Langenfeld: Stiftung eröffnet neue Fördergruppe

Langenfeld : Stiftung eröffnet neue Fördergruppe

An der Talstraße 177a eröffnete die Graf-Recke-Stiftung eine neue Heilpädagogische Tagesgruppe für Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren mit erhöhtem Förder- und Betreuungsbedarf.

Leon* ist nicht so schnell wie andere Kinder. Er hat Probleme in der Schule, die anderen Kinder nehmen nicht so viel Rücksicht auf ihn. Seine Eltern arbeiten beide und können sich nicht die ganze außerschulische Zeit um den Zweitklässler kümmern. Deswegen besucht Leon die neue Heilpädagogische Tagesgruppe (HTG) der Graf-Recke-Stiftung. Dort trifft er andere Kinder, die ebenfalls erhöhten Förder- und Betreuungsbedarf haben. Dort hat er Freunde. Abends geht er zu seinen Eltern nach Hause. "Teilstationär" wird dieses Hilfsangebot genannt.

Gestern wurde die neue HTG an der Talstraße 177a feierlich eröffnet. Es ist bereits die zweite dieser Art in Langenfeld. An der Hitdorfer Straße gibt es bereits eine HTG mit neun Plätzen für Kinder. In der neuen Gruppe haben Leon und fünf weitere Mädchen und Jungen Platz. Sie werden von einem Pädagogenteam um Sascha Nowak begleitet. Er führte gestern durch das Gebäude, das von außen wie ein ganz normales Einfamilienhaus aussieht.

Im Erdgeschoss befinden sich Küche und Essraum. Von hieraus können die Kinder in den gepflegten Garten und auf die Terrasse gehen. Im zweiten Stock sind Lernzimmer mit jeweils drei kleinen Schreibtischen. "Dort erledigen sie ihre Hausaufgaben", erklärt Nowak. Oben ist ein Spielebereich. Auch im Keller tut sich was. Dort wird aus einem ehemaligen großen Schlafzimmer (!) ein Tobe- und Mehrzweckraum.

Die Nachbarn, Familie Dittmann, sind auch die Vermieter. Als das Ehepaar hörte, dass die Graf-Recke-Stiftung an einer Anmietung interessiert war, zögerten die Dittmanns keine Sekunde. Sie haben selbst eine behinderte Tochter und wissen, wie wichtig eine gute Förderung ist. Die Nachbarschaft ist ganz wichtig, sagt Ulrich Lilie, Vorstand der Stiftung und Präsident der Diakonie Deutschland, der gestern einer der Gäste war. "Wir haben hier eine Supervoraussetzung", lobte er und erwähnte auch die seit 17 Jahren gute Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung und HTG Hitdorfer Straße. "Diese Mischform deckt den Bedarf in der Jugendhilfe ab, wo ambulante Hilfen nicht ausreichen, aber ein stationärer Verbleib nicht angezeigt ist", so Lilie.

Das Team der HTG ist relativ neu zusammengesetzt, da gleich drei Pädagoginnen schwanger sind. Die Kinder kommen nach der Schule und essen zunächst mit den anderen. "Wir kochen selbst und frisch", ergänzt Sascha Nowak. Nach dem Essen werden Schulaufgaben gemacht. Die Pädagogen helfen bei Bedarf. Nach den Hausaufgaben geht es in Kleingruppen mit kreativen, musischen oder motorischen Inhalten weiter. "Das Kind wird in seiner körperlichen, seelischen und geistigen Entwicklung ganzheitlich gefördert", erklärt Sascha Nowak. Dazu gehören ein strukturierter Tagesablauf, klare Regeln und Verbindlichkeiten, die Orientierung und Sicherheit geben.

Zum Angebot gehört auch die Arbeit mit den Eltern. Sie werden dabei unterstützt, das problematische Verhalten ihres Kindes zu verstehen und eigene Fähigkeiten zu nutzen, um ihr Kind in seiner Entwicklung zu unterstützen. Um die gemeinsame Arbeit so effektiv wie möglich zu gestalten, suchen die Initiatoren die enge Kooperation mit Jugendamt, Schulen, anderen Jugendhilfeträgern, Ärzten, Therapeuten und Vereinen.

Die Kinder, die seit April nachmittags die HTG in der Talstraße besuchen, gehen in die erste bis dritte Klasse. Normalerweise bleibt ein Kind zwei bis zweieinhalb Jahre in einer solchen Gruppe. Es gibt bereits eine kleine Warteliste für die HTG. Für Leon hat es sich bereits gelohnt. Er hat in den Kleingruppen erfahren, wozu er selbst imstande ist und geht nun abends voller Selbstvertrauen zu seinen Eltern nach Hause.

* Name geändert

(RP)