Monheim: Stimmungsvolle Kirchennacht

Monheim : Stimmungsvolle Kirchennacht

"Wir sind offen für alle", lautete die Kernbotschaft bei der Nacht der offenen Kirchen. In Gotteshäusern beider Konfessionen lauschten Kinder der Geschichte von Jona, gab es Gesprächskonzerte, Taizé-Gesang und Theater.

Es ist dunkel in St. Paulus in Berghausen. Nur einzelne, im Kirchenraum verteilte Kerzen flackern. Aus den Lautsprechern erklingt die Stimme von Manuela Vollmer. Sie erzählt die alttestamentarische Geschichte von Jona und dem Wal. Etwa 20 Kinder lauschen gespannt.

Anschließend spielen sie kleine Szenen nach — und haben beim gemeinsamen Singen sichtlich Spaß. Zur "Nacht der offenen Kirchen" boten jetzt zahlreiche christliche Gotteshäuser in Langenfeld, Monheim und Umgebung ein Programm aus Kunst, Kultur und Spiritualität.

Neue Wege zur Besinnung öffnen

"Wir wollen mit den Aktionen Kirche und Glaube ohne feste Liturgie erfahrbar machen", erklärt Wilfried Kehr, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats der Gemeinde St. Josef und Martin in Langenfeld. "Dabei geht es auch darum, neue Wege zur Besinnung zu öffnen und die Vielfalt des Lebens zu zeigen. Die Kernbotschaft ist: Wir sind offen für alle." Das Angebot richte sich daher auch an Menschen, die sonst kaum einen Gottesdienst besuchen.

Anlass für die Aktionen in fünf Städten ist das 50-jährige Bestehen des evangelischen Kirchenkreises Leverkusen. Die katholischen Kirchen feiern mit. Der Austausch zwischen den Konfessionen läuft gut. Wechselseitige Besuche sind daher die Regel — wie etwa bei der "Brücke der Ökumene" zwischen St. Martin und der benachbarten Lukaskirche in Richrath. Der mit Kerzen ausgeleuchtete Weg wird von knapp 30 Besuchern singend überquert. Zuvor haben sie sich mit Taizé-Liedern in Stimmung gebracht.

Die Musik des internationalen ökumenischen Jugendtreffens spielt auch in der Erlöserkirche eine wichtige Rolle. Zudem haben Pfarrer Andreas Pasquay und Kantorin Esther Kim argentinische Tango-Klänge und Lesungen aus dem alttestamentarischen Hohelied Salomos vorbereitet. Die Kollegen aus der Johanneskirche warten mit einem "Gesprächskonzert" auf: Kantor Sven Schneider gibt Erläuterungen zur Orgelmusik.

Am späten Abend folgt in vielen Kirchen eine Andacht. "Es werden alle Sinne angesprochen", unterstreicht Pfarrer Gerhard Trimborn. "Kirche steht eben nicht nur für Einkehr und Besinnung, sondern auch für Leben, Gemeinschaft und Freude. Das soll auch sichtbar werden."

Etwas für Augen und Ohren gibt es auch in der Jurte vom Pfadfinderstamm St. Martin. Im Innenraum flimmert das Rock-Musical "Jesus Christ Superstar" über die Leinwand, das Bibel und moderne Musik miteinander verknüpft. Knapp 20 Zuschauer sind gekommen. "Die meisten sind aus unserer Gruppe oder dem Freundeskreis", sagt die Vorsitzende, Sabine Domdei: "Das ist schon etwas enttäuschend".

In St. Josef hingegen ist der Andrang groß. Vor allem zum Evensong ist es voll in dem stimmungsvoll illuminierten Gotteshaus. Auch im Anschluss kommen immer wieder Besucher rein. "Eine tolle Atmosphäre", freut sich Thomas Chalupka, der nach eigenem Bekunden sonst "eher selten" in die Kirche geht. "Ich war zufällig hier und bin einfach mal reingegangen, als ich die bunten Lichter gesehen habe."

(dora)
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