Monheim: Tageseltern für Kinder mit Handicap

Monheim : Tageseltern für Kinder mit Handicap

Das Monheimer Jugendamt bildet in einem Seminar zwölf Tagesmütter und einen -vater fort, die integrative Plätze für Kinder von vier Monaten bis zu drei Jahren anbieten. Ab Frühjahr können erste Stellen vermittelt werden.

Schneeflocken tanzen vor der großen Fensterfront des hellen Spielzimmers. Im Erdgeschoss des Einfamilienhauses an der Zaunswinkelstraße bauen kleine Mädchen und Jungen aus bunten Holzsteinen hohe Türme; einige Kinder schauen sich ein Bilderbuch an. Mittendrin Anton, ein eineinhalbjähriger Steppke mit Down-Syndrom. Eine Einschränkung, die ihn beim fröhlichen Spiel mit den anderen Tageskindern nicht stört. Und auch Diana Ruppelt findet: "Kinder mit Handicap sollen so normal wie möglich aufwachsen und ihre Stärken genauso entwickeln können wie alle anderen." Zwei von den insgesamt neun Kindern, die die 37-jährige Tagesmutter gemeinsam mit ihrem Mann Torsten (42) im "Mäusenest" betreut, haben eine Behinderung.

Was bisher nur im Einzelfall in Absprache mit dem Jugendamt möglich war, wird in den kommenden Wochen ausgebaut. Denn seit Jahresbeginn gilt die neue Satzung zur Förderung der Kinder in der Tagespflege. Demnach können erstmals Kinder mit Behinderung oder Kinder, die von einer wesentlichen Behinderung bedroht sind, von Tageseltern gefördert werden. Von Tagesmüttern oder -vätern werden vorwiegend Kleinkinder ab dem vierten Lebensmonat bis zum Alter von drei Jahren betreut. "Die Tagespflege ist inzwischen ein vollwertiger Beruf, gleichgestellt mit den Kindertagesstätten", sagt Petra Kamnik, Mitarbeiterin des Jugendamtes. "Deshalb gehört jetzt auch das Angebot der integrativen Tagespflege mit dazu."

Das städtische Jugendamt bildet noch bis Ende März 13 Tagesmütter und -väter fort, die sich auf die Aufnahme von Kindern mit besonderem Förderbedarf vorbereiten. Die Zusatzqualifikation ist für Tagesmütter, die integrative Plätze anbieten wollen, verpflichtend. Das Interesse bei den Anbietern sei groß. Von insgesamt 28 Tagespflegepersonen in Monheim hätten sich rund die Hälfte bereit erklärt, sich fortzubilden. Die eigene Einstellung gegenüber Menschen mit Handicap steht in den Seminaren ebenso im Mittelpunkt, wie das Verhältnis Tagesmutter und Eltern. Fachwissen über mögliche Behinderungen würde jedoch nur angerissen. "Dafür ist das Spektrum einfach zu groß", weiß die Sozialpädagogin. Deshalb erfahren die Tageseltern auch, bei welchen Kooperationspartnern sie sich Hilfe holen können. Seminarteilnehmerin Christiane Freigang arbeitet seit 15 Jahren mit Kindern. Zunächst beim Kinderschutzbund. Seit drei Jahren ist die 47-Jährige selbstständige Tagesmutter. Sie freut sich auf die neue Herausforderung. "Auch Kinder mit Einschränkungen sind für mich ganz normal." Freigang spricht aus eigener Erfahrung. Sie hat eine Tochter, die zu früh auf die Welt gekommen ist, groß gezogen und sammelte beim Kinderschutzbund wertvolle Erkenntnisse im Umgang mit behinderten Menschen.

Ausführliche Gespräche und der Alltag mit einem behinderten Kind müssten zeigen, wer zusammen passt. Außerdem sei kein Seminarteilnehmer verpflichtet, ein Kind mit Handicap aufzunehmen. Obwohl der Kursus noch nicht beendet ist, gebe es im Jugendamt zahlreiche Anfragen von Eltern und auch vom Kreisgesundheitsamt. "Ab Frühjahr sind erste Vermittlungen möglich", sagt Kamnik.

(RP/ac)
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