Rp-Serie (2) Mein Büdchen: "Starker Kaffee ist das Lebenselixier"

Rp-Serie (2) Mein Büdchen : "Starker Kaffee ist das Lebenselixier"

Edith Neuhaus vom S-Bahn-Kiosk in Langenfeld bietet neben den morgendlichen Starthelfern auch Pünktlichkeit und Treue für ihre meist eiligen Kunden.

Es ist 7 Uhr morgens. Ich quetsche mich an der wartenden Schlange vorbei und stelle mich an der Theke vor. "Einen Moment müssen Sie sich noch gedulden. Wollen Sie einen Kaffee?", fragt Edith Neuhaus, Betreiberin des Kiosks an der S-Bahnstation Langenfeld Rheinland. Dankbar nehme ich den dampfenden Becher entgegen. Der erste Schluck fühlt sich an wie inneres Feuerwerk. Einem wartenden Kunden scheint das aufzufallen. "Stark, nicht war?" sagt er. "Genau so muss er sein." Neuhaus ergänzt lachend: "Kaffee ist hier Lebenselixir!"

Seit 2002 betreibt Edith Neuhaus schon den "S-Bahn-Kiosk". Sieben Jahre führte sie den Laden gemeinsam mit ihrem Mann. Als dieser früh verstarb, machte sie weiter, seit drei Jahren alleine. "Nun ja, ganz alleine ist das nicht möglich", sagt Neuhaus. "Morgens brauche ich eine Aushilfe zum Kaffee kochen und Brötchen schmieren."

Da manchmal bis zu 15 Kunden gleichzeitig im Laden sind, ist Schnelligkeit gefragt. Die meisten Kunden halten sich maximal eine Minute im Laden auf, da die S-Bahn im zehn-Minuten-Takt fährt. Vorteil: Wenn der Ticketautomat mal streikt, gibt es auch im Büdchen Fahrkarten.

Edith Neuhaus ist jeden Morgen um 3.45 Uhr im Laden. Um 4.20 Uhr stehen bereits die ersten Kunden an der Theke, um hauptsächlich Kaffee, Zigaretten und Zeitungen zu kaufen. "Viertel vor vier ist schon sehr früh, aber man gewöhnt sich dran", sagt Neuhaus. "Außerdem lebe ich ja von den Kunden. Die Leute kommen das ganze Jahr über zu mir, da fühle ich mich auch dazu verpflichtet jeden Tag für sie da zu sein", fügt sie hinzu.

Das Stammpublikum ist groß. "Bist Du jetzt wieder im Nachtdienst?", fragt Neuhaus einen Kunden. Dieser bejaht und erklärt seinen Dienstplan für die nächsten Tage. "Dann sehen wir uns morgen früh", ruft Neuhaus ihm zum Abschied zu. Eine hereinkommende Taxifahrerin begrüßt die Inhaberin wie eine alte Freundin. Man merkt, dass viele Kunden den Besuch am S-Bahn-Kiosk in ihren Tagesrhythmus eingebaut haben.

"Früher war ich Friseurin", erzählt die gebürtige Monheimerin, die nun schon seit über 20 Jahren in Langenfeld wohnt. "Doch nach dem Tod meines Mannes machte ich mit dem Kiosk weiter. Wer nimmt mich denn mit meinen 57 Jahren noch? Hier im Kiosk weiß ich, was auf mich zukommt, und das klappt auch", fügt Neuhaus hinzu. "Vermissen Sie Monheim nicht manchmal?", fragt ein hereinkommender Busfahrer. "Nein, meine Mutter wohnt noch dort, deshalb fahre ich sowieso oft hin."

"Der Standort eines Kiosks ist unheimlich wichtig", erklärt Neuhaus. "Viele Kollegen in Wohngegenden sind durch lang geöffnete Supermärkte aufgeschmissen. Manche nennen meinen Kiosk aufgrund der Lage eine Goldgrube, doch das stimmt nicht. Ich verdiene so viel Geld wie jeder durchschnittliche Mensch auch und kann es mir nicht leisten, zu Hause zu bleiben."

"Sie öffnen jeden Tag so früh den Laden. Verschlafen Sie auch manchmal?" frage ich. "Ich verschlafe fast nie, aber wenn es denn doch einmal vorkommt, bin ich spätestens um 4.30 Uhr im Laden."

Der S-Bahn-Kiosk ist in der Woche von 4.30 bis 17 Uhr geöffnet, samstags von 5.30 bis 14 Uhr. Auch wenn Edith Neuhaus sonntags nicht im Laden steht, hat sie trotzdem kaum Freizeit. "Wenn man täglich über zwölf Stunden arbeitet, bleibt wenig Zeit für einen selbst. Kinder habe ich keine, aber zu Hause bleibt da schon mal das eine oder andere liegen", erzählt sie. "Wenn ich dann mal Urlaub mache, dann richtig. Man muss Abstand gewinnen. Der Laden ist dann für vier Wochen geschlossen, und ich bin entweder in meinem Garten oder an der Nordsee."

(RP)
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