Langenfeld/Monheim: Streit um Darwin

Langenfeld/Monheim : Streit um Darwin

Auch im "doppelten" Darwin-Jahr 2009, zum 200. des Naturforschers und 150. seiner weltbildstürzenden Schrift, findet die Evolutionstheorie noch Widerspruch. Heimische bibeltreue Christen pochen auf den Schöpfungsakt.

Der Mensch stammt vom Affen ab — das weiß doch jeder! Aber nicht jeder hält dies für richtig. Rüdiger Tiedeck aus Langenfeld zum Beispiel sieht in der Evolutionstheorie "eine Weltanschauung". Der 47-jährige Ingenieur ist Mitglied der Freien Evangelischen Gemeinde und überzeugt davon, "dass Gott die Erde in sieben Tagen erschaffen hat". Er zweifelt daran, dass richtig ist, womit Charles Darwin vor 150 Jahren das christliche Weltbild erschüttert hat: Dass nämlich die Vielfalt des Lebens auf der Welt nicht durch einen göttlichen Schöpfungsakt entstanden sein kann, sondern durch "natürliche Zuchtwahl" in vielen Jahrmillionen: vom primitivsten Organismus bis zum Menschen.

Tiedeck ist sich bewusst, dass er seine Position mit einer kleinen Minderheit teilt: "Obwohl es noch viele offene Fragen gibt, wird die Evolutionstheorie als bewiesen anerkannt". Ähnlich der Seufzer von Rudi Joas von der Christlichen Versammlung Baumberg: Der 61-Jährige nennt Darwins Werk eine "Philosophie", die "in der Öffentlichkeit bedauerlicherweise wie eine naturwissenschaftliche Disziplin dargestellt wird". Die beiden bibeltreuen Christen sehen deutliche Widersprüche zwischen der Abstammungslehre und dem "Buch der Bücher".

Burkhard Hoffmann (59), Pfarrer an St. Gereon in Monheim, widerspricht ihnen: "Die Bibel hat keinen wissenschaftlichen Anspruch. Sie wurde so geschrieben, wie die Menschen damals die Welt verstanden haben." Der Katholik findet darin Zustimmung bei Hans-Werner Völker (62), evangelischer Pfarrer im Berliner Viertel: "Die Abstammungs- und Selektionslehren, die Darwin ausformuliert hat, sind wissenschaftlicher Natur, wohingegen die Bibel eine mythische Erzählung ist." Die biblischen Mythen seien notwendig, um die Welt "fassbarer zu machen".

Während hierzulande die große Mehrheit entweder beide Darstellungen für vereinbar hält oder nichts übrig hat für die biblische, ist vor allem in den USA die Kontroversen, die 1859 durch die Veröffentlichung von Darwins Buch "Über die Entstehung der Arten" ausgelöst wurde, immer noch aktuell und spaltet eine ganze Nation in zwei Lager: das der "Darwinisten" und das der "Kreationisten", also derjenigen, die die Schöpfung so, wie sie in der Bibel beschrieben wird, für bare Münze nehmen. Kreationist Joas glaubt deshalb auch, "dass die Debatte weiterhin heiß bleibt". Zumal sie von den Darwinisten "wie eine Ideologie behandelt" werde. "Die Kontroverse wird ohne Resultat weiter bestehen", stimmt ihm Ingenieur Tiedeck zu und prophezeit: "Leider werden wohl nicht nur sachliche Argumente eingesetzt werden."

Ökumenischer Konsens

Nur: Wer sind hier eigentlich die Ideologen? Nach Ansicht von Pastor Hoffmann wird die weltanschauliche Auseinandersetzung nicht von der Kirche, sondern von den Kreationisten angefacht. In diesem Punkt herrscht ökumenischer Konsens. "Man sollte keine Angst vor der Evolutionstheorie haben und seine Freude am Wunder der Welt bewahren", empfiehlt Pfarrer Völker. Burkhard Hoffmann bringt es so auf den Punkt: "Die Kernaussage der Bibel ist doch: Alles kommt von Gott" — der Himmel und die Erde, der Affe und der Mensch.

(RP)
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