Interview Andrej Hermlin Swingende Weihnachtsshow in der Aula

Monheim · Am Samstag, 2. Dezember, gastiert der Berliner Musiker Andrej Hermlin mit seinen „Swingin‘ Hermlins“ in Monheim in der Aula am Berliner Ring.

 Andrej Hermlin gastiert mit seinen Musikern in Monheim.

Andrej Hermlin gastiert mit seinen Musikern in Monheim.

Foto: RP/Uwe Hauth

Der Berliner Musiker Andrej Hermlin gilt aktuell als einer der gefragtesten authentischen Swing-Musiker Deutschlands, der als Pianist und Bandleader mit seinen „Swingin‘ Hermlins“ sehr erfolgreich ist. Die Band spielt vor allem eigene Arrangements nach originalen Vorbildern der 1930er und 1940er Jahre. Unter dem Motto „Christmas in Swing” bereiten die Musiker in Monheim eine Weihnachts-Show vor. Swing-Fans dürfen sich unter anderem auf X-Mas-Klassiker wie „Santa Claus Is Coming to Town“, „Winter Wonderland“ oder „Let It Snow“ freuen. Und auch bei „Have Yourself A Merry Little Christmas“ wird es den Besuchern warm ums Herz, sagen die Veranstalter.

Herr Hermlin, wenn man Ihre Shows sieht, fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt – gute 80 bis 90 Jahre zurück in die Swing-Ära. Und der Zeitsprung hört nicht bei der Musik auf. Auch das optische Auftreten aller Musiker bis hin zur kleinsten Geste strahlt Nostalgie aus. Warum ist Ihnen das so wichtig, dieses authentische Auftreten?

Hermlin Ich glaube, dass Musik nicht nur gehört, sondern auch gesehen wird. Was wir tun, ist gewissermaßen ein Gesamtkunstwerk. Für mich wäre es nicht vorstellbar, Musik aus den dreißiger Jahren zu spielen und auf die passende Kleidung oder Ausstattung der Band zu verzichten. Andere tun das, wir nicht. Das hat uns ja über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht. Wenn die „Swingin’ Hermlins“ auf der Bühne sind, sehen wir aus und klingen wie eine Band aus den dreißiger Jahren.

Was löst der Swing in Ihnen aus?

Hermlin Glück. Ich habe diese Musik schon immer geliebt, schon als kleines Kind. Sie ist mein Zuhause. In ihr fühle ich mich geborgen. Sie hat magische Kräfte. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Restaurant, und plötzlich hören Sie die Musik von Benny Goodman. Für mich verwandelt sich dann der Raum, er wird einfach schöner, eleganter. Ich kann mir ein Leben ohne diese Musik überhaupt nicht vorstellen.

Die Swing-Ära haben Sie nicht selbst erlebt. Wer oder was hat Sie musikalisch geprägt hat.

Hermlin Ich habe das große Glück, das große Privileg, eine zweite Swing-Ära erleben zu können. Die im Grunde viel länger anhält, als die originale damals, in den dreißiger und frühen vierziger Jahren. Wieder sind es junge Leute, die nach dieser Musik tanzen. Swing ist akzeptiert, Tausende kommen in unsere Konzerte. Als Kind schloss ich zunächst Bekanntschaft mit der Musik von Django Reinhardt und Stéphane Grappelli. Mein Vater hatte sie in Paris gehört, er war als Jude aus Deutschland emigriert. Mein Vater war kein ausgewiesener Jazz-Fan, er liebte vor allen Dingen klassische Musik. Aber ab und zu legte er die wenigen Jazz-Schallplatten, die er besaß, auf, und dann saß ich neben ihm und war selig.

Seit einigen Jahrzehnten erfreuen sich in Deutschland amerikanische Weihnachtssongs der sogenannten Crooners, also von Dean Martin bis Frank Sinatra großer Beliebtheit. Das deutsche Liedgut tritt da immer mehr in den Hintergrund. Was hat „Let it snow“, was „Leise rieselt der Schnee“ nicht hat?

Hermlin Naja, „Let it snow“ swingt mehr. Aber im Ernst: Ich glaube, dass die deutsche und die amerikanische Weihnachtsmusik gewissermaßen koexistieren. Es gibt das Eine wie das Andere. Wir spielen in unserem Programm übrigens auch ein deutsches Weihnachtslied. Das ist natürlich streng geheim.

Auf welche Songs darf man sich beim Konzert besonders freuen?

Hermlin Es geht um die schönsten amerikanischen Weihnachtslieder, die übrigens fast alle in den dreißiger oder vierziger Jahren komponiert worden sind und natürlich schon damals sehr erfolgreich waren. Also Melodien wie „Winter Wonderland“ oder „Santa Claus Is Coming To Town“. Nicht zu vergessen das sicherlich berühmteste amerikanische Weihnachtslied: „White Christmas“. Es gibt in unserem Programm aber auch eine Eigenkomposition. Es ist ein absolutes Meisterwerk, denn ich habe es geschrieben.

Sie haben Ihren Nachwuchs mit dem Swing-Fieber angesteckt, bringen auch Ihre Tochter Rachel und Sohn David mit nach Monheim. Welche Rolle spielen beide?

Hermlin Rachel und David sind nicht von mir infiziert worden, die haben sich selbst infiziert. Beide sind viel talentierter als ihr Vater. Und das meine ich ernst. Sie tragen unsere Band, beide singen. David spielt außerdem Schlagzeug. Inzwischen teilen wir uns die Leitung der Band. Ich hoffe, David lässt mich noch ein paar Jahre mitspielen…

Welches ist Ihr liebstes klassisches Weihnachtslied und auf welche X-Mas-Swing-Nummer würden Sie auf keinen Fall verzichten wollen?

Hermlin Ich hoffe, es ist keine Enttäuschung für Sie, aber die deutschen Weihnachtslieder sind mir nicht so nah. Tatsächlich ist „Leise rieselt der Schnee“ ganz hübsch. Aber das schönste Weihnachtslied von allen ist für mich ein amerikanisches: „Have Yourself A Merry Little Christmas“. Das spielen wir natürlich auch.

Wir freuen uns auf unser Konzert in Monheim. Das Konzert ist beides, romantisch und verrückt. Keep Swinging!

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