Monheim: Studie: Monheim hat viele arme Kinder

Monheim : Studie: Monheim hat viele arme Kinder

Überraschende Erkenntnisse zur Situation von Familien offenbart die Elternstudie.

Als "Hauptstadt des Kindes" ist Monheim auf einem guten Weg: 84 Prozent der im Rahmen der Elternstudie vom Frankfurter Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) befragten Bürger attestieren der Stadt, sie sei "familienfreundlich". Erstaunlicherweise bekräftigen das auch 92 Prozent der Alt-Baumberger, die ja oft beklagen, die städtischen Mittel kämen vor allem dem Berliner Viertel zugute. Nach Ansicht der Eltern müsse aber auch an einigen Stellen nachgebessert werden: So mangele es an Angeboten für Jugendliche und gastronomischen Angeboten für Familien mit Kindern, wie einem Biergarten mit Spielplatz, und es fehle an professioneller Unterstützung für Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen und behinderten Kindern.

Als überraschend hoch habe sich ein Ergebnis der Studie der Anteil der Kinder entpuppt, die von Armut bedroht sind, erklärt Annette Berg, Leiterin des Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie. Während der Anteil an Bewohnern, die ALG-II beziehen, in Monheim insgesamt bei 9,8 Prozent liegt, sticht das Berliner Viertel einmal mehr als benachteiligtes Quartier heraus: Demnach leben 43,9 Prozent der 0- bis unter Dreijährigen und 43 Prozent der Drei- bis unter Sechsjährigen in Hartz-IV-Familien. Bei den Sechs- bis unter Zehnjährigen sind es 40,7 Prozent. "Dass es so viele sind, hätten wir nicht gedacht", so Berg.

ISS hatte im vergangenen Jahr vor allem Eltern befragt, deren Kinder sich im Übergang von einem Bildungssystem zum nächsten befinden. "Der Rücklauf war gut, 42 Prozent der Eltern haben geantwortet", Darunter waren auch viele Eltern, die in der Regel als schwer erreichbar gelten.

Eine weitere Überraschung barg der Themenkomplex Bildung und Erziehung: Dort zeigten sich die Eltern vor allem mit Tagesmüttern zufrieden, obwohl es seitens der Stadt oft heißt, die Eltern bevorzugten die Betreuung in einer Einrichtung. "Aber wir haben ja auch viel in die Qualifikation der Tagesmütter investiert", betont Berg. Die Eltern wünschen sich zudem eine bessere Abstimmung zwischen den Kitas und der Ogata hinsichtlich der Schließungszeiten während der Ferien. Vor allem benachteiligte Familien mit Migrationshintergrund haben den Wunsch geäußert, beim Übergang ihrer Kinder zur Schule und bei der Wahl der geeigneten Schulform besser beraten zu werden. Die Monheimer Durchschnittsfamilie wünscht sich mehr Unterstützung bei Problemen wie Mobbing an der Schule und dem Bemühen, den Beruf mit der Familie zu vereinbaren. Eltern im Berliner Viertel brauchen nach eigenem Empfinden mehr Unterstützung bei der Sprachförderung ihrer Kinder, in Gesundheitsfragen, bei der Vermittlung von Lernhilfen und bei finanziellen Problemen.

Alle Eltern beklagen, dass es nicht genügend bezahlbaren Wohnraum vor allem für größere Familien gibt. Besonders unzufrieden mit ihrer Wohnsituation sind die Menschen im Berliner Viertel. Sie bemängeln, dass die Bolz- und Spielplätze schlecht gepflegt und die wenigen Freiflächen (wie der Nord-Süd-Zug) mit Hundekot verdreckt sind. "Für die Spielplätze dort ist die LEG zuständig", winkt Annette Berg ab. Aber die Hundehalter habe man angeschrieben, weil durch die Verschmutzung wertvolle Bewegungsflächen für die Kinder verloren gehen. Zudem werde überlegt, städtischerseits mehr Tütenspender und Mülleimer aufzustellen.

Auch in der Frage, die Mitauslöser für die Umfrage war — nämlich ob das, was die Stadt macht, das ist, was Eltern brauchen — kommt die Stadt gut weg: So sind die Eltern generell mit den städtische Angeboten zufrieden, vor allem mit dem MoKi-Café. Handlungsbedarf besteht aber noch bei den gastronomischen Angeboten für Familien, und bei Sportangeboten für Kinder unter sechs Jahren. Auch würden einige Angebote zu wenig kommuniziert.

(RP)