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Langenfeld: Täterarbeit: Wenn Männer ihre Frauen schlagen

Langenfeld : Täterarbeit: Wenn Männer ihre Frauen schlagen

Die Caritas-Fachberatung gegen häusliche Gewalt bietet mit ihrem Angebot der "Täterarbeit" Männern Hilfestellung an.

Es war wie jeden Tag. Streit lag in der Luft, es ging um Urlaubspläne. Sie wollte hierhin, er dorthin: Es hätte genauso gut um den Job, ums Kind oder um irgendein Allerweltsproblem gehen können. Es dauert lange, bis Heiner L. (Name von der Redaktion geändert) schließlich von dem entscheidenden Moment erzählt, der sein Leben und das seiner Familie von einem Augenblick auf den anderen verändern sollte. "Dann habe ich meinen Kopf gegen den meiner Frau geknallt", erinnert er sich an den Moment, als er plötzlich ausrastete. Als er es nun bei seiner Fraul tat, war nichts mehr gut. "Darüber bin ich froh. Es wäre sonst womöglich immer weiter gegangen", sagt er ein Jahr nach seinem Ausraster. Dazwischen liegen Monate, in denen sich Heiner H. weder seiner Frau noch dem mittlerweile dreijährigen Sohn nähern durfte. In denen er bei seinen Eltern wohnen und sich einem Strafverfahren stellen musste. Seine Frau hatte ihn wegen häuslicher Gewalt angezeigt, es gab etliche Auflagen. Dazu gehörte der Kontakt zur Caritas-Anlaufstelle für Täterarbeit. Und der Besuch der Eheberatung. "Mittlerweile leben wir wieder zusammen. Wenn ich merke, dass ich innerlich unter Strom stehe, gehe ich einfach raus", berichtet Heiner L. von seiner Suche nach anderen Lösungswegen.

Die hat Jürgen K., der ebenfalls die von der Caritas angebotenen Gruppengespräche besucht, bislang noch nicht gefunden. Auch er ist gegenüber seiner Frau gewalttätig geworden. Was folgte, war eine Anzeige und ein monatelanger Rosenkrieg. "Mittlerweile sind wir geschieden", sagt er ohne Bedauern. Schließlich sei es seine Frau gewesen, die ihn damals provoziert und in die Enge getrieben habe: "Sie hat sogar noch im Bett weiter gestritten und wenn ich in einem anderen Zimmer meine Ruhe haben wollte, hat sich mich mit SMS tyrannisiert." Auch die Tatsache, dass er - mit dem gemeinsamen Kind auf dem Arm - gegenüber seiner Frau gewalttätig geworden sei, habe sie aus seiner Sicht selbst verschuldet. "Ich wollte eigentlich gehen und sie hat immer wieder völlig hysterisch an mir herumgezerrt und gezogen", schildert er seine Version der Geschichte. In den Polizeiprotokollen steht freilich etwas anderes und Caritas-Fachberater Andreas Smolka hat dafür eine Erklärung: "Wir erleben es immer wieder, dass die Männer das Geschehene verdrängen und den Sachverhalt völlig anders schildern." Nur so lasse sich erklären, warum Männer in der eigenen Wahrnehmung vom Täter zum Opfer werden könnten. Was dabei verlorengehe, sei die Einsicht in die eigene Verantwortung und damit auch die Möglichkeit, etwas für die Zukunft zu verändern. Mit ihrem Angebot der "Täterarbeit" zur Verhinderung häuslicher Gewalt bewegt sich die Caritas in der öffentlichen Wahrnehmung auf einem schmalen Grad.

Nicht nur den Opfern beizustehen, sondern auch den Tätern notwendige Hilfe anzubieten, ist nach wie vor eine Tabuzone. "Es mag ungewöhnlich klingen, aber Täterarbeit ist auf lange Sicht der beste Opferschutz", meint Caritas-Bereichsleiter Thomas Rasch. "Der Hilfsarbeiter schlägt seine Freundin genauso oft wie der Verwaltungsangestellte oder der Hochschulprofessor", räumt er mit dem Vorurteil auf, häusliche Gewalt sei ein Problem prekärer Lebensverhältnisse.

Information: SKFM-Interventionsstelle, Telefon 02104 1419221 oder Caritas-Fachberatung, Telefon 02058 780215

(RP)