Langenfeld: Suche nach dem Einzigartigen

Langenfeld: Suche nach dem Einzigartigen

Der diplomierte Fotodesigner Herbert Stecher wagt mit seinen Abstraktionen den Spagat zwischen der digitalen Welt und der klassischen Malerei. Der Mitinhaber einer Werbeagentur sieht sich von Kandinsky beeinflusst.

Was herauskommt, wenn man Speiseabfälle auf einen Scanner legt, wollte Herbert Stecher 1996 wissen. Die Ergebnisse seiner vielfältigen Arbeiten präsentiert der Digitalkünstler zurzeit in der ärztlichen Gemeinschaftspraxis Fliegner, Koller und Dreser. Zu sehen ist die ganze Schaffensbreite des 48-jährigen Künstlers, der einst mit klassischer Acrylmalerei begann und diese Ausdrucksform bis 1995 pflegte.

Knäckebrot mit Käseresten

Immer auf der Suche nach dem Schaffen einzigartiger Kunst gründete er mit dem Bochumer Jörg Winde die Projektgruppe „Digitalis“. Zur Ablichtung dreidimensionaler Gegenstände setzten sie Scanner ein wie eine Kamera und nannten ihre Werke „Scanografien“. Bekannt wurde die Serie „Trash Scans“. Dinge wie überlagerte Gewürze und Knäckebrotscheiben mit Käseresten bannten die beiden auf die Glasplatte und bearbeiteten sie anschließend am PC mit Programmen wie „Photoshop“.

Heute bezeichnet Stecher „Painter“ als das für ihn wichtigste Arbeitsprogramm. Seine digitalen Kunstwerke beginnen stets mit traditionellen Bleistiftskizzen. „Kopfideen umsetzen“, nennt Stecher das, was daraus wird. Formen fließen in seinen farbenprächtigen Bildern scheinbar willkürlich ineinander. Nach der Fertigstellung am Bildschirm werden die Kunstwerke in die reale Welt reproduziert.

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Pinselstriche auf digitaler Kunst

Ausgedruckt auf klassische Leinwand oder hochwertige Bütten unterscheiden sie sich kaum von handgefertigten Exemplaren. Das liegt auch daran, weil Stecher die Bilder mit Firnis bearbeitet, um die Farbechtheit zu bewahren. So findet der aufmerksame Betrachter tatsächlich Pinselstriche auf der digitalen Kunst. Beeinflusst hat Stecher besonders der russische Expressionist Wassily Kandinsky, der im Jahr 1911 das erste als abstrakt geltende Gemälde geschaffen hat. Stechers Kunst hat sich in den letzten Jahren immer mehr zu den „Abstraktionen“ entwickelt, mit denen er seine zahlreichen Ausstellungen betitelt. Der Künstler hat dabei den Spagat gewagt zwischen der digitalen Welt und der klassischen Malerei. Geholfen hat ihm dabei sein Beruf als diplomierter Fotodesigner. Er ist heute als Mitinhaber einer Langenfelder Werbeagentur zuständig für Bildgestaltung und Layout.

Dr. Fliegner zeigte sich in seiner Eröffnungsrede sehr erfreut, „diese höchst wertvolle Ausstellung in unseren Räumen zeigen zu können“. Es ist bereits die 26. Kunstausstellung in der Praxis. „Wir wollten immer, dass sich unsere Praxis von anderen unterscheidet. Da sind wir auf die Idee mit der Kunst gekommen.“ Doch selten, so Dr. Fliegner, hätten sich die Praxisräume so ideal mit der Kunst verbunden. Das geht sogar soweit, dass Herbert Stechers Bilder an der Wand Bezüge zu den Räumen haben, wie das Werk „Magnetfeld“ das im Ultraschallraum hängt.

Info Die Ausstellung kann bis Ende April an der Solinger Straße 48 während der Praxisöffnungszeiten besichtigt werden. Auf Wunsch sind Führungen mit dem Künstler möglich.

(RP)
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