Hella-Sabrina Lange: Stammbaumforschung ist wieder populär

Hella-Sabrina Lange : Stammbaumforschung ist wieder populär

Wo komme ich her? Wer waren meine Vorfahren? Für solche Fragen interessieren sich immer mehr Menschen. Sie fahnden in Kirchenbüchern, bei Standesämtern, auf Friedhöfen oder im Internet.

Langenfeld Die Genealogie, so wie die Familienforschung mit wissenschaftlichem Namen heißt, boomt. Erfahren, woher man kommt, ist für viele für ihre Identitätsfindung wichtig. Hella-Sabrina Lange (37), Leiterin des Langenfelder Stadtmuseums und Stadtarchivs, moderiert gemeinsam mit Archivar Marco Klatt den regelmäßig stattfindenden "Arbeitskreis Ahnenforschung".

Die meisten Menschen wissen gerade noch, woher die Großeltern stammen. Was muss ich tun, wenn ich mehr herausfinden will?

Lange Nicht erst anfangen, wenn es zu spät ist. Sind die nächsten Angehörigen verstorben, wird es kompliziert. Auf jeden Fall ist es hilfreich, wenn man Verwandte zu Namen, Wohnorten und Geburtsdaten befragen kann. Viele besitzen Fotoalben mit wirklich schönen, alten Familienaufnahmen. Doch ohne Namensangaben lässt sich damit kaum noch etwas anfangen.

Gesetzt den Fall, ich habe nur das Familienstammbuch, wie und wo suche ich nach weiterreichenden Informationen?

Lange Diese Bücher sind viel wert, denn sie wurden flächendeckend 1876 eingeführt. Sie liefern wichtige Daten bis zu den Groß- und Urgroßeltern. Über diese bekomme ich Zugriff auf die Geburtsurkunden in den zuständigen Standesämtern oder Stadtarchiven. So kann ich mich immer ein Stückchen weiter in die Vergangenheit hangeln. Manche Familien sind noch im Besitz des "Ariernachweises" aus der Zeit des Nationalsozialismus. Dies sind natürlich ideologische Zeitdokumente, aber die Angaben darin reichen meist drei Generationen zurück. So ist man schnell im 19. Jahrhundert angelangt. Gleichzeitig habe ich hier Quellen zur Geschichte der eigenen Familie in der NS-Zeit.

Welche speziellen Hilfsangebote gibt es?

Lange Ahnenforschung ist mühevoll und zeitaufwendig. Zunächst gilt es die Familie zu befragen, wo sie gelebt hat, vielleicht auch, welche Berufe ausgeübt wurden. Alte Adressbücher können weiterhelfen, da hier früher auch die Berufsbezeichnungen aufgeführt waren. Spezielle Software ist erst einmal nicht nötig. Im Internet gibt es verschiedene Portale, zum Beispiel GenWiki. Man sollte vorab genau prüfen, welche Angebote man nutzen möchte, denn viele sind kostenpflichtig.

Wie weit lassen sich die Spuren der Familien in der Regel zurückverfolgen?

Lange Wer bei Null anfängt, sollte zunächst einmal die nächsten Angehörigen befragen und mit diesen Informationen einen Stammbaum aufzeichnen. In unserem Arbeitskreis Ahnenforschung, der 2011 vom Stadtarchiv ins Leben gerufen wurde, gibt es Hilfe unter Gleichgesinnten. Einige der Teilnehmer können ihre Familiengeschichte inzwischen sogar bis ins 12. Jahrhundert verfolgen. Vielen reicht es aber, zu erfahren, wie und wo die Vorfahren im 18. Jahrhundert gelebt haben. Das sind schon sieben bis acht Generationen zurück.

Was genau wollen die Menschen bei der Recherche herausfinden?

Lange Die zentrale Frage ist immer, wo man herkommt und wie die Lebensumstände der Vorfahren waren. Es ist die Suche nach den eigenen Wurzeln. Viele möchten dann auch in die Orte und in die Länder reisen, wo die Familie früher gelebt hat.

Sind es überwiegend Ältere, die sich auf die Suche machen?

Lange Schon. Denn sie brauchen natürlich Zeit. Oft möchten Großeltern die Familiengeschichte für ihre Enkel aufschreiben und beginnen zu forschen. Für Familien, die seit 200 Jahren in Langenfeld leben, ist es natürlich einfacher, als für diejenigen, die Angehörige in Ostpreußen hatten. Man muss in den Archiven vor Ort recherchieren. Das ist zeitintensiv. Es waren aber auch schon Abiturienten zu Gast in unserem Arbeitskreis, die Unterstützung bei der Recherche oder beim Lesen der Urkunden gesucht haben.

Gibt es bestimmte soziale Schichten, die sich der Ahnenforschung besonders intensiv widmen?

Lange Nein. Das Interesse geht durch alle Bevölkerungsgruppen. Jeder will wissen, wo er herkommt.

(pc)
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