, die ich auf der Bühne gesehen habe und deren Mienenspiel mich fasziniert hat", erzählt der Mindener.

Auch, wenn Lars Hokamp am liebsten Ideen in Szene setzt, macht er sich gelegentlich auf in die Natur, wo er in seinen Landschaftsaufnahmen vor allem dramatische Lichtspiele einfängt. "Das ist für mich fast Meditation", sagt der Fotokünstler.

Info: Bis 29. April, "Alte Praxis", Verresberger Straße 38

(RP)