Langenfeld: Steinbrück redet vor 100 Frauen und 10 Männern

Langenfeld : Steinbrück redet vor 100 Frauen und 10 Männern

Im Gespräch mit Christel Steylaers von den kommunalen Frauenbüros NRW sagte der SPD-Kandidat: "Wir haben keine Gleichberechtigung."

Heiß war es im Gewerbepark Süd: 35 Grad ohne Klimaanlage sind eine Hausnummer. Weniger heiß verlief die Diskussion zwischen dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück und der Sprecherin der kommunalen Frauenbüros NRW, Christel Steylaers – einfach deswegen, weil die beiden oft einer Meinung waren. Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern ist nicht erreicht. "Wir haben faktisch keine Gleichberechtigung", sagte der Kandidat dazu. "Ich musste abtrocknen, meine Brüder nicht", waren die Worte Steylaers, die auch Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Remscheid ist, zum selben Thema. Einigkeit auch beim flächendeckenden Mindestlohn und der Frauenquote für (Dax-)Unternehmen. "Vor zehn Jahren habe ich die Quote noch abgelehnt", sagte Steinbrück, "weil ich dachte, dass die Unternehmen selbst ein Interesse an diesen gut qualifizierten Frauen haben müssen. Dem ist nicht so. Ich habe meine Meinung geändert."

Um diese und andere seiner Meinungen zu vertreten, war der ehemalige NRW-Ministerpräsident und Bundesminister zuvor durch seinen Wahlkreis getourt. In Mettmann war er auf Hausbesuchen, in Langenfeld traf er Landwirt Gisbert Münster und in Monheim schaute er sich die Einrichtung MoKi an. Zum Abschluss des Tages also Hilden, wo sein Wahlkreisbüro ist und wohin ihn die Business-Frauen Hilden eingeladen hatten. "Wir wollten uns unseren eigenen Kanzlerkandidaten persönlich anschauen", sagte Sigrid Averesch, zweite Vorsitzende der Business-Frauen und Moderatorin des Abends. Sie interessierte es, ob die SPD das Ehegattensplitting immer noch abschaffen will. Antwort: Ja, nicht mehr zeitgemäß. Ob die SPD für gleiche Bezahlung von Mann und Frau eintritt. Ja, das "Entgeltgleichheitsgesetz" soll es regeln, indem es die Wirtschaft zwingt, die Gehaltshöhen in den Unternehmen öffentlich zu machen. Ob die erweiterte Mütterrente kommen soll. Gerne, aber für das benötigte zusätzliche Geld gebe es keine Gegenfinanzierung: "Ich verspreche nichts, was ich nicht halten kann." Die Rente nach 45 Versicherungsjahren stehe hingegen im Wahlprogramm ebenso wie deren Mindesthöhe: 850 Euro aus Steuermitteln. "Ja, unter anderem deswegen wollen wir die Steuern erhöhen. 95 Prozent der Bürger sind davon überhaupt nicht betroffen."

Den schiefen Arbeitsmarkt brachte wiederum Steylaers ins Spiel: Frauen sind fürs Soziale da, Männer fürs Höherdotierte. Frauen machen Teilzeit, Männer nicht. Das fand Steinbrück zwar schade und veränderungswürdig: "Wir müssen Männer zu den sozial wichtigen Berufen hinführen. Und diese Arbeit für alle besser entlohnen", waren seine Vorschläge. Frauen im Publikum fanden es bedauerlich, dass er an dieser Stelle nicht etwa eine Männerquote für Kitas und Grundschulen forderte. Bei dem Einstieg in die Selbstständigkeit will Steinbrück zwischen Frauen und Männern keine Unterschiede machen, sondern sie gleichermaßen unterstützen.

Viel Kopfnicken, Zustimmung und Respekt für den Kandidaten vom Publikum. Heiße Beifallsstürme blieben aus.

(RP)
Mehr von RP ONLINE