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Monheim: "Stolz auf die Integration"

Monheim : "Stolz auf die Integration"

Gut ein Jahr werden an der Peter-Ustinov-Gesamtschule Kinder mit und ohne Handicap gemeinsam unterrichtet. Ein wichtiger Schritt, der bald in Richtung Inklusion gehen wird, ist Schulleiterin Regina Lingel-Moses überzeugt.

Jörg Sinell hat viel Zeit in Gespräche mit Lehrern, Schulleitern und Verwaltungsmitarbeitern investiert. Der Einsatz hat sich gelohnt: Bereits im zweiten Jahr besucht sein elfjähriger Sohn eine integrative Klasse an der Peter-Ustinov-Gesamtschule. Die Begeisterung des Blondschopfes zeigt dem Vater, er ist dort am richtigen Platz. "Ich merke, wie er vorankommt", freut sich Sinell. Die Lehrer gestalteten ihren Unterricht mit viel Herz und geben sich große Mühe. "Das ist für meinen Sohn und die anderen integrativen Kinder eine gute Basis. Sie fühlen sich aufgehoben." Mehr noch als für Schüler ohne Behinderung sei für sie ein Gefühl des angenommen Seins eine wichtige Voraussetzung, um erfolgreich zu lernen. Dass die Peter-Ustinov-Gesamtschule zum Schuljahr 2010/11 ihre erste integrative Klasse einrichtete, haben die Kinder ihren engagierten Eltern zu verdanken, sagt Schulleiterin Regina Lingel-Moses. Aber auch Schulkonferenz und Stadtrat hätten diesen Weg mit beschritten und das Anliegen unterstützt. "Wir sind die einzige weiterführende Schule in Monheim, die sich bisher der Aufgabe gestellt hat", erklärt sie.

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Besuch einer Regelschule

Besser sieht es im Primarbereich aus. Unterrichtet die Armin-Maiwald-Grundschule (früher Alexander-von-Humboldt-Schule) in Baumberg bereits seit zwölf Jahren Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam, gab es bis vor rund einem Jahr beispielsweise für Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen keine Möglichkeit, in Monheim eine weiterführende Regelschule zu besuchen. Das Schulamt wies sie in den meisten Fällen einer Förderschule zu. In der Klasse 6 F, die Jörg Sinells Sprössling besucht, ist das inzwischen anders. Dort büffeln insgesamt 24 Mädchen und Jungen; fünf von ihnen haben eine Lernschwäche.

Um allen Kindern gerecht zu werden, ist ein intensiver Austausch zwischen Fachlehrern, Sonderpädagogen und Klassenlehrern notwendig. Ein enormer Kommunikationsaufwand, der aber im Ergebnis als "Bereicherung für unsere Schule" empfunden wird, lobt die Leiterin: "Wir sind stolz auf die Integration". Die Kollegen seien "offen und mutig", bewertet Petra Gahmann (Abteilungsleitung der fünften und sechsten Klassen) diesen Einsatz.

Die Klassenlehrer Andrea Klink und Georg Finkeldei unterrichten gemeinsam mit Förderschullehrerin Simone Neuenfeldt in der 6 F: "Es funktioniert gut, mit mehreren Lehrern in einer Klasse zu sein." In einem der Klasse angegliederten Raum gibt es die Möglichkeit, schwächere Schüler bei Bedarf aus der Gruppe herauszuziehen und sich dem Thema in einem anderen Tempo zu widmen. Besprechen wir die Fabel "Fuchs und Ziegenbock", sagt Finkeldei, lesen wir die Geschichte erst gemeinsam und fragen dann nach dem Aufbau und überlegen, welche Lehre man daraus ziehen kann. "Einige Kinder brauchen aber mehr Zeit für die Geschichte. Wir lesen mit ihnen mehrere Fabeln und suchen nach gemeinsamen Merkmalen", erklärt Simone Neuenfeldt wie zieldifferenter Unterricht aussehen kann. Für die Schüler selber spiele die Integration zunächst gar keine Rolle, erlebt Silke Kuxdorf, Förderschullehrerin der 5 F. "Wir sind nach den ersten Wochen des neuen Schuljahres noch in der Findungsphase. Die wissen noch gar nicht, welche von ihnen Förderkinder sind." Auch wolle man den Gesamtschülern vermitteln, Fähigkeiten oder Aussehen sagten nichts über die Qualität eines Menschen aus. "Wir sind eine Schule für alle", ergänzt Petra Gahmann. Deutschland tue sich da noch schwer. Andere Länder wie Skandinavien oder die vereinigten Staaten seien weiter. Aber auch in einer integrativen Lerngruppe werde separiert. Die für Monheim geplante Sekundarschule sei deshalb "für uns eine Chance"; eine Entwicklung zur Inklusion absehbar, ist Schulleiterin Regina Lingel-Moses überzeugt.

(RP)