Strauss Innovation will drohende Insolvenz abwenden

Warenhaus mit 100 Filialen : Strauss Innovation will drohende Insolvenz abwenden

Strauss Innovation droht die Insolvenz. Das Warenhaus mit rund 100 Filialen und 1400 Mitarbeitern hat am Donnerstag beim Amtsgericht Düsseldorf Antrag auf ein Schutzschirmverfahren gestellt. Dem wurde am Abend stattgegeben. Nun soll das Unternehmen saniert werden.

Strauss Innovation mit Sitz in Langenfeld hat am Mittag beim Amtsgericht Düsseldorf den Antrag gestellt, dass ein Schutzschirmverfahren eröffnet werden soll. Im Schutzschirmverfahren, das erst seit knapp zwei Jahren in Kraft ist, wird die betroffene Firma vor Vollstreckungen und Zwangsmaßnahmen der Gläubiger geschützt. Das erfuhr unsere Redaktion aus Unternehmenskreisen. Betroffen sind die Strauss Innovation GmbH & Co. KG sowie die Strauss Logistik GmbH und Co. KG. Bereits am Donnerstagmorgen hat es an den Standorten des Unternehmens in Langenfeld und Solingen eine Betriebsversammlung gegeben.

Gericht gibt Antrag statt

Das Gericht hat am späten Nachmittag dem Antrag stattgegeben und einen Sachwalter bestellt: Andreas Ringstmeier von der Sozietät "Dr. Ringstmeier & Kollegen" wird als vorläufiger Sachwalter für das Schutzschirmverfahren bestätigt, teilt das Unternehmen mit. Er wird mit der Unternehmensleitung die Geschäfte bei Strauss weiterführen.

Teilweise erfuhren Mitarbeiter in den Filialen erst von Kunden von den Geschehnissen. Sie waren davon vollkommen überrascht. Nach der Betriebsversammlung in Langenfeld sagt eine 59-jährige Mitarbeiterin aus der Konzernverwaltung: "Das haben wir nicht geahnt. Wir stehen alle unter Schock."

Unter "Schutzschirm" Sanierung vorbereiten

Das Unternehmen kann nun nach der Bestätigung zwei Monate unter dem "Schutzschirm" die Sanierung vorbereiten, indem ein Insolvenzplan ausgearbeitet wird. Die Geschäfte werden in dieser Zeit fortgeführt, die Läden bleiben geöffnet. Nach Ablauf der Frist muss das Gericht über eine Insolvenz entscheiden.

Das Verfahren biete Strauss Innovation die Chance, mehr Gestaltungsspielräume für die Fortführung des Unternehmens zu schaffen, teilte das Unternehmen mit. Damit könne Strauss Innovation wieder auf eine gesunde Basis gestellt werden. "Die Filialen bleiben geöffnet, die Kunden können weiter aus einem großen Sortiment wählen, auch Garantien und Gewährleistungen gelten weiter", erklärte der Sprecher des Unternehmens im Gespräch mit unserer Redaktion.

Textilabsatz litt unter dem Wetter

Ein Grund für die aktuelle Schieflage des Unternehmens: In letzter Zeit sei das Textilgeschäft eingebrochen, nicht zuletzt wegen der schwiergen Wetterlage, "und diese Umsatzeinbrüche hat die gesamte Branche zu spüren bekommen", sagte der Unternehmenssprecher. So habe es einem extrem kurzen, aber heißen Sommer und einen nicht sehr kalten Winter gegeben. Auch Freizeitartikel und Gartenmöbel seien deshalb nur schwer zu verkaufen gewesen.

Darauf hat Strauss mehrfach mit deutlichen Rabattaktionen reagiert und musst so das Geschäft von Saison zu Saison stützen. dadurch gerieten die Preise zusätzlich unter Druck und führten zu einem signifikanten Verlust im vergangenen Geschäftsjahr, so das Unternehmen.

Geschäftsführerin Paula Minowa zeigte sich überzeugt, dass sich Strauss Innovation aus der "Schieflage" befreien könne. Dazu habe die Warenhauskette bereits im vergangenen Jahr eine "Reihe von Maßnahmen getroffen", sagte der Sprecher. So gebe es Verbesserungen bei der Lieferkette und der Warenbefüllung in den Filialen. Außerdem sei ein neues Ladenkonzept zunächst in Berlin, Leipzig und Bergisch Gladbach eingeführt worden, das auf eine "deutlichere Gliederung" der Ladenlokale nach Themenbereichen wie Kleidung, Gartenmöbel und Hausrat abziele.

Zu einem möglichen Personalabbau wollte sich der Sprecher nicht äußern. Das sei zu diesem Zeitpunkt "reine Spekulation"

Stellenabbau und neuer Investor

Das Unternehmen überstand bereits eine schwere Krise kurz nach dem Jahrtausendwechsel. Nach einem Wechsel in der Geschäftsführung schrieb das Unternehmen rote Zahlen, so dass es schließlich umstrukturiert werden musste. Damals wurden 430 Stellen abgebaut. 2008 stieg der schwedische Finanzinvesttor EQT mit frischem Kapital ein und holte das Unternehmen so aus dem schwierigen Fahrwasser.

Strauss wurde 1902 als Geschäft für Kurz-, Weiß- und Wollwaren in Düsseldorf in der Altstadt gegründet. Derzeit gibt es 96 Filialen in 59 Städten in ganz Deutschland. Bei Strauss arbeiten 1400 Mitarbeiter in den Geschäften, der Zentrale und in der Logistik.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Strauss Innovation

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