Langenfeld: Steuerberaterin mit Faible für Farben stellt im "Kunze" aus

Langenfeld : Steuerberaterin mit Faible für Farben stellt im "Kunze" aus

Man kann sich den Sommer auch schönmalen. Oder mit leuchtenden Farben an den Frühling erinnern. Vielleicht ist die luftig arrangierte Acrylmalerei aber auch gar keine abstrakte Frühblüherwiese, sondern ein modernes, heiteres Kirchenfenster?

Die Antwort liegt ganz im Auge des Betrachters. Der Titel "Leichtigkeit" trifft jedenfalls die fröhliche Grundstimmung. Das Bild stammt von Heike Streckfuß. 36 ihrer Werke aus den Jahren 2013 und 2014 sind jetzt im Kundenzentrum der Stadtwerke Langenfeld zu sehen. Die neue Folge von "Kunst im Kunze" erlebte mit rund 90 Gästen eine sehr gut besuchte Vernissage.

Zunächst einmal macht der Titel der Ausstellung misstrauisch. "VIELFALT: gemalt, gespachtelt, fotografiert, geklebt, gemischt und gedruckt" könnte übersetzt werden mit "von jedem ein bisschen - Beliebigkeit ohne klare Linie". Damit würde man Streckfuß aufs Gröbste Unrecht antun. Ihre Stilvielfalt lädt vielmehr ein zu einer spannenden Entdeckungstour kreuz und quer durchs quadratische, zweckoptimierte Kunze.

Gleich neben dem Eingang steht auf einer Staffelei "Geordnetes Chaos", ein Aquarell. Jene Maltechnik also, mit der die heute 71-jährige Steuerberaterin im Jahr 2003 den Zugang zu einem völlig neuen Lebensbereich fand. "Ich hatte damals so eine kleine Sinnkrise", sagt sie rückblickend. Immer nur Zahlen, immer nur strikte Steuerregeln und die Finanzämter - das muss es doch noch mehr geben. Streckfuß suchte einen Ausgleich, etwas für die Seele: "Weil ich nicht kochen und nicht stricken wollte, habe ich mich bei einem Aquarellkurs bei der Volkshochschule angemeldet."

Ihr erster Dozent, Alfons Gummersbach, stellte die Künstlerin in einem kurzweiligen Interview während der Vernissage vor. Er hatte damals rasch erkannt, dass Streckfuß mit Leidenschaft bei der Sache war. Sie wollte mehr. So ist das Aquarell "Geordnetes Chaos" beispielsweise in Lasurtechnik auf 600 Gramm schwerem Kunstpapier entstanden. Die strenge Rechteck-Geometrie besteht aus 60 bis 70 Schichten Farbe, die übereinander aufgetragen wurden. "Ich habe damit 2013 begonnen. Zwischendrin wusste ich mal nicht weiter, aber dann ist es dennoch gelungen, das Bild zu vollenden."

Das geht der Künstlerin nicht immer so. Unter dem Titel "Selbstbildnis" gibt es an der vom Kunze-Eingang aus linken Wandseite einen Zyklus, der den hohen Qualitätsanspruch der Spätberufenen an sich selber belegt. "Am Anfang war ein Bild, mit dem ich ganz und gar nicht einverstanden war." Scheußlich sei es gewesen. Also steckte Streckfuß die misslungene Arbeit in eine Tonne, zündete das Werk an und dokumentierte die Zerstörung in einer Fotoserie. Züngeln zu Beginn einfach bloß die Flammen empor, wirken die späteren Bilder wie Aufnahmen eines wild zerklüfteten Meteoriten aus Eis und Stahl vor einem tiefschwarzen Universum.

"Man muss den Mut haben, etwas neues zu wagen", sagt Helga Streckfuß. "Man muss rauslassen, was in einem steckt." Ihr ist das gelungen. Und sie hat auch noch Spaß dabei. Die Ausstellung ist bis zum 20. Oktober im Kundenzentrum der Stadtwerke, Solinger Straße 41, zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch 8 bis 17 Uhr, Donnerstag 8 bis 18 Uhr, Freitag 8 bis 14 Uhr.

DIRK NEUBAUER

(dn)
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