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Monheim: Starke Frauen prägen das Stadtbild

Monheim : Starke Frauen prägen das Stadtbild

Seit 15 Jahren gibt es das Monheimer Frauenforum. Zum Festakt kamen gestern auch Vertreterinnen der regionalen Geschichtsvereine.

Katharina Rüttgers war von 1954 bis 1961 die erste Präsidentin bei den Damensitzungen der Gromoka. Als "Rüttgers Triene" feierte sie bereits 1929 als Büttenrednerin mit ihrem Sketch "Die Unschuld vom Lande" große Erfolge. Ende der 1940er Jahre wurde sie sogar nach Köln eingeladen, um dort im von den Männern dominierten Karneval für Stimmung zu sorgen. Überall und zu allen Zeiten hat es Frauen gegeben, die ihren eigenen Weg gingen – allen Vorurteilen zum Trotz. In Monheim haben sich Vertreterinnen des Frauenforums auf ihre Spuren begeben und in einem Rundgang vier unterschiedliche und bemerkenswerte Charaktere vorgestellt.

Anlass für die Führung und ein festliches Treffen im Schelmenturm war gestern das 15-jährige Bestehen des Frauenforums. Sprecherin Jutta Lincke und Gleichstellungsbeauftragte Gisela Herforth stellten außerdem die bisherigen Arbeiten und ihre neuen Projekte vor. Als Gäste waren rund 20 Vertreterinnen verschiedener regionaler Frauengeschichtsvereine und der Langenfelder Agenda gekommen, die die Vorträge von Jutta Lincke zu den Monheimer Frauen teilweise mit eigenen Recherchen ergänzten.

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Neben d'r "Doll Eck" als Station für Katharina Rüttgers war das Wohnhaus der jüdischen Geschäftsfrau Helene Wagner, geborene Herz, an der Frohnstraße 26 ein Haltepunkt während des Rundgangs. Bis 1934 führte sie ein Manufakturgeschäft mit Waren für den täglichen Bedarf – wie beispielsweise Geschirr – in der Mietwohnung. Dann hielt die Gestapo ihre Kunden davon ab, das Geschäft der Inhaberin jüdischen Glaubens zu betreten. Auch der Hausverwalter versuchte, das Ehepaar aus der Villa zu treiben und den "arischen" Gatten zur Scheidung zu bewegen. 1943 wurde Helene Wagner in Schutzhaft genommen und nach Düsseldorf, später nach Berlin gebracht. 1945 – kurz nach Kriegsende – kam sie nach Monheim zurück und engagierte sich später im Flüchtlingsausschuss und setzte sich für den jüdischen Friedhof ein, auf dem sie auch beerdigt ist.

Jutta Lincke leitete von der Geschäftsfrau über zu der Lyrikerin und Schriftstellerin Ulla Hahn, die 1946 geboren, ihre Kindheit in Monheim an der Neustraße verbracht hatte und weit über Monheim hinaus bekannt ist. Ihre Romane "Ein Mann im Haus" und "Das verborgene Wort" tragen autobiografische Züge und beschreiben das Leben im kleinbürgerlichen katholischen Milieu. 2002 erhielt sie den Deutschen Bücherpreis für "Das verborgene Wort"; sie bekam 1990 das Bundesverdienstkreuz am Bande, weil sie sich für verfolgte Schriftsteller eingesetzt hatte. Ihr ehemaliges Elternhaus wurde inzwischen zu einem modernen Sprachförderzentrum umgebaut.

Sie fuhr mit dem Fahrrad zu ihren Hausbesuchen: Alice Seeger, geborene Pötz, war die erste Ärztin mit eigener Praxis in Monheim. Die Fabrikantentochter wurde 1908 geboren. Sie kehrte nach Studium und Hochzeit 1949 als geschiedene Frau mit ihren beiden Töchtern nach Monheim zurück. An der Poststraße 1 eröffnete sie ihre Praxis, eine Hilfe kümmerte sich um den Haushalt, so dass sie noch Zeit hatte, im Vorstand des Familienunternehmens aktiv mitzuwirken. Erst 1978, mit 70 Jahren, verabschiedete sie sich in den Ruhrstand. Kurz nach ihrem 100. Geburtstag starb sie am 10. Dezember 2008.

(RP)